Gute Erziehung: Wieviel Förderung braucht Ihr Kind?

Erziehung: Wie erziehe ich mein Kind richtig?
Erziehung: Wie erziehe ich mein Kind richtig? © iStock

Wie perfekt muss gute Erziehung sein?

Mit zehn Monaten zur musikalischen Frühförderung, mit drei Jahren Chinesisch-Unterricht in der Kita und später in der Grundschule gehört der Wissenschaftskurs zum Pflichtprogramm. Darüber hinaus wird schon bei Fünfjährigen streng auf die Ernährung geachtet und auf den "richtigen" Freundeskreis. Eltern wollen heute das Beste für ihre Kinder und übersehen dabei oft, dass, das "Beste" nicht in teuren Kursen oder Ratgebern, sondern direkt vor der Nase, bei ihnen zu Hause, zu finden ist.

Von Merle Wuttke

Es gibt Frauen und Männer, die versuchen, schon bevor sie überhaupt ein Kind in die Welt gesetzt haben, Einfluss darauf zu nehmen, wie dieses Kind werden soll. Etwa, indem sie nur an bestimmten Tagen vor dem Eisprung Sex haben, weil das angeblich helfen soll, einen Jungen oder eben ein Mädchen zu zeugen. Ganz nach persönlichem Wunsch. In der Schwangerschaft treiben es dann manche Frauen munter so weiter - schlucken eine Fischöl-Kapsel nach der anderen, um in neun Monaten dann ein vermeintlich besonders cleveres Kerlchen in den Armen zu halten oder beschallen den Bauch mit Brahms, Bach oder Beethoven, man weiß ja nie - vielleicht kommt dadurch ein musikalisches Wunderkind zur Welt. Fest steht: Schaden tun alle diese Dinge nicht - nützen aber auch nicht. Dafür gibt es viel zu viele andere Faktoren, etwa Gene, Umwelt oder Beziehungen, die darüber entscheiden, wie ein Mensch sich entwickelt. Das einzige, was von solchen übereifrigen Maßnahmen überproportional profitiert, ist das schlechte Gewissen der Eltern.

Entspannte Eltern machen eine gute Erziehung aus

Schließlich will man alles "richtig" machen, dem Kind einen "guten Start" ermöglichen, ihm alle "Chancen" und vor allem "Glück" bieten - oder böse gesagt: Das Kinderleben optimieren. Denn, was in der Schwangerschaft beginnt, zieht sich bei den allermeisten Müttern und Vätern, bewusst oder unbewusst, durch die Elternschaft. Da wird Ratgeber über Ratgeber gewälzt, vom Schlafen lernen über die richtige Babymassage bis zur angemessenen Kommunikation mit dem Grundschulkind. Nach der Lektüre ist niemand schlauer, nur verwirrter, und das Gefühl alles in der Erziehung falsch zu machen größer. Viel hilft eben nicht viel. Zwar ist das äußerst ernüchternd - aber Eltern sollten begreifen, dass ihre gut gemeinten erzieherischen Maßnahmen in der Regel ohnehin nur wenig oder manchmal sogar schädliche Wirkung auf den Nachwuchs haben. Denn, ob das Kind nun bereits mit zwei Jahren auf Chinesisch bis zehn zählen kann, mag auf dem Spielplatz die Erwachsenen beeindrucken, viel mehr aber auch nicht. Besser als asiatische Sprachkurse sind dagegen Waldspaziergänge mit Kleinkindern, auf denen man auf eigene Faust Dinge entdecken, Zapfen sammeln und im Matsch Quatsch machen kann. Diese Art der Sinneserfahrungen sind für die Entwicklung des kindlichen Gehirns nämlich weitaus wichtiger, schreibt auch die Autorin Inka Schmeling in ihrem aktuellen Buch "Erziehungsquatsch - worauf Eltern Einfluss haben und worauf nicht." Darin plädiert sie für einen entspannten Umgang mit Erziehung, Elternschaft und dem schlechten Gewissen. Und dafür als Eltern authentisch zu sein und zu bleiben. Denn fast nichts würde sich stärker auf die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder - und somit auch auf ihre Fähigkeit ihr Leben später meistern zu können - auswirken, als das die Art und Weise, wie Eltern miteinander und mit ihren eigenen Bedürfnissen umgehen. Wer also gut zu sich ist, der ist auch gut für seine Kinder.

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