Häusliche Gewalt: Kaum Konsequenzen für die NFL-Spieler

Für das Schlagen der eigenen Frau und Kinder gibt es kaum Konsequenzen
Häusliche Gewalt wird viel zu oft verharmlost © dpa, Maurizio Gambarini

Riesen Skandale in der NFL wegen häuslicher Gewalt

American Football ist in den USA das, was hierzulande der Fußball ist: Die mit Abstand populärste aller Sportarten, zwei Drittel aller Amerikaner geben Football als ihren Lieblingssport an. Man kann sich also ausmalen, wie groß die Skandale im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt sind, die die National Football League (NFL) gerade erlebt. Ein Spieler vermöbelte seine Frau, ein anderer seinen vierjährigen Sohn.

Von Christiane Mitatselis

Vergangene Woche tauchte ein Video auf, das zeigt, wie der Profi Ray Rice aus Baltimore seine frühere Verlobte und aktuelle Ehefrau im Februar in einem Aufzug bewusstlos schlug. Nun gibt es Prügel-Fotos von Adrian Peterson aus Minneapolis. Er wurde dadurch auffällig, dass er seinen vierjährigen Sohn mit einer Gerte verprügelte – und zwar so sehr, dass das Kind Blessuren am Rücken, den Beinen, dem Gesäß und den Hoden davontrug. Bei der Polizei sagte der Junge zudem aus, der Vater habe ihm Laub in den Mund gestopft und ihm dann die Hose runtergezogen.

Peterson wurde wegen Misshandlung angezeigt, kam aber auf Kaution frei. Nach einer kurzen Suspendierung wird er am kommenden Wochenende in New Orleans wieder für seinen Klub, die Minnesota Vikings, spielen dürfen. Das kündigten jedenfalls die Vereinsbesitzer an, die die Vorwürfe natürlich trotzdem ernst nähmen, wie sie betonten. Verzichten wollen sie aber lieber nicht auf Peterson, einen der besten Running Backs der Liga.

Es dürfte Proteste geben, wie auch im Fall von Rice, den die NFL erst auf unbestimmte Zeit vom Spielbetrieb ausgeschlossen hatte, nachdem durch bewegte Bilder aus dem inneren des Lifts das ganze Ausmaß seiner Prügelei belegt worden war. Auf einem ersten Video war nur zu sehen gewesen, wie er sein bewusstloses Opfer aus dem Fahrstuhl zog, dafür hatte es nur zwei Spiele Sperre von der NFL gegeben.

Wegen des halbherzigen Vorgehens der Liga charterten Frauenrechtlerinnen am vergangenen NFL-Spieltag Flugzeuge, die über einigen Stadien kreisten. Der von den Baltimore Ravens gefeuerte Rice besuchte derweil zusammen mit seiner einst von ihm vermöbelten Frau ein Spiel seines alten High-School-Teams – und wurde von den Fans gefeiert. Nach dem Motto: Was immer er auch getan hat, er ist einer von uns.

Die NFL-Spieler haben kaum Konsequenzen zu erwarten

So wird Gewalt gegen Schwächere verharmlost. Und all diejenigen, die sagen: "Mir hat eine Backpfeife als Kind auch nicht geschadet", werden sich bestätigt fühlen. Das Kind habe sicher auch etwas ausgefressen, dürften sie hinzufügen. Und Männer, die der Ansicht sind, eine aufsässige Frau brauche ab und zu eine Abreibung, werden sich über ihr populäres Vorbild Rice freuen. Zumal ihm sein Prügelopfer verziehen hat – was mit Rice' Gehalt von circa 2,5 Millionen Euro im Jahr zusammen hängen dürfte.

Man kann nur hoffen, dass diese Welle aus den USA niemals nach Deutschland schwappt. Ist es vorstellbar, dass ein populärer Fußballprofi, der sein Kind nachweislich zusammen geschlagen hat, weiter in der Bundesliga spielen darf, dass die Liga ihn nicht durch Suspendierung für eine längere Zeit ächtet? Wie wären die Reaktionen der Fans, würden sie sich womöglich mit dem Schläger verbrüdern und ihm die Treue halten egal, was er getan hat?

Sicher wäre die Empörung insgesamt groß. Leider gäbe es wohl aber auch hierzulande Verharmloser. Man kann den Alltagstest machen – und dazwischen gehen, wenn ein aggressiver Vater (ja, meistens sind es Väter!), sein Kind auf einem Spielplatz zusammenbrüllt. Wie fällt die Reaktion aus? Meistens: "Mischen Sie sich nicht in meine Erziehung ein…." Und alle anderen blicken in der Regel betreten weg. Man muss es trotzdem tun und im Zweifelsfall die Polizei alarmieren. Gewalttäter dürfen nicht unbehelligt davon kommen. Deshalb hat Amerikas größte Sportliga gerade furchtbar falsche Zeichen gesetzt und ihren Ruf (hoffentlich) bis auf weiteres ruiniert.

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