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Gleichstellung im Haushalt: 'Equal Care Day' für mehr Wertschätzung von Fürsorgearbeit

Tun Frauen wirklich mehr im Haushalt?
Tun Frauen wirklich mehr im Haushalt? Equal Care Day 00:01:10
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Frauen leisten viermal so viel Fürsorgearbeit wie Männer

Okay, so schlimm wie in den 60ern ist bei uns heute nicht mehr. Männer bringen heute den Müll raus, kochen und holen die Kinder aus der Kita ab. Aber: Immer noch übernehmen Frauen den Löwenanteil an der gemeinsamen Hausarbeit oder an der Pflege von Angehörigen. Um darauf aufmerksam zu machen, findet heute der erste 'Equal Care Day' statt.

Kochen, Putzen, die Kinder bespaßen: Frauen leisten viermal so viel Fürsorgearbeit wie Männer.
Darauf soll der 'Equal Care Day' aufmerksam machen, der alle vier Jahre am Schalttag stattfindet. © picture-alliance / united-archiv, 91070

Von Merle Wuttke

Überlegen Sie mal kurz: Wer von Ihnen beiden, Ihrem Mann und Sie, hat heute morgen Kaffee gekocht, das Frühstück gemacht, die Kinder für die Schule vorbereitet oder ist mit dem Hund rausgegangen? Und wer von Ihnen beiden wird sich heute Nachmittag bei der Oma melden oder sich für die Einladung bei den Nachbarn bedanken? Na? Eben! Sie wahrscheinlich. Aber haben Sie keine Sorge, damit sind Sie nicht allein.

80 Prozent Ihrer Geschlechtsgenossinnen geht es ganz genauso. Wir alle kümmern uns um all den nervigen Kram, der im Alltag anfällt und sorgen darüberhinaus dafür für Kinder oder kranke Eltern. Um auf diese Ungerechtigkeit hinzuweisen haben die Journalisten und Blogger Almut Schnerring und Sascha Verlan heute zum ersten Mal den 'Equal Care Day' ins Leben gerufen – ähnlich zum 'Equal Pay Day', der ja jedes Jