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Gynäkologische Untersuchungen: Ist unsere Vorsorge überflüssig?

Gynäkologische Untersuchungen: Ist unsere Vorsorge überflüssig?
© britta60 - Fotolia, Gerda von Stroheim

Studie zeigt: Jährliche Vorsorgeuntersuchungen sind überflüssig

Sind wir Frauen etwa alle Vorsorge-verrückt? Jahrelang hat man uns eingehämmert, dass wir mindestens einmal im Jahr zur Krebs-Früherkennung müssen. Was hatte ich ein schlechtes Gewissen, als ich meine Termine so oft verschoben und vergessen hatte, dass ich mich plötzlich ertappte, schon drei Jahre lang Vorsorge-abstinent zu sein. Meine Freundinnen waren entsetzt. Meine Frauenärztin sprach mit tiefer Sorgenfalte, dass das natürlich schon ein Risiko ist! Und jetzt sagt eine neue Studie, dass jährliche Vorsorge eigentlich überflüssig ist? Ja, was stimmt denn jetzt?

Von Dagmar Baumgarten

"Da werden einige Ärzte entsetzt die Augenbrauen hochziehen!", sagen sogar die Verfasser der Studie selbst. Denn die Vorsorge-Untersuchungen spülen natürlich viel Geld in die Kassen der Gynäkologen. Die Internisten der Universität San Francisco haben für ihre Studie die letzten 70 Jahre beobachtet und behaupten, dass es keine Hinweise gibt, dass die jährlichen Routine-Checks wirklich nützen und dass sie zu keiner Verringerung der Sterberate führen.

Ist das jetzt Doctor-Dizzing? Wollen die Internisten den Gynäkologen einfach nur das Geschäft vermiesen? Oder ist da doch was dran? Denn vor zwei Jahren gab sogar die Vereinigung der amerikanischen Frauenärzte zu, dass es eigentlich reichen würde, wenn gesundheitlich unauffällige Frauen alle drei Jahre zum Arzt gehen.

Frauenarzt und Patientin: Ein besonderes Vertrauensverhältnis

Tja, und hier kommt ausgerechnet von den Internisten das große ABER. Wenn es um die reinen Labordaten geht, könnte man theoretisch sagen: Es stimmt - wir sind alle über-vorsorgt.

ABER: Der Besuch beim Frauenarzt beschränkt sich ja nicht auf den reinen Abstrich. Oft herrscht hier ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patientin. Ist ja auch kein Wunder. Gezwungenermaßen gibt die Frau ja hier ihr Intimstes preis. Sowohl bei der körperlichen Untersuchung, als auch den zugehörigen Fragen. Dadurch traut sich Frau aber auch viel mehr zu erzählen oder auch zu fragen, als sie es beim vielleicht beim Internisten tun würde.

Ein aufmerksamer Gynäkologe oder eine aufmerksame Gynäkologin hat deshalb ein sehr umfassendes Bild über die Gesundheit seiner Patientin. Und entdeckt eventuell auch andere Krankheiten schon in einem Frühstadium oder lässt einen Kollegen gezielt noch mal Symptome checken, die sonst unbeachtet geblieben wären.

Was ist also das Fazit? Wer sich wohl fühlt und die jährliche Vorsorge verschlafen hat, muss nicht in hektische Panik-Attacken verfallen. Wenn ein gutes vertrauensvolles Verhältnis zum Frauenarzt besteht - und nur dann sollte man überhaupt die Praxis betreten - dann ist es laut den amerikanischen Medizinern sinnvoll, sich alle drei Jahre durchchecken zu lassen. Auch beim Thema Mammographie glauben sie, dass wir es übertreiben. Nach Auswertung ihrer Studie sind sie sicher, dass es reicht, wenn eine Frau ab 50 alle zwei Jahre ihre Brust digital durchleuchten lässt.

Die ganzen Empfehlungen gelten natürlich nur für Frauen, die bis dahin unauffällig waren und keine Beschwerden haben!

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