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God save the queen: Zum 90. Geburtstag der britischen Königin

Happy Birthday, liebe Queen

Sie hat es einfach immer noch drauf. Selbst mit 90 bereist die Queen unermüdlich fremde oder bekannte Länder, schüttelt Staatschefs mit freundlichem Lächeln die Hände (und denkt sich dabei wahrscheinlich: „Dich werde ich auch noch überleben“) und macht – obwohl sie bereits als dienstälteste Monarchin Europas gilt – nach wie vor nicht den Eindruck, als würde sie den Stab an ihren Sohn Charles abgeben wollen.

Herzlichen Glückwunsch - die Queen wird 90!
Großbritannien ohne die Queen wäre einfach undenkbar © Getty Images, Chris Jackson

Von Merle Wuttke

Und damit ist auch eine ihrer hervorstechenden Eigenschaften beschrieben: Disziplin. Als die Königin 1952 den Thron nach dem Tod ihres Vaters bestieg, war sie 26 Jahre alt und seitdem hat sie sich völlig dem Leben im Glanz (und Schatten) der Krone verschrieben. Sie verzichtete auf ein einigermaßen ungestörtes Privatleben, sie stellte die Pflichten ihrer Aufgabe immer vor ihre Kinder und Familie, sie ließ sich – egal, welche Skandale die royale Verwandtschaft erschütterten – nie anmerken, dass sich dies in irgendeiner Form auf ihre Rolle als Königin auswirken könnte.

Standhaft wie ein schottisches Reiterdenkmal nimmt sie seit über 60 Jahren ihre Aufgaben wahr. Anders als etwa die Vertreter der niederländischen oder dänischen Königshäuser wirkt sie weniger nahbar, auch dem eigenen Volk gegenüber. Sie wahrt freundliche Distanz, und zeigt praktisch nie öffentliche Gefühle. Dennoch lieben die Briten ihre Queen, vielleicht, weil sie all das, was typisch für das britische Lebensgefühl ist, so perfekt verkörpert. Nur einmal während ihrer bisherigen Amtszeit, zeigte sie, dass auch an ihr nicht alles spurlos vorbeigeht. Nach dem plötzlichen Unfalltod von Prinzessin Diana merkte man auch ihr die Erschütterung an, obwohl die beiden nicht gerade das beste Verhältnis zueinander hatten.

Streng, aber immer mit Haltung

Mit ihrem Mann, Prinz Philipp, ist sie seit 69 Jahren verheiratet – länger als alle anderen Paare des britischen Königshauses. Die beiden verbindet die Liebe zu ihren Hunden, Gin und mehr oder minder guten Witzen. Die Queen mag es beständig, seit Jahrzehnten urlaubt sie im Sommer auf ihrem schottischen Schloss Balmoral, trinkt mittags vor dem Lunch einen Gin und abends vor dem Dinner noch mal einen Gin Tonic. Einmal gekaufte Kostüme und Hüte trägt sie gern noch zu anderen Anlässen, sie gilt als sparsam – und streng. Prinz Harry sagte erst kürzlich über sie: „Ich betrachte sie immer als meinen Boss – nur manchmal sehe ich sie als eine Großmutter.“

Vielleicht ist es aber genau diese Haltung, diese strenge Verlässlichkeit, was viele Menschen an der Queen gerade umso mehr schätzen. In einer Zeit, in der vieles unsicher und unverständlich erscheint und die Dinge sich permanent ändern, wirkt sie altmodisch in ihrer Art zu repräsentieren und zu leben, aber eben auch zuverlässig. Sie ist der Fels in der Brandung, wenn alles andere auf das man sich bisher verlassen konnte, keine Gültigkeit mehr hat. God save the queen!

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