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Hanna Rosin: Das Ende der Männer

Hanna Rosin: Das Ende der Männer
Hanna Rosin: Das Ende der Männer

Hanna Rosin: Starke Frauen - schwache Männer?

Die amerikanische Journalistin und Buchautorin Hanna Rosin sorgt momentan mit ihrem Buch "Das Ende der Männer" für Aufregung. Sie erklärt den Rollentausch zwischen Männern und Frauen, der dafür sorge, dass das einst starke Geschlecht den Schwanz einzieht. Wir Frauen bekommen hingegen den Stempel "kalt und knallhart" aufgedrückt.

Von Sabine Möller

Wann ist ein Mann ein Mann? Zu Zeiten unserer Eltern lautete die Antwort noch: Wenn er finanziell für seine Familie sorgt. Rückhalt erfuhr er von seiner Ehefrau, die dafür sorgte, dass er sich mit Kinder und Küche nicht rumärgern musste. Heute, wo wir über Frauenquoten, Equal Pay Day und Gender Mainstreaming diskutieren, ist vom alten Rollenmodel wenig über geblieben. Wirklich nichts? Nicht ganz, findet die amerikanische Journalistin Hanna Rosin. In ihrer gerade veröffentlichten Buch "Das Ende der Männer" vertritt sie die Meinung, dass der Mann in seiner Rolle geblieben ist. Seine Frau dagegen ist aus dem alten Rollenmuster ausgebrochen, befindet sich auf der Überholspur, hat aber vergessen, wieder einzuscheren und braust mit einem Affenzahn davon. Vor so viel Ehrgeiz zieht der Mann ehrfürchtig den Schwanz ein und mutiert, laut Rosin, entweder zum versagenden Vater oder zum erfolgslosen Malocher.

Aber wie kam es zu dieser Entwicklung, vor allem in Amerika? Als 2007 die Wirtschaftskrise auch vor Amerika nicht Halt machte, wurden drei Viertel der 7,5 Millionen Arbeitsplätze eingespart. Betroffen vom Jobverlust waren vor allem Männer, weil es Männer-Domänen, wie die Baubranche, die Industrieproduktion und das Finanzmanagement, hart traf. Diese Männer waren die traditionellen Familienernährer. Ihre Frauen krempelten dagegen die Ärmel hoch und übernahmen nun die Rolle der Ernährer. Dass das nicht ohne Konflikte vonstatten geht, versteht sich von allein. Statt die Rollen wieder zu wechseln, haben sich die Geschlechter nun an die neue Art zu arbeiten, zu leben und gar zu lieben angepasst. Darum bleibt das Ruder in Frauenhand.

Das neue Bild der Frau: Unabhängig und karrieregeil

Die Frau von heute definiert sich laut "Das Ende der Männer" eben nicht mehr über den Status Ehefrau. Sie ist unabhängig - finanziell und emotional. Und sind wir mal ganz ehrlich, das trichtern wir schon unseren heranwachsenden Töchtern ein. Spätestens, wenn sie mit ihrer Berufsausbildung fertig sind und eine Akademikerlaufbahn einschlagen, können sie auf einen Ernährer an ihrer Seite pfeifen. Erst mit Mitte 30, schreibt Rosin, wenn sie doch ans Heiraten denken, wollen sie einen Mann, der mit ihnen auf Augenhöhe steht – intellektuell und finanziell.

Bis hier hin kann ich Hanna Rosin folgen und auch zustimmen – einen Mann braucht die moderne Frau nicht, um sich zu verwirklichen. Aber ich habe gestutzt: Lassen sich die Top-Verdienerinnen von ihren Top-Ehemännern scheiden, verdienen sie statistisch gesehen anschließend ein Viertel mehr, heißt es in dem Buch. Sie werden also vermögende Alleinerziehende. Und da ist der Haken! In Deutschland war 2012 jede fünfte Mutter alleinerziehend. 2010 waren nur 30 Prozent der Alleinerziehenden Vollzeit beschäftigt. Wo ist also der beschriebene Wohlstand? Für deutsche Verhältnisse trifft diese These also nicht zu.

Es entwickelt sich nach und nach die Spezies Superfrau, die mehr als weibliche Singles und genauso viel wie Männer verdient. Sie hat Kinder, arbeitet aber genauso in ihrem Beruf wie Kinderlose. Solche Frauen erhalten von unserer Gesellschaft doch ein Lob für ihren Einsatz, oder? Und weil sie so selbstlos ist und kaum kürzertreten kann (oder will) wirkt sie doch für viele unser uns als Vorbild.

Und genau das stört mich an Hanna Rosins Ausführungen über das neue Leben der Frauen. Erfolgsfrauen kommen kalt und knallhart rüber. Wir Frauen haben uns laut Hanna Rosin zu machtgeilen Karrierefrauen und einschüchternde Supermuttis entwickelt, die auf ihre männlichen Artgenossen herunterblicken oder sich gleich trennen. Ticken wir Frauen wirklich so oder zeichnet Rosin da das Bild einer kleinen Masse? Mag sein, dass auch in unserer Gesellschaft viele Frauen auf die finanzielle Unterstützung eines Mannes pfeifen. Aber was wäre unsere weibliche Welt ohne einen Funken Liebe und gegenseitigen Respekt gegenüber unseren Männer?

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