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Große Frauen - große Probleme: Ein "langes Elend" erzählt

Die täglichen Probleme großer Frauen
Große Frauen: Mit diesen Problemen haben sie zu kämpfen © Serbia

Große Frauen wecken keinen Beschützerinstinkt

Manchmal wünsche ich mir, ich wäre ein Seepferdchen. Denn männliche Seepferdchen suchen extra nach großen Weibchen, weil sie sich von ihnen mehr Nachwuchs erhoffen. Bei uns Menschen sind große Frauen wie ich mit meinen knapp 1,80 m weniger gefragt. Zu tief sitzt das Bedürfnis vieler Männer, ihren Beschützerinstinkt auszuleben. Eine Frau auf oder über Augenhöhe kommt da nicht in Frage.

Von Caroline Schmidt

Zumindest bekomme ich diesen Eindruck, wenn ich Foren-Einträge im Internet lese. Die meisten Männer beteuern in ihren Beiträgen, dass an großen Frauen eigentlich gar nichts auszusetzen sei. Oft seien die Proportionen sogar stimmiger und die Gliedmaßen wirkten feiner als bei kleinen Frauen - man denke nur an Uma Thurman oder Gisèle Bündchen. Aber für sich selbst könne man sich trotzdem keine richtig große Freundin vorstellen.

Diese Einstellung bestätigen auch Studien immer wieder. Das Entmutigende an den Ergebnissen für uns überdurchschnittlich große Frauen - der Durchschnitt liegt übrigens bei 167 Zentimetern - ist aber nicht, dass wir nicht ins Beuteschema vieler Männer passen. Vielmehr frustriert uns, dass die wenigen großen potentiellen Partner wiederum ins Beuteschema kleiner Frauen passen. Denn Männer wollen kleine Frauen und Frauen wollen große Männer - Beschützer eben.

Es gibt aber tatsächlich auch ein paar Männer, denen es egal ist, wenn ihre Partnerin größer ist als sie. Manche wünschen es sich sogar. Das Problem ist nur: Häufig haben diese Männer einen Knacks. Hüten Sie sich daher vor folgenden Männertypen:

Der verkappte Schwule

Er steht nicht nur auf große Frauen, sondern auch auf Körperbehaarung, tiefe Stimmen und muskulöse Körper. Wenn Ihr Freund Ihren Rasierer versteckt und Ihnen Hanteln zum Geburtstag schenkt, sollten Sie also misstrauisch werden.

Der masochistische Zwerg

Dieser Mann will erniedrigt werden. Er glaubt, dass Frauen, die ihn überragen, auch auf ihn herabblicken und ihn dominieren wollen – so wie er es sich wünscht. Werfen Sie einen Blick auf sein Sex-Spielzeug und Sie erfahren, mit wem Sie es zu tun haben!

Der Angeber

Er hat Komplexe und sucht deshalb Selbstbestätigung in seinem Umfeld. Er prahlt gerne und schmückt sich mit schönen Dingen. ‚Ich werde sogar mit einer großen Frau fertig - in jeglicher Hinsicht!’ Das ist seine Botschaft. Sie erkennen den Angeber daran, dass er nie mit Ihnen allein sein will.

Doch nicht immer steckt ein Freak im kleineren Mann. Dass solch unkonventionelle Partnerschaften funktionieren können, beweisen etliche Promi-Paare.

Dass es mit der Partnersuche kein Zuckerschlecken wird, habe ich schon als Teenager gemerkt. Damals gingen die Steh-Blues-Partys los, und ich überragte zwei Drittel der Jungs in meiner Klasse locker um eine halbe Kopflänge. Dank Flaschendrehen musste aber jede mit jedem einmal tanzen. Oft für beide Parteien keine angenehme Angelegenheit. Denn sobald mir ein kleiner Tanzpartner zugeteilt wurde, brach ich in Angstschweiß aus vor Sorge, ich könne etwas müffeln. Schließlich hing sein Gesicht beim Tanzen regelrecht in meinen Achselhöhlen.

Im Lauf der Jahre holten mich ein paar Jungs ein, andere blieben ewig unter meinen mittlerweile 1,79-einhalb Metern. Ein halber Zentimeter, der mich von den 1,80 trennt. Ein halber Zentimeter auf den ich bestehe, auch wenn ich mich mittlerweile mit meiner Größe abgefunden habe. Bis dahin war es aber ein weiter Weg. Denn besonders in der Pubertät ist es belastend, so groß zu sein: Kein Junge trägt dich freiwillig Huckepack, die Kleider der Freundinnen passen nicht und man kann als einzige in der Mädchengruppe seine schwere Tasche selbst tragen. Denn groß ist für viele Menschen gleich stark!

