GESUNDHEIT GESUNDHEIT

Gute Pflegeheime: So altert es sich in Würde

Leben und Wohnen statt sauber und satt

Weißwurstfrühshoppen und der Besuch in einer Tanzschule: Was hier nach dem Animationsprogramm eines Hotels klingt, das ist tatsächlich fester Bestandteil in einem Altenheim. Denn es gibt sie wirklich – die guten Altenheime. Doch wie genau soll der Alltag in so einem Heim aussehen und wie können moderne Technik und Freizeitangebote finanziert werden?

Im Maria-Martha-Stift in Lindau am Bodensee setzt man auf das Konzept der Eden-Alternative. Das bedeutet, hier stehen die Normalität und der gewohnte Alltag im Vordergrund, die nicht aus dem Leben der Pflegebedürftigen verschwinden sollen. Was genau das bedeutet? Die Senioren in diesem Altenheim integrieren Elemente ihres früheren Alltags in das Leben im Stift – und dazu gehört eben auch mal ein Bier für den 102-Jährigen oder das Hegen und Pflegen der Tomatenpflanzen. Die Senioren bekommen eine Aufgabe, die sie antreibt - denn der größte Feind ist die Langeweile.

Außerdem vereinfachen moderne Techniken den Alltag: Sturzgefährdete Senioren bekommen ein Niederflurbett, das sich bis auf den Boden absenken lässt. Demente können via GPS-Tracker geortet werden und müssen nicht eingesperrt werden.

Der Erfolg spricht für sich: Im Schnitt bleiben die Pflegebedürftigen viel länger im Maria-Martha-Stift, als in einem gewöhnlichen Heim. Einige der Senioren kommen in ihrer Zeit im Stift sogar in eine niedrigere Pflegestufe. Ein Pfleger erklärt: "Der pflegerische Schwerpunkt rückt in den Hintergrund, damit der Bewohner, das Leben und das Wohnen im Mittelpunkt stehen."

Hilfsmittel kosten Geld, rechnen sich aber

Doch entscheidend ist dabei die Frage, wie eine solche Umstellung ohne Mehrkosten finanziert werden kann? Sind Mitarbeiter und Bewohner zufrieden, sind auch die Plätze im Stift voll belegt. Die Mitarbeiter bleiben länger und so werden kostspielige Einarbeitungsphasen neuer Mitarbeiter gespart.

Ein anderes Konzept nennt sich „Wohnen für Mithilfe“. Hier können Studenten zu einem unschlagbar günstigen Preis in leerstehenden Seniorenwohnungen leben, helfen dafür aber im Gegenzug den Senioren des Heims. Für die Hilfe beim Einkaufstüten tragen bedanken sich die älteren Damen dann zum Beispiel mit Klavierstunden. Stiftsdirektorin Susanne Hasrtsuiker weiß, dass am Ende ein Stück Normalität Einzug ins Leben erhält und die Lebensqualität steigert.

Anzeige