Häusliche Gewalt: Werden Sie kein Opfer!

PZ Hunziker Schock Video
PZ Hunziker Schock Video 00:01:53
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So kämpft Michelle Hunziker gegen häusliche Gewalt

Es ist ein schockierendes Bild: Eine sehr hübsche junge Frau, blond, gepflegt schaut traurig an der Kamera vorbei. Ihre Unterlippe ist geschwollen, am Mundwinkel aufgesprungen, Prellungen an Nase, Stirn und Augen, ein Würgemal am Hals - kein Zweifel: Sie wurde geschlagen. Irgendwie kommt sie einem bekannt vor. Kein Wunder, denn fast jede von uns kennt eine, die vom Mann oder Partner schon mal verprügelt wurde, denn es (oder besser sie - die Faust des Partners) trifft jede vierte Frau in Deutschland.

Stiftung "Doppelte Verteidigung"
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Von Karla Steuckmann

Doch in diesem Fall kennen wir sie aus "Wetten Dass". Das Bild zeigt Michelle Hunziker. Erste Reaktion: Was? Die auch? Dass DIE sich so was bieten lässt? Mal ehrlich Mädels, in die Gedankenfalle ist jede schon getappt und damit der Schuldumkehr-Lüge auf den Leim gegangen: "Selbst Schuld, wenn sie sich das gefallen lässt…" Sie führt dazu, dass Frauen aus Scham schweigen. Nein, Schuld ist und bleibt der Schläger, nicht das Opfer. Es hat nicht darum gebeten und oft, zum Beispiel, wenn kleine Kinder zu versorgen sind, ist es wirtschaftlich von seinem Peiniger abhängig. Genau deshalb zeigt der Showstar ein zerschundenes Gesicht, doch die Wunden sind nur aufgeschminkt. Michelle Hunziker tritt so in einem Kurzfilm auf, mit dem sie Spenden sammelt. Das Geld soll Opfern einen guten Anwalt und damit eine Trennung vom Täter finanzieren.

Vor allem Behinderte werden Opfer von Gewalt

Opfer von häuslicher Gewalt?
Opfer von häuslicher Gewalt?

Aber wir hätten es auch bei ihr für möglich halten, denn Gewalt gegen Frauen kommt in allen Gesellschaftsschichten vor. Ob Villa oder Wohnblock - dem Arbeitslosen rutscht die Hand genauso aus wie dem Chefarzt. Ups – da wären wir in der nächsten Gedankenfalle. Hände können nicht "ausrutschen". Meine jedenfalls ist fest mit dem Arm verbunden und kann nur Bewegungen ausführen, mit dem sie mein Hirn ganz bewusst beauftragt. "Hand ausrutschen" verharmlost eine Prügelattacke zu einer Art unwillkürlichem Reflex. Und wer hat den verursacht und ist damit wieder irgendwie "selbst schuld", weshalb es Scham empfindet? Richtig: das Opfer.

Dabei steht doch völlig außer Frage, dass es die Täter sind, die sich eigentlich vor Scham lebenslang ohne Blick in den Spiegel beim Rasieren massakrieren müssten. Sie vergreifen sich nämlich nicht an Frauen, obwohl sie körperlich unterlegen sind, sondern WEIL sie es sind.

Je schutzloser Frauen sind, umso häufiger werden sie Opfer.

Das ganze Ausmaß der Feigheit offenbart jetzt eine Studie des Bundesfamilienministeriums: Zwei von drei blinden, gehörlosen und körperlich beeinträchtigten Frauen mussten bereits Gewalt erleiden. Sie werden zwei bis dreimal häufiger Opfer von Missbrauch als der weibliche Bevölkerungsdurchschnitt. Sogar in Betreuungseinrichtungen sind sie nicht sicher. Ein Drittel von ihnen hat dort sexuelle Übergriffe erlitten.

Freitag begehen wir einen Gedenktag, von dem ich wünschte, wir könnten ihn abschaffen: Der 25. November ist der "Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen". Jede von uns kann etwas tun, damit Opfern schneller geholfen werden kann. Unsere Gedanken-Fallen stellen ihnen die Scham-Hürden in den Weg: Nennt Gewalt beim Namen, keine Verniedlichung mit ausrutschenden Händen mehr! Keine "selbst Schuld-Sprüche" mehr! Seid nicht geduldig mit den Tätern sondern mit den Opfern: Und wenn sie 10 Mal zu ihm zurückgeht - vielleicht findet sie ja beim 11. Mal die Kraft, wegzubleiben. Dafür braucht sie Sie als Freundin.

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