Häusliche Gewalt an Frauen: So finden Sie Hilfe

Tag gegen Gewalt an Frauen
Jede dritte Frau in Deutschland wird mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt © dpa, Jens Büttner

Das Haus als Ort von Gewalt und Demütigung

Jede dritte Frau in Deutschland wird mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt. Eine alarmierende Zahl, auf die am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen (25.11.) aufmerksam gemacht werden soll. Häusliche Gewalt ist die häufigste Ursache von Verletzungen bei Frauen.

Ob eine Frau von ihrem Partner erniedrigt und geschlagen wird oder eine Vergewaltigung erlebt, hat nichts mit ihrer Herkunft zu tun, auch nicht mit Bildungsstand oder Einkommen - wenn es um häusliche Gewalt geht, ist jede Frau potenziell gefährdet. In den eigenen vier Wänden ist der gefährlichste Ort für eine Frau, statistisch gesehen viel gefährlicher als auf der Straße.

Eigentlich sollte die eigene Wohnung oder das Haus ein Ort der Geborgenheit und der Sicherheit sein. Doch der Schein trügt. Und weil längst nicht alle Fälle bekannt werden, gibt es leider noch viel mehr Opfer als angenommen. Manche Frauen ertragen jahrelang die täglichen Demütigungen.

Eine Ohrfeige hier, weil die Blumen auf dem Tisch verwelkt sind, ein Schlag in den Bauch da, weil auf dem Boden ein paar Krümel liegen. Bis es immer schlimmer wird. Bis ihre Männer sie bis zur Bewusstlosigkeit würgen, ihnen die Köpfe auf den Boden schlagen, ihnen die Beine auseinander reißen und gewaltsam in ihre Körper eindringen. 40.000 Frauen flüchten sich jährlich in Frauenhäuser, um von dieser Tyrannei loszukommen.

Häufig steigt die Gefahr für die Frauen, Opfer zu werden, durch die Trennung vom Partner. Sexuelle Nötigung oder Vergewaltigung ist für Ex-Ehemänner oder Lebenspartner das grausamste Mittel zum Zweck, um eine Frau gefügig zu machen, ihre Macht zu demonstrieren, sie für immer zu zeichnen. Das hat nichts mit "hartem" Sex oder mit einem erotischen Spiel um Dominanz zu tun. Sondern mit Macht und Brutalität.

Sobald eine Frau sexuell zu etwas genötigt wird, was sie nicht will, ist das nicht "normal", sondern eine hochgradige physische, aber auch psychische Belastung.

Gewalt in der Ehe: Was Opfer tun können

Weil das Thema so brisant und belastend ist, fällt es vielen Frauen schwer, sich Hilfe zu suchen. Sie haben Angst vor den Folgen.

Doch Betroffene sollten nicht schweigen: Auch Sie nicht! Sind Sie verletzt oder körperlich angegriffen worden, sollten Sie sich an die Polizei wenden. Haben Sie Angst vor diesem Schritt, weil er den Peiniger noch wütender machen könnte, ziehen Sie zumindest eine gute Freundin oder einen Freund zu Rate. Besprechen Sie mit ihm detailliert die Situation und suchen Sie Rat.

Sollten Sie sexuell belästigt oder gar vergewaltigt worden sein, dann gehen Sie auf jeden Fall zur Polizei. Sofort. Nicht duschen, nicht die Klamotten wechseln. Das ist nach einer Vergewaltigung unheimlich schwer und kostet enorm viel Überwindung, aber nur so lässt sich die Tat durch eine medizinische Untersuchung eindeutig nachweisen. Erstatten Sie, wenn es Ihnen psychisch möglich ist, Anzeige. Vergewaltigung ist ein schweres Verbrechen.

Wenn keine körperlichen Spuren der Tat mehr zu sehen sind oder die Tat länger zurück liegt, müssen Sie der Polizei glaubhaft erzählen können, was passiert ist. Diese Vernehmungen können oft stundenlang dauern. Tun Sie es trotzdem.

Sich Rat und Trost bei Freundinnen und auch der Familie schadet grundsätzlich nicht. Zu beachten gilt allerdings: Oft reagieren Freunde und Verwandte nicht so, wie Sie es brauchen. Es gibt viele Organisationen und Stellen, an die Sie sich wenden können, und die sich in der Materie auskennen. z.B. an den Frauennotruf. Auch die Telefonseelsorge kann Ihnen weiterhelfen und Adressen vermitteln.

Ebenso gilt, wenn Sie es schaffen: Verlassen Sie den gewalttätigen Mann und suchen Sie Schutz in einer Einrichtung für Frauen. Meiden Sie den Partner. Und lassen Sie sich helfen, allein schaffen Sie das nicht.

Hilfe finden Sie hier:

Das Hilfetelefon: 08000 - 116 016

Träger ist das Bundesamt für Familie

Das Hilfetelefon 'Gewalt gegen Frauen' ist das erste bundesweite Beratungsangebot für Frauen, die von Gewalt betroffen sind.

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