TIERE TIERE

Gut für die Gesundheit: Darum sollten Kinder mit einem Hund aufwachsen

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Mädchen kuschelt mit Hund
Mädchen kuschelt mit Hund © iStockphoto

Studie: Haustiere machen schon Babys stark

Wer glaubt, dass eine CD mit den Smash-Hits von Mozart genügt, um Baby optimal aufs Leben vorzubereiten, muss sich eines Besseren belehren lassen: Ein Kind braucht heutzutage anscheinend nicht nur intellektuelle Stimulierung, sondern auch ganz handfeste Förderung in Form von Mikroorganismen. Und wo bekommt Baby die am besten her? Genau: Von Haustieren, bevorzugt von solchen mit Fell. So behauptet es zumindest eine Studie.

Schwangere mit Haustier bekommen gesündere Babys.

Jetzt mag es nicht jedermanns Sache sein, sein Baby von einem Hund ablecken zu lassen (Krankheitserreger! Gefährlich, weil Hund Raubtier ist! Und überhaupt!). Aber wir geben der kanadischen Studie dennoch eine Chance und fassen deren Ergebnis kurz und äußerst plakativ  zusammen: Schwangere mit Haustier bekommen gesündere Babys. Das Forscherteam der Universität Alberta untersuchte bei 746 Säuglingen im Alter von drei Monaten ganz genau, was in der Windel steckte. Und siehe da: Lebte ein Tier mit Fell im Haus, lebten Babys Bäuchlein deutlich mehr verschiedene Bakterienstämme als in einem tierlosen Haushalt. Ein Effekt, der sich sogar nachweisen ließ, wenn das Haustier vor der Geburt des Kindes weggegeben wurde.

Artenvielfalt ist nun mal deutlich gesünder und besser als karge Monokultur; da tickt eine Darmflora auch nicht anders als das Landschafts-Schutzgebiet hinterm Gewerbepark Ost. Die Forscher fanden viele Bakterien, von denen man glaubt, dass sie im Kampf gegen Allergien und Übergewicht eine wichtige Rolle spielen. Im Darm von tierlosen Babys tummelte sich nur etwa die Hälfte dieser Mikroorganismen.

Zwar beeinflussen auch Faktoren wie Stillen oder eine Kaiserschnitt-Geburt die frühkindliche Darmflora. Und später entscheiden auch das Essverhalten innerhalb der Familie und die Gene mit. Aber heute interessiert uns vor allem der Aspekt "Kinder sollten mit einem Haustier groß werden". Auch, weil dieses Thema Familien weit über die Säuglingszeit hinaus begleitet.

Prima Allergie-Vorsorge

So gilt es seit langem als wahrscheinlich, dass vor allem Hunde eine prima Vorsorge gegen bestimmte Allergien (Pollen, Milben, Hundehaare) sein können. Schließlich bringt so ein Hund jede Menge guten Dreck ins Haus. Andererseits hat ein Hund noch einen Riesenvorteil: Er ist eben nicht nur im Haus, sondern will auch Gassi geführt werden. Faustregel: Dreimal eine Stunde am Tag. Wer so oft an die frische Luft geht, tut seinem Körper auf jeden Fall etwas Gutes.

Und damit sind wir auch schon bei den Nachteilen eines Hundes: Er muss jeden Tag Gassi geführt werden. Faustregel: Dreimal eine Stunde am Tag. Und das die nächsten zehn bis dreizehn Jahre. Wer überlegt, sich aus Gründen der familiären Darmgesundheit einen Hund zuzulegen, sollte diese Zahlen im Hinterkopf behalten. Und sich schon mal nach einem sehr, sehr guten Staubsauger für das Sofa umsehen, auf dem Hund sich vom Spaziergang erholen wird.

Da der Mensch nicht nur aus Körper, sondern auch aus Geist besteht, noch ein paar Sätze zum Thema Sozialverhalten: Auch da bewirken Tiere – gerade bei älteren Kindern – angeblich Wunderbares. Sie schulen das Verantwortungsbewusstsein! Sie erziehen dazu, regelmäßige Pflichten zu übernehmen! Sie lehren Respekt, vor allem wenn sie Katzen sind und jetzt nicht mehr gestreichelt werden wollen. Sie geben Schmuseeinheiten! Und sie stärken Durchsetzungsvermögen und Argumentations-Findung in Diskussionen. Vor allem, wenn es nach der ersten Euphorie darum geht, wer das Katzenklo sauber machen muss und wer bei diesem miesen Wetter die Runde im Park drehen muss.

Die Anschaffung eines Haustieres will also wohlüberlegt sein. Auch wenn sie der Darmflora noch so gut täte. Schließlich gibt es noch andere Möglichkeiten, diesem verkümmerten Biotop im eigenen Körper auf die Sprünge zu helfen.

Gemeint ist die sogenannte Hygiene-Hypothese, die besagt, dass Stadtkinder angeblich häufiger unter Allergien leiden als Bauernhofkinder. Die hätten einfach mehr Kontakt zu Tieren und Keimen. Weshalb Experten im Umkehrschluss von übertriebener Hygiene im Haushalt abraten. Einige US-Forscher gehen sogar noch einen Schritt weiter und empfehlen, die Verarmung im Darm und die Anfälligkeit für Zivilisationskrankheiten mit einem ganz einfachen Mittel zu stoppen. Sie sagen: Einfach mal nach der Gartenarbeit auf das Händewaschen verzichten. Wohl bekomm´s!

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