Hausfrau oder Kind und Karriere? Schluss mit dem schlechten Gewissen!

Familienministerin Manuela Schwesig
Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) sagt: "Als Frau kann man es eigentlich niemandem recht machen." Stimmt das? © dpa, Stephanie Pilick

Hört auf euch zu rechtfertigen!

Wir Frauen haben ein verdammt schlechtes Image: Karrieregeil, 'nur' Hausfrau oder Rabenmutter, in eine der Schubladen passt jede von uns. Familienministerin Manuela Schwesig wittert im miesen Ruf weiblicher Lebensentwürfe einen der Gründe, weshalb es in Deutschland so wenige Kinder gibt. Neue gesetzliche Regelungen sollen deshalb den Frauen künftig das Leben leichter machen. Jawoll! Finden wir auch. Und würden als allererstes dem Familiengesetzbuch einen neuen Einstiegs-Paragraphen verpassen: "Jetzt is´ aber mal Schluss mit schlechtem Gewissen!" Mädels, kommt raus aus der Rechtfertigungs-Nische!

Von Ursula Willimsky

Eines der Hauptprobleme in demografischer Hinsicht sind ja nicht unbedingt überlastete Familien, sondern Frauen, die erst gar keine Familie gründen. Eine Entscheidung, in die nach Meinung der Familienministerin auch die undankbare gesellschaftliche Rolle von Frauen mit hineinspielt: "Als Frau kann man es eigentlich niemandem recht machen."

Diesen Gedanken führte sie in der 'Bild am Sonntag' noch etwas ausführlicher aus: "Wer sich nicht für Kinder entscheidet, wird schräg angeguckt. Wer dann auch noch Erfolg im Beruf hat, ist die egoistische Karrierefrau. Wer sich für Kinder entscheidet und zu Hause bleibt, ist 'nur Hausfrau'. Wer Kinder hat und arbeitet, ist die Rabenmutter. Diese Stereotypen und Rollenklischees müssen endlich aufgebrochen werden."

Müssen sie das wirklich? Oder sind das nicht einfach persönliche Grundsatzentscheidungen, zu denen man stehen muss? (Wenn man denn die finanzielle Wahlfreiheit hatte, sich grundsätzlich persönlich zu entscheiden). Auch ein Metzger, der selbst schlachtet, wird mit seinem Beruf nicht in jeder Runde auf ungeteilte Sympathie stoßen. Genauso wenig wie Besitzer von Chemie-Fabriken, plastische Chirurgen oder Versicherungsvertreter. Auch die mussten irgendwann lernen, zu ihrem Lebensentwurf zu stehen und damit zurecht zu kommen. Is' halt so.

Vorschlag: Wir Frauen gucken uns von den Männern ein bisschen die Grundeinstellung ab. Arbeit ist Arbeit. Freizeit ist Freizeit. Beides ist meine Sache. Punkt. Wer sich dafür entschieden hat, bei den Kindern daheim zu bleiben – gut. Wer lieber Vollzeit arbeitet – auch gut. Vielleicht können wir damit dieser zustimmungsheischenden Rechtfertigungs-Verteidigungshaltung das Wasser abgraben, in die Frauen so häufig verfallen, sobald sie über ihr Leben reden. Was auch immer sie machen, es wird verwässert mit dem Zusatz "auch wenn ich weiß, dass darunter die Kinder / die Partnerschaft leiden."

Familie und Karriere lassen sich aber auch kombinieren

Vielleicht leiden die ja gar nicht so arg, wie man immer denkt? Sondern freuen sich, dass Mama nicht all ihre Aufmerksamkeit auf das Kind fokussiert oder eben jeden Mittag ein frisch zubereitetes Essen auf dem Tisch steht? Kinder sind tolerant und stark, und Männer sind auch nicht unglücklich über eine zufriedene Partnerin. Ist das der Ausweg aus dem Image-Dilemma: Einfach mal die neidischen Köter bellen lassen, während man selbst als stolze Karawane weiterzieht auf seinem Lebensweg als Hausfrau, Steuerfachgehilfin oder Verwaltungsratsvorsitzende? Kurz: Ab jetzt gilt Paragraph 1 – weg mit dem schlechten Gewissen.

Dazu braucht es passende Rahmenbedingungen. Schwesig will in Sachen Familienfreundlichkeit die Wirtschaft stärker in die Pflicht nehmen: "Die Unternehmer müssen mehr Rücksicht nehmen auf die Belange von Familien. Vollzeit arbeiten, am besten über Handy und E-Mails rund um die Uhr zur Verfügung stehen, sich gleichzeitig um Kinder und pflegebedürftige Eltern kümmern - das bringt Familien an die Grenze ihrer Belastung. Es wäre ein Riesenfortschritt, wenn in der Arbeitswelt auf Familienzeiten geachtet würde." Wenn die Bundesministerin könnte, würde sie am liebsten die 32-Stunden-Woche für Mama und Papa einführen. Dann bliebe auch Zeit für die Familie.

Sofern das Finanzielle klappt. Bei Familien gilt ja: Aus 1 bis 2 (Einkommen) mach 3 bis 4 (Jeans oder Poseidon-Teller). Schön, wenn man dann wirtschaftlich abgesichert ist. Ist man aber nicht immer, diagnostiziert auch die Ministerin: "Ganz viele haben zwar einen Kinderwunsch, realisieren ihn aber nicht, weil sie in der Arbeitswelt an Hürden stoßen. Befristete Arbeitsverträge wirken stärker auf die Geburtenrate als die Pille. Wer sich von Jahresvertrag zu Jahresvertrag hangelt, traut sich oft nicht, sich für ein Kind zu entscheiden."

Frauen, die es dennoch tun, haben mehr als ein Image-Problem. Sie müssen sich liebevoll um die Kinder kümmern, arbeiten gehen, weil ein Einkommen hinten und vorne nicht reicht oder sie im Job bleiben wollen, nebenher noch diverse 'private' Termine wahrnehmen ("Liebe Eltern, bei der Anlage des neuen Pausenhofs zählen wir auf Ihre Unterstützung!"), auch mal an sich selber denken, und die Fenster müssten auch mal wieder …. So. Sorry für die kurze Pause. Wir mussten nur mal rasch die Fliegenklatsche holen und die Schlechte-Gewissen-Teufelchen von unseren Schultern kicken. Die haben nämlich ohnehin genug zu tragen, da wollen wir ab jetzt diese Miesmacher-Typen nicht auch noch mit und herumschleppen. Siehe auch Paragraph 1… den Rest soll dann bitte die Politik erledigen.

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