Häusliche Gewalt: Frauen sind häufiger Täter als Männer

Häusliche Gewalt
Häusliche Gewalt © picture-alliance/ dpa, Lehtikuva Marja Airio

Häusliche Gewalt: Auch Männer sind Opfer

In Sachen häuslicher Gewalt werden immer mehr Frauen zu Täterinnen gegenüber Männern oder sonstigen Familienmitgliedern. Das geht aus der Gesundheitsstudie hervor, die das Robert Koch-Institut veröffentlicht hat. Darin wurden 6.000 deutsche Erwachsene befragt, ob sie je Erfahrungen mit Gewalt gemacht haben. Das Ergebnis ist erschreckend, nur spricht darüber kaum jemand, weil „Themen ‘Frauen als Gewalttäterinnen‘ und ‚Männer als Gewaltopfer‘ gesellschaftlich weitgehend tabuisiert“ werden, heißt es im Fazit der Studie.

Von Sabine Möller

Laut Definition ist Gewalt eine schwere Form von Aggression, bei der zusätzlich zu einer Schädigungsabsicht ein psychisches oder physisches Machtgefühl zugrunde liegt. Wo beginnt aber Gewalt? Bei der körperlichen Gewalt sind wir uns wohl einig, wo die beginnt – wenn die erste Ohrfeige kommt. So leicht lässt sich psychische Gewalt nicht erkennen: Es sind Beleidigungen, Bedrohungen und Beschimpfungen, die ebenfalls als Gewalt anzugehen sind. Und wir reden hier nicht von verbalen Auseinandersetzungen, die samstags abends vor irgendwelchen Diskotheken ausgetragen werden.

Leider passiert Gewalt auch in der Familie oder Partnerschaft. In unserem Bewusstsein sind es häufig Frauen, die häusliche Gewalt erleben. Die Gesundheitsstudie offenbart nun aber, dass Frauen häufiger als Männer Gewalt gegen den Partner oder andere Familienmitglieder ausüben – sie werden zu Täterinnen. In Zahlen bedeutet das: Von den knapp 6.000 Befragten gaben 1,3 Prozent der Frauen an, körperliche Gewalt gegen den Partner ausgeübt zu haben. Dem gegenüber stehen 0,3 Prozent der Männer, die gegen ihre Partnerin Gewalt ausgeübt haben.

Höher sind die Zahlen bei der psychischen Gewalt: Da gaben 3,8 Prozent der befragen Frauen an, dass sie diese Form der Gewalt gegenüber ihrem Partner anwenden. Bei den Männern sind es 2,8 Prozent, die durch psychische Gewalt zu Tätern werden. Häusliche Gewalt hat also kein bestimmtes Geschlecht, dessen müssen wir uns bewusst werden. Wir können aber noch so ungläubig auf die Zahlen starren und uns fragen, warum das so ist, wenn wir nicht was dagegen tun! Egal ob Mann oder Frau Gewalt in der Familie erfährt, es bedarf Unterstützung, damit aus Gewalt nicht Totschlag wird.

Fragen und Antworten zu häuslicher Gewalt

Wie erkenne ich häusliche Gewalt?

Es ist nicht leicht, Gewalt zu erkennen. Einen blauen Fleck kann man übersehen, psychische Wunden sieht man nie. Wenn sich aber Personen zurück ziehen, weniger lebensfroh sind, in sich gekehrt und irgendwann ganz abkapseln, sollte das Gespräch doch gesucht werden. Aber sensibel. Oft reden Opfer die Situation schön. Bleiben Sie am Ball, sprechen Sie Mut zu und signalisieren Sie immer wieder Unterstützung.

Wohin kann ich mich wenden, wenn ich häusliche Gewalt erfahren habe?

Frauen wie Männer sollten sich zunächst an die Polizei wenden. Doch da es in den meisten Fällen Aussage gegen Aussage steht oder die Betroffenen noch mehr Gewalt fürchten, bleibt nur die räumliche Trennung. Für Frauen gibt es Frauenhäuser. Für Männer fehlen leider Hilfsangebote – ein Auszug aus der gemeinsamen Wohnung ist aber ratsam.

Um weitere Hilfen zu erhalten gibt es Opferschutzverbände, beispielsweise den Weißen Ring. Dort arbeiten 3000 ehrenamtliche Helfer in 420 Außenstellen. Unter der Telefonnummer 116 006 können sich Betroffene an den Weißen Ring wenden.

Welche Hilfe kann ich erwarten?

Der Weiße Ring, um ein Beispiel zu nennen, hilft vielfältig. Der Verein ist die erste Anlaufstelle für Kriminalitätsopfer. Die Mitarbeiter kümmern sich um die Betroffenen und ihre Probleme.

Wie schütze ich meine Kinder?

Im schlimmsten Fall sind bei häuslicher Gewalt auch Kinder betroffen. Im besten Fall wird ihnen keine Gewalt angetan. Wenn doch, informieren Sie die Polizei und das Jugendamt. Egal ob Männer oder Frauen zum Opfer werden, sollten die Opfer für sich und ihre Kinder das Notwendigste zusammenpacken und den Gefahrenbereich schnellstmöglich verlassen. Bringen Sie die Kinder an einen sicheren Ort.

Was kann ich tun, damit es erst gar nicht zur häuslichen Gewalt kommt?

Wenn sich Aggressionen von vornherein erkennen lassen, braucht derjenige, von dem die Gewalt ausgehen kann, Hilfe. Das schafft man selten allein. Es gibt entsprechende Seminare und Workshops, in denen über die Problematik gesprochen wird. Wichtig ist, die Situation nicht herunter zu spielen. Beide Seiten müssen die Gefahr erkennen und handeln.

Anzeige