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Großmutter: Wie wichtig ist heute die Oma?

Großmutter: Wie wichtig ist heute die Oma?
© Nejron Photo - Fotolia, Andrejs Pidjass

Warum braucht eine Großmutter eine "Babyshower"?

Achtung Baby! Es gibt einen neuen Trend: Baby Shower Partys für die Oma. Mit dieser gesellschaftlichen Neuigkeit überrascht uns zumindest die Daily Mail. Und legt gleich noch einen drauf: Mit dem neuen Trend wird angeblich auch jede Menge Zündstoff für den Generationenkonflikt auf den Geschenketisch gelegt. Zitiert wird unter anderem eine werdende Mutter, die sich ärgert, dass die Baby Shower Party der Oma vor ihrer eigenen Party stattfand. Weshalb die Oma auch die besseren Geschenke bekam. Der Artikel hat in mir einige Fragen aufgeworfen: Haben die sonst keine Probleme? Wofür braucht eine Großmutter eine Baby Shower Party? Die vielleicht wichtigste Frage: Welche Rolle spielt denn die Oma heutzutage im Leben ihrer Enkelkinder?

Von Ursula Willimsky

Um sich dem Thema zu nähern, muss zunächst geklärt werden, was eine Baby Shower Party überhaupt ist. Sie findet in der Regel zwei Monate vor dem errechneten Geburtstermin statt. Und eingeladen sind alle Freundinnen und weiblichen Verwandten (in emanzipierten Haushalten dürfen aber auch Männer mitfeiern). Die Deko darf gerne kitschig-pastellig sein. Und die gereichten Speisen süß.

Weil es außer einem dicken Bauch kaum etwas zu bewundern gibt, gibt es die Tradition der Baby Shower-Partyspiele. Man darf den Bauchumfang erraten. Babybodys bemalen oder um die Prinzessinenkrone mit dem Titel "Ich kann die besten Tipps zur Babyaufzucht geben" konkurrieren. Achja – einen handfesten Hintergrund haben die Partys im angelsächsischen Bereich natürlich auch: Die Schwangere bekommt Geschenke.

An dieser Stelle habe ich tatsächlich etwas gelernt. Ich dachte immer, dass "Shower" von "to show" kommt. "Ich zeige meinen Babybauch." Es bedeutet aber angeblich so etwas wie "Dusche", weil es eben Geschenke regnet. Liebevolle. Lustige. Vor allem aber nützliche Geschenke. Die Mom To Be kann sich so schon mal weite Teile ihrer Erstausstattung sichern. Wenn ihr nicht die stolze Oma durch einen früheren Partytermin das bessere Hochstühlchen wegschnappt.

Womit wir beim oben geschilderten Generationenkonflikt wären. Den gäbe es vermutlich nicht, wenn die zitierte Großmutter nicht willens wäre, ihre Rolle als Großmutter ernst zu nehmen. Was sie recht häufig tut. Das Verhältnis zwischen Großeltern und Enkeln ist zumindest in Deutschland recht eng. Allen Unkenrufen von wegen "Entfremdung der Generationen" zum Trotz.

Dafür mag es verschiedenen Gründe geben: Viele Mütter und Väter sind heute gleichzeitig berufstätig, die Betreuungszeiten nicht immer Meeting-konform. Schön, wenn man Oma rekrutieren kann als Babysitter! Etwa zwei Drittel der Eltern setzen ihre Mutter/ihren Vater immer mal wieder zum Kinderhüten ein.

Heute kann sich die Großmutter auf wenige Enkel konzentrieren

Laut einer Betreuungsstudie des Deutschen Jugendinstituts leben fast 40 Prozent aller Kinder so nahe bei Oma und Opa, dass sie zu Fuß zu ihnen laufen können. Jedes dritte Kind wird mindestens einmal die Woche von Oma oder Opa betreut - eine Insel der Ruhe im oft lauten Kita-Alltag. Viele Experten sind sich sogar einig, dass die erste und die dritte Generation sich heute näher stehen als früher. Was zumindest erklärt, weshalb auch die Großeltern eine Erstausstattung ganz gut brauchen können.

Der Deal jung mit alt nutzt beiden Seiten, auch den Älteren. Unter anderem bleiben sie auf dem neuesten Stand – was ein Remoter ist, wissen sie spätestens ab dem Moment, in dem sie gegen ihren Enkel bei Super Mario verloren haben. Im Gegenzug können sie ihr Wissen weitergeben an jemanden, der sich darüber freut – und so Familientraditionen schaffen oder aufrechterhalten. Sie können – eher gesamtgesellschaftlich – Verständnis für andere Generationen und ihre Bedürfnisse wecken ("Felix! Warte mal! Die Oma kann nicht mehr so schnell!"). Und natürlich können sie die Enkel verwöhnen, ohne ihre Erziehungslinie durchbrechen zu müssen.

Sie können aber auch nein sagen zu Betreuungsanfragen. Und sich auf den Standpunkt stellen, dass sie schon genug Erziehungsarbeit geleistet haben an den eigenen Kindern. Wohl eher die Ausnahme, wenn man die Studie betrachtet.

Vielleicht spielt ja auch die Bevölkerungsentwicklung eine Rolle bei der Nähe der Generationen: Eine Großmutter, die 15 oder 17 Enkelkinder hat, kann sich ganz einfach nicht intensiv um jedes Enkelchen kümmern. Eine Großmutter, die nur ein Enkelkind hat, weiß, auf wen sie ihre Zuneigung fokussieren kann – wenn ihr nicht noch eine zweite Großmutter Enkel-Zeit abknappst.

Womit wir wieder bei der Konkurrenz a la 'Daily Mail' sind: In dem Artikel wird auch die Frage aufgeworfen, wie das denn nun ist, wenn sogar beide Omas eine Baby Shower Party geben wollen. Wer darf zuerst? Auf jeden Fall die Schwangere, betont der Reporter. Auf die weiteren Details der hochkomplizierten Terminabfolge wollen wir aber an dieser Stelle nicht eingehen. Da warten wir, bis dieser Trend definitiv in Deutschland angekommen ist.

Bei einer Spontanumfrage bei einigen Agenturen, die auch Baby Shower Partys ausrichten oder entsprechendes Equipment anbieten, ließen die Befragten durchblicken, dass Baby Shower Partys selbst für Schwangere hierzulande nicht soo boomen. Für Großmütter hatten sie noch gar keine Anfragen. Was vielleicht daran liegen könnte, dass es in diesem Fall echt schwer wird mit den Partyspielchen im Stil von: "Ratet mal, wie dick mein Bauch ist!"

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