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Größter Teenager der Welt ist den Titel los

Malee: Vor vier Jahren war sie ein Star

Malee stand als größtes Mädchen der Welt im Guinnessbuch der Rekorde. Und so lange das so war, war ihr Leben ganz wunderbar. Alle haben sich für sie interessiert. Sie ist berühmt geworden. Aber jetzt ist sie nicht mehr das größte Mädchen der Welt. Und das hat heftige Konsequenzen für Malee. Johanna Meier, Katrin Rubow und Julia Kiefer berichten.

Wenn das Fernsehen kommt, steckt sie sich immer noch eine Blume ins Haar und zeigt sich mit geschminkten Lippen! So wie sie es immer getan hat. Nur das erinnert noch daran, dass Malee einmal mehr war, als nur ein riesengroßes Mädchen. Malee war eine Berühmtheit. Denn sie wurde bekannt als der größte Teenager der Welt. Mit 2,12 Meter ausgezeichnet von Guinnessbuch der Rekorde.

Kein Geld, um ins Krankenhaus zu fahren

Heute – 4 Jahre nach ihrer Ernennung – ist nichts mehr übrig. Der Titel ist weg, und damit auch der Ruhm! „Früher kamen immer viele Kamerateams, und ich wurde eingeladen. Aber in letzter Zeit nicht mehr. Dass ich nicht mehr der größte Teenager der Welt bin, macht mich traurig“, sagt Malee. Dabei ist es nicht die Größe, die sie wieder klein und unbeachtet macht. Sondern ihr Alter! Malee ist mittlerweile 21, und damit KEIN Teenager mehr. Und für den Titel „Größe Frau der Welt“ ist sie mit 2,12 Meter, so unglaublich wie es klingt, schlicht weg zu klein!

„Mein Körper hat mir nie gefallen. Weil er so groß war, habe ich ihn gehasst. Mit all den Fernsehkameras, der Aufmerksamkeit – haben mich die Leute angeguckt, weil sie mich als größtes Mädchen der Welt kannten. Ich war ein bisschen berühmt! Das fand ich cool.“ Heute wenden sich die Leute von Malee ab. Damals war sie gefragt. Und das über die Grenzen Thailands hinaus. Internationale und nationale Kamerateams besuchten sie oder ließen sie anreisen. Zeitungen berichteten über sie. Auftritte im Thailändischen Fernsehen waren an der Tagesordnung. Jeder wollte ein Stück vom Ruhm des grooooßen Mädchens!

Das Tragische daran ist, das damit ihre einzige Einnahmequelle versiegt. Denn Malee ist aufgrund ihrer Größe sehr krank. Schon 2009 konnte die Familie die Krankenhaus-Rechnungen der damals 17-Jährigen nur dank des zusätzlichen Einkommens bezahlen. „Es ist, wie es ist. Doch ich frage mich die ganze Zeit, es gibt in Thailand 60 Millionen Menschen, warum uns keiner hilft“, bedauert Malees Vater. Malee Duangdee: „Das ist sehr schwierig für meine Eltern. Sie haben kaum Geld, und was ich mir mehr wünsche als alles andere, ist, dass mir Leute helfen. Die Fahrt ins Krankenhaus nach Bangkok einmal im Monat und die Verpflegung dort kosten viel Geld. 4.000 bis 6.000 Baht.“ Umgerechnet sind das bis zu 140 Euro pro Fahrt. Malees Vater verdient als Tagelöhner im Monat aber gerade einmal 70 Euro. Doch die Behandlungen im Krankenhaus sind lebenswichtig für Malee. Heute mehr als vor 4 Jahren! Denn ihre Gelenke tragen sie nicht mehr.

Und zusätzlich hat die 21-Jährige einen Tumor im Gehirn der auf den Sehnerv drückt. „Ich kann auf meinem rechten Auge fast gar nichts mehr sehen. Der Tumor wird immer größer. Für eine OP fehlt Geld. Links sehe ich ein bisschen. Manchmal mehr, manchmal weniger. Insgesamt ist mein Körper sehr schwach. Meine Beine tun mir weh. Und mir wird ganz oft schwindelig!“ Malees einzige Bezugspersonen sind ihre Eltern. Doch besonders ihr Vater empfindet das Anderssein seiner Tochter als Strafe, wie er sagt! Ohne die Hilfe und das Geld ihrer Eltern könnte Malee nicht überleben. Trotzdem schockieren die Worte wie diese aus seinem Mund: „Ich mache mir große Sorgen um meine Tochter. Was wird aus ihr wenn wir einmal nicht mehr da sind. Es klingt hart, aber ich hoffe, Malee stirbt vor uns.“

Malee weiß, sie wird niemals für sich selbst sorgen können. Und ohne den Titel und die damit verbundenen Einnahmen wird sie sich finanziell nie die medizinische Versorgung leisten können, die nötig wäre, um zu Kräften zu kommen. Sie war „Der größte Teenager der Welt“, und als das Mädchen zur Frau wurde, hat die Welt dann plötzlich aufgehört sich für sie zu interessieren.

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