Irgendwann habe ich das auch selbst geglaubt. Als ich abends mit meinen Freundinnen unterwegs war, kreiste mir immer im Kopf herum: 'Wenn wir jetzt überfallen werden, muss ich die anderen verteidigen.' In der Gruppe fühlte ich mich immer als Trampeltier, obwohl manche meiner Freundinnen wesentlich robuster gebaut waren als ich. Letztendlich musste ich, Gott sei Dank, weder mich selbst noch andere jemals körperlich verteidigen. Dazu wird es wahrscheinlich auch nie kommen, denn mittlerweile habe ich - wie so viele große Menschen - ein Rückenleiden. Wahrscheinlich vom vielen Herunterbeugen, um vom Gespräch der Freundinnen etwas mitzubekommen. Jedenfalls sind körperlich beeinträchtigte Menschen doch vom Andere-Beschützen-Müssen befreit, oder?

Große Frauen: Die ätzendsten Bemerkungen

Das schlimmste am Groß-Sein sind aber bis heute die Kommentare mancher Normalgroßen. Hier eine Hitliste der ätzendsten Bemerkungen und wie ich gerne darauf antworten würde, wenn ich nicht so höflich wäre:

Platz 5

Du hast es gut, du wirst nicht so oft begrabscht!

-> Dafür flirtet auch fast nie jemand mit mir!

Platz 4

Du hast es gut, du kommst an die oberen Küchenschränke!

-> Dafür komme ich beim Putzen nicht so gut in die Ecken!

Platz 3

Du hast es gut, bei dir sieht man es nicht so schnell, wenn du 2 Kilo zunimmst!

-> Dafür sehe ich wenn ich zunehme wie ein Koloss aus, und nicht wie ein kleiner, süßer Pummel.

Platz 2

Du hast es gut, du kannst bei Konzerten mehr sehen!

-> Dafür muss ich immer hinten stehen, weil sonst die kleinen Leute hinter mir anfangen zu meckern.

Platz 1

Du hast es gut, du kannst mehr essen!

-> Dafür muss ich auch einen größeren Körper bewegen.

Rund 26,6 Prozent der deutschen Frauen sind größer als 1,70 Meter, 2,1 Prozent davon übersteigen sogar die 1,80 Meter. (Quelle: SOEP) Ich nehme an, alle diese Damen wären dankbar, diese Kommentare nie mehr hören zu müssen. Schließlich haben wir auch ohne diese Bemerkungen schon genug Probleme: Zum Beispiel der ewige Platzmangel in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Klamotten finden, die uns passen. Grundsätzlich fehlen immer ein paar Zentimeter an Armen, Beinen und an der Taille. Darüber hinaus müssen wir immer darauf achten, uns nicht noch größer zu machen, als wir sowieso schon sind.

Ob es an meinem Minimizer-Styling liegt, weiß ich nicht, jedenfalls habe ich mittlerweile den perfekten Mann für mich gefunden. Mit seinen 2.02 m fällt er bei vielen Frauen unter die seltene Kategorie 'zu groß'. Mein Glück!

Mit einem Freund hören die Probleme einer großen Frau aber nicht auf. Denn mit dem richtigen Partner kommen die Zukunftspläne, wie zum Beispiel Kinder. Und dann wird das Selbstbewusstsein wieder auf eine harte Probe gestellt.

Ich traute meinen Ohren kaum, als mein großer Freund neulich sagte: 'Ich will keine Tochter!' Er könne seinen potenziellen Töchtern nicht antun, so groß zu werden. Schließlich würden, neuesten Studien zufolge, Kinder heutzutage durchschnittlich zwei Zentimeter größer als ihre Eltern. Und 181,5 cm - so groß müsste nach dieser Rechnung meine Tochter werden - wären eindeutig zu groß für eine Frau. Dass es ein 2,04 m großer Sohn auch nicht leicht haben würde, kam natürlich nicht zur Sprache.

Nach dem ersten Ärger fing ich an, über meine künftigen Töchter nachzudenken. Bis heute bin ich mir nicht sicher, ob ich wirklich will, dass sie mit den gleichen Problemen aufwachsen, wie ich. Mittlerweile gibt es Hormone, die das Wachstum hemmen. Die Nebenwirkungen sind aber nicht zu verachten. Letztendlich werde ich abwarten. Vielleicht wird meine Tochter ihre Größe ja als Geschenk empfinden und eine erfolgreiche Basketball-Spielerin werden. So wie es die meisten kleinen Leute von uns großen Menschen erwarten.

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