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Hand aufs Herz: Wollen Sie eine Zicke sein?

Zicke oder nicht?
Liebesexpertin Birgit Ehrenberg klärt, warum es sich lohnt, keine Zicke zu sein. © Vasiliy Koval

Bevorzugen Männer Zicken als Partnerin?

Die Erste, mit der ich je in meinem Leben als Liebende zu tun hatte, hieß Sabine. Die erste, die jeden Mann, wirklich jeden, um den Finger wickelte. Die erste richtige Zicke, die mir als nette Frau das Leben zur Qual gemacht hat. Um ''richtige'' Männer handelte es sich damals noch nicht, als Sabine mir die Kerle wegschnappte, es waren nur Jungs.

Wir waren süße 17. Wobei Sabine gar nicht süß war, weder innerlich, noch äußerlich. Ich war viel süßer. Aber Sabines Weg als Siegerin war vorgezeichnet: Sie war die Königin, sie musste nur mit dem Finger schnippen und schon standen alle Jungs Schlange. Dabei war Sabine überhaupt nicht hübsch. Sie hatte eine unglaublich knollige Kartoffelnase, kleine Augen und fisselige Haare. Okay, die Figur war ganz in Ordnung. Der Rest jedoch war komplett mittelmäßig. Was die Typen in den Bann zog, das weiß ich heute: Es war diese unglaubliche Zickenhaftigkeit.

Sabine tat nichts, um zu gefallen. Hatte sie den tollsten Jungen der Schule zu Gast, lackierte sie sich die Fußnägel und ignorierte ihn. Hatte ich das Glück, den tollsten Jungen der Schule zu Gast zu haben, informierte ich mich schon Wochen vor seinem Besuch über sein Lieblingsgericht, kochte es, backte einen Kuchen, saß artig neben ihm auf dem Sofa, hörte mir seine langweiligen Geschichten an. Ihr dürft drei Mal raten, wen der tolle Junge besser fand: Natürlich Sabine, Kartoffelnasen-Sabine. Später ist es ihr gelungen, den hübschesten, witzigsten und aufmerksamsten Mann der Stadt zu heiraten. Nachdem sie 78 andere Heiratsanträge abgelehnt hat.

Die Zicke als solche - Was macht sie so anziehend?

Was ist so anziehend an Zicken? Was können Frauen wie ich von denen lernen? Ich bin sicher, es gibt auch unter Euch viele nette und attraktive Frauen, die stinksauer sind, dass Männer gern zur Zicke greifen. Was müssen wir tun, um auch derart heftig geliebt zu werden?

Den wichtigsten Punkt hatten wir schon: Die Zicke als solche gibt Männern das Gefühl, Luft zu sein. Das ist doch unglaublich, offenbar finden die Männer das gut. Ich habe aufgehört, diese Haltung verstehen zu wollen. Es muss etwas mit ihrem Jagdinstinkt zu tun haben. Des Weiteren ist die Zicke unberechenbar. Auch wenn sie einem Mann an einem Tag ihre Gunst schenkt, kann es am nächsten Tag schon anders sein. Ein Mann gerät in den Fittichen einer Zicke ins Schwitzen.

Was macht die Zicke noch richtig? Sie ist das Gegenteil von fürsorglich. Sie lässt sich verwöhnen und bekochen, rührt aber selbst keinen Finger. Tja. Das muss man sich mal alles gründlich durch den Kopf gehen lassen. Und sich fragen: Will ich so werden? Eine Maschine. Ohne Gefühle, ohne Wärme, ohne Verantwortung für ihr Gegenüber.

Nehmen wir an, ich würde das einmalige Angebot erhalten und mich einer Gehirnwäsche unterziehen - mit dem Ziel, als Zicke aus der Wäsche hervorzugehen. Als Zicke, die all die vielen Männer, die ich nicht bekommen habe, endlich kriegt. Sogar den einen, den Tollsten aller Tollen. So würde eine Zicke übrigens nie von einem Mann reden: Das er der Tollste aller Tollen sei. Das ist der Zicke doch scheißegal. Hauptsache, alle finden sie toll.

Würde ich das also wollen? Eine Zicke werden? Antwort: Nein. Entschieden: Nein! Ich fühle mich in meiner Haut als nette Frau pudelwohl. Und wenn ich eines Tages den Mann treffe, der auf nette und niedliche Frauen steht, dann werden wir sehr glücklich sein. Er und ich. Da kommt die Zicke nie hin. Ohne Gefühle gibt es keinen Himmel.

Alles Liebe für Euch - Ihr netten Frauen!

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