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Grippewelle 2015: Die Grippewelle kommt ungewöhnlich früh

Die Zahl der Grippekranken steigt weiter

Die Grippe nimmt Deutschland immer fester in den Griff. "Stark erhöhte Influenzaaktivität" meldet die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) bundesweit schon seit zwei Wochen, aber zuletzt schnellten die Zahlen bestätigter Grippefälle nochmal rasant nach oben.

Grippewelle 2015 rollt: Karten des Robert-Koch-Instituts
So haben sich die Ansteckungszahlen in den vergangenen Wochen laut Robert-Koch-Institut entwickelt. © Robert-Koch-Insitut/RTL interactive

Über 18.000 Influenza-Erkrankungen insgesamt in der diesjährigen Grippesaison - mehr als ein Drittel davon (6.251) allein in der siebten Kalenderwoche. Nicht eingerechnet ist dabei die immense Dunkelziffer der nicht im Labor bestätigten Fälle.

"Wie hoch diese Dunkelziffer genau ist, wissen wir nicht. Aber es gibt eine erhebliche Untererfassung", bestätigte die Sprecherin des Robert Koch-Instituts, Susanne Glasmacher. Aus den Arztpraxen werden laut AGI folgende Zahlen gemeldet: Hochgerechnet etwa 1,5 Millionen Menschen gingen in Deutschland allein in der vergangenen Woche mit Grippe oder anderen Atemwegserkrankungen zum Arzt. Dort drängten sie sich dann zusammen mit anderen Schniefenden und Hustenden in pickevollen Wartezimmern. Und einige große Arbeitgeber klagen bereits über hohe Krankenstände.

Ist eine Grippeschutzimpung sinnvoll?

Ausgeknockt von jetzt auf gleich: Wen die Grippe erwischt, der wandert meist auf direktem Wege ins Bett. Der Süden ist besonders betroffen - und Auswirkungen bekommen auch diejenigen zu spüren, die gar nicht krank sind. Im Raum Karlsruhe etwa werden die Stadtbahnführer knapp und der Nahverkehr gerät seit Tagen mächtig in Stocken. Auch in einzelnen Krankenhäusern Südbadens herrscht Personalnot. Teils ist dort jeder zehnte Mitarbeiter krank geschrieben. "Wir lehnen niemanden ab", sagte ein Sprecher des Uniklinikums Freiburg. Aber viele planbare Eingriffe und Operationen würden verschoben.

Und das Ausmaß der Welle ist noch nicht abzusehen: Experten des Braunschweiger Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) schätzen, dass der Höhepunkt erst in den nächsten drei Wochen erreicht wird. Besonders verbreitet ist in dieser Saison bislang der Subtyp H3N2 der Influenza-A-Viren. Zwar enthält der saisonale Grippeimpfstoff eine Komponente gegen H3N2. Aber dieser Stamm hat sich seit der Empfehlung für die Impfstoffzusammensetzung, die bereits im Frühjahr 2014 von der WHO festgelegt wurde, wieder verändert. Sprich: Das im Vakzin enthaltene Eiweiß stimmt nun nicht mehr mit dem Oberflächeneiweiß des Erregers überein.

Wie sich die Impfung am Ende auf die Grippewelle auswirkt, hängt auch von der Impflust der Menschen ab: Vor allem Ältere, Menschen jeden Alters mit chronischen Grunderkrankungen oder Personen, die im medizinischen Bereich arbeiten, gehören zur Risikogruppe. Nach bisherigen Erkenntnissen lassen sich weniger als 30 Prozent der Bevölkerung gegen Grippe impfen. Etwa die Hälfte der Älteren sei gegen Influenza geimpft. Bei der Risikogruppe der Schwangeren ist es kaum ein Viertel.

Besonders impfbegeistert sind die Deutschen in Sachen Grippe also nicht. Nachrichten von einzelnen ungeklärten Todesfällen, die zeitweise mit Grippeimpfungen in Zusammenhang gebracht wurden, fördern die Skepsis. Ende 2014 waren in Italien Chargen eines verstärkten Grippevakzins für Senioren zurückgezogen worden. Laut Europäischer Arzneimittelbehörde gab es jedoch keinen kausalen Zusammenhang zwischen Todesfällen und Impfungen. Da sich schwache und starke Grippewellen häufig abwechseln, ist in den nächsten Wochen Aufmerksamkeit angesagt.

Bei der letzten schweren Saison im Winter 2012/13 starben laut RKI 20.600 Menschen an den Folgen. Deshalb gilt vor allem für Kinder und Ältere: Erkrankte meiden, sich nicht in Menschenmengen anhusten lassen - und vor allem regelmäßig Händewaschen.

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