LESEN LESEN

'Harry Potter und das verwunschene Kind': "Ich wünschte, ich hätte es niemals in die Finger bekommen"

von
Harry Potter 8 ist im Handel erhältlich: 'Harry Potter und das verwunschene Kind'.
'Harry Potter und das verwunschene Kind' - Harry Potter 8 ist im Handel erhältlich. © dpa, Klaus-Dietmar Gabbert, kdg fux

Wenn der Traum zu einem Albtraum wird

Endlich ist es so weit - 'Harry Potter und das verwunschene Kind' gibt es seit dem 24. September auch im deutschen Handel. Was hab ich mich gefreut. Schließlich haben der junge Zauberer und seine Abenteuer mich meine gesamte Kindheit begleitet. Vom ersten Buch war ich wie gebannt, habe fieberhaft verfolgt wie das Waisenkind Harry zu einem jungen mutigen Mann heranwächst und seinen Weg in der Zauberwelt findet. Und natürlich war ich umso trauriger, als ich das letzte Buch gelesen habe und die Geschichte zu Ende sein sollte. Da kann man sich vorstellen, wie sehr ich mich auf die Fortsetzung gefreut habe. Doch jetzt, nachdem ich das Buch gelesen habe, wünschte ich, dass ich es niemals in die Finger bekommen hätte - ich wünschte, dass ich niemals erfahren hätte, wie es laut J. K. Rowling mit der Geschichte weitergeht.

Ein Kommentar von Irena Bauer

Achtung Spoiler: Alle die das Buch noch nicht gelesen haben, sollten jetzt lieber auch mit diesem Artikel aufhören, denn ich möchte keinem Fan die Vorfreude nehmen und doch gibt es einiges zu kritisieren an 'Harry Potter und das verwunschene Kind'.

Eines muss ich vorweg nehmen: Das Buch ist für jeden Fan definitiv ein Muss. Wer einmal in der Welt von Harry gefangen war, der will auch unbedingt wissen, wie es weitergeht - genau wie ich. Im ersten Moment ist es sehr befremdlich, dass das Buch kein Roman, sondern ein Skript zu dem Theaterstück ist. Auf den ersten Seiten hat man wirklich Mühe, die Geschichte zu lesen und zu verstehen. Und trotzdem ist es wohl gerade der Autorin zu verdanken, dass man nach den ersten Akten wieder voll und ganz in der Welt von Harry Potter gefangen ist. Man fängt wieder an, von Hogwarts und seinen Lieblingscharakteren zu träumen. Nur schade, dass die Geschichte selbst nicht allzu fesselnd ist:​

Angedeutete Liebesbeziehungen bleiben Fantasie

Es sind rund 22 Jahre vergangen seit Harry es geschafft hatte, mit Hilfe seiner Freunde in der großen Schlacht von Hogwarts Lord Voldemort zu besiegen. Harry ist nun der Leiter der magischen Strafverfolgung, Hermine ist Zaubereiministerin (alles andere wäre auch eine Verschwendung ihrer unglaublichen Intelligenz gewesen) und Ron leitet 'Weasleys zauberhafte Scherze'. Natürlich ist Harry mit Ginny verheiratet und die beiden haben drei Kinder, James, Albus und Lily. Ron und Hermine führen ebenfalls ein glückliches Familienleben mit den Kindern Rose und Hugo. Und selbst Malfoy hat eine Frau gefunden, die ihn zu einem besseren Menschen macht - Astoria, mit der er den Sohn Scorpius hat.

Alles könnte so schön sein, doch Albus, der jüngere Sohn von Harry und Ginny, macht ganz schön viele Probleme. Nicht nur, dass er als einziger Potter in das Haus Slytherin kommt, er freundet sich auch mit Scorpius Malfoy an. Zwischen den beiden ist immer wieder eine sexuelle Spannung zu spüren, doch die Autorin schafft es einfach nicht, diese zu verwirklichen. Und so wird man als Leser in vielen Situationen hinters Licht geführt. In manchen Momenten glaubt man fast, dass die beiden Jungen endlich zu ihren offensichtlichen Gefühlen stehen, doch diese Gefühle bleiben nur in den Köpfen der Leser und schaffen es nicht aufs Papier. ​

Hermine - die "verbitterte alte Jungfer"?

Albus und Harry verstehen sich nicht besonders gut und doch will Albus seinem Vater nacheifern und Mut beweisen. Und so kommt es, dass er und Scorpius einen Zeitumkehrer stehlen, in der Hoffung, Cedric Diggory (er wurde im vierten Teil von Voldemort persönlich getötet) wieder ins Leben zurückholen zu können. Doch die beiden verändern die Zeit auf so gravierende Weise, dass sie es sogar schaffen, Ron und Hermine auseinander zu bringen. In der neuen Welt haben es Ron und Hermine nicht geschafft zu heiraten. Doch statt dass Hermine auch weiterhin ihren Weg geht, wird sie zu einer verbitterten alten Jungfer, die als Lehrerin in Hogwarts arbeitet. Was wirklich schade ist, denn es entsteht ein Bild, welches uns zeigt, dass eine kluge Frau ohne den passenden Mann an ihrer Seite keinen Erfolg haben kann und unglücklich ist. Und so kennen wir Hermine nunmal gar nicht.

Selbstverständlich schafft Albus es doch wieder, seine Fehler auszubügeln und die Welt zu retten und Harry kann sogar wieder eine Beziehung zu seinem Sohn aufbauen. Doch diese Wendung geschieht etwas zu holprig. 'Harry Potter und das verwunschene Kind' springt in den Ereignissen und Jahren sehr schnell herum, sodass man meinen könnte, man sei selbst mit dem Zeitumkehrer umhergewirbelt.

Im Großen und Ganzen war es ein netter Versuch, Harry Potter nach immerhin fast zehn Jahren wieder zurückzuholen. Doch ich muss zugeben, dass der Ausgang für Harry Potter und seine Familie in meiner Fantasie anders aussah und mir diese Version wesentlich besser gefällt. Ich behalte die Charaktere lieber genauso in Erinnerung, wie sie waren. Als glückliche Jungendliche, die es durch ihren Mut und ihre Freundschaft geschafft haben, die Welt von allem Bösen zu befreien. Sie bleiben für mich immer 17 Jahre alt - schließlich möchte auch ich nicht langweilig und alt werden. 

Anzeige