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'Gone Girl - Das perfekte Opfer': Gillian Flynns cleverer Roman überrascht

Gillian Flynn: Gone Girl - Das perfekte Opfer
'Gone Girl - Das perfekte Opfer' von Gillian Flynn © RTL interactive/ Scherz

Leseinfo zu 'Gone Girl - Das perfekte Opfer'

Am Morgen ihres fünften Hochzeitstages verschwindet Nicks Frau Amy spurlos. Schnell wird Nick von der Polizei verdächtigt, Amy aus dem Weg geräumt zu haben - und tatsächlich spricht alles gegen ihn. Auf seinem Computer werden merkwürdige Hinweise gefunden und Amys Freunde berichten, seine Frau hätte Angst vor ihm gehabt.

Doch Nick schwört, dass er mit Amys Verschwinden nichts zu tun hat. Als Nicks Situation immer auswegloser wird, nimmt der Fall eine überraschende Wendung.

Über 'Gone Girl - Das perfekte Opfer'

Dass es um die Ehe von Nick und Amy Dunne nicht zum Besten bestellt ist, wird direkt zu Beginn der Geschichte deutlich. War das Paar früher so verliebt, leben sie jetzt nebeneinander her, ohne zu wissen und sich dafür zu interessieren, was der andere fühlt und denkt. 'Wie gut kennt man eigentlich den Menschen, den man liebt?': Diese Frage hat Nick sich oft gestellt, ohne zu ahnen, dass sie ihm einmal zum Verhängnis werden würde.

Jedes Jahr zum Hochzeitstag bereitet Amy mühevoll eine Schnitzeljagd mit Aufgaben vor, die Nick lösen muss. Dazu muss er sich an Orte und Dinge erinnern, die beide im vergangenen Jahr miteinander verbunden haben. Die Schnitzeljagd wird immer auch zur Eheprobe: Hat Nick ihr richtig zugehört? Versteht er seine Frau und ihre Gedanken? Bisher konnte Nick ihre Rätsel nie vollständig lösen. Aber macht ihn das auch zum Schuldigen? Nach Amys Verschwinden versucht er fieberhaft, dieses Mal ans Ziel zu kommen und hofft, damit mehr über den Verbleib seiner Frau herauszufinden - stattdessen tappt er auf diesem Weg immer tiefer in die Falle.

'Gone Girl' überzeugt durch eine sehr clevere, perfekt durchdachte Story, die sich auf angenehme Weise von anderen Psycho-Thrillern abhebt. Dabei wechseln sich aus Nicks Sicht verfasste Kapitel mit alten Tagebucheinträgen Amys ab, was einen tiefen Einblick in die Gedanken beider Protagonisten erlaubt. Vor allem Nick als Protagonist bleibt die gesamte Geschichte über unnahbar, kühl und wenig sympathisch - ihn scheint das Verschwinden seiner Frau nur wenig zu schockieren. Gerade im ersten Teil der Geschichte lässt er kaum eine Gefühlsregung geschehen und passt dadurch umso perfekter in das Bild des kaltblütig mordenden Ehemanns.

Der Roman ist in insgesamt drei Teile gegliedert, deren Ende stets eine extreme Wendung der Ereignisse markiert. Im Laufe der Geschichte bildet sich immer stärker heraus, wie gnadenlos die Protagonisten manipulieren - entweder um an ihr Ziel zu kommen oder um ihre eigene Haut zu retten. Gillian Flynn schafft es, den Leser auf weit über 500 Buchseiten durchweg zu fesseln: Dabei kommt sie ohne viel Blutvergießen aus und gestaltet die Geschichte dennoch extrem spannend und erschreckend. Das Ende des Romans lässt den Leser kopfschüttelnd zurück. 'Gone Girl' war in den USA ein großer Erfolg und wird mit Ben Affleck und Rosamund Pike in den Hauptrollen verfilmt.

Über die Autorin Gillian Flynn

Gillian Flynn wuchs in Kansas City auf und arbeitete als Journalistin für den 'San Francisco Examiner' und 'U.S. News & World Report'. Zudem war sie die leitende TV-Kritikerin von 'Entertainment Weekly'. Nach Stationen in Los Angeles und New York lebt sie heute in Chicago.

(Text: Kira Heppner)

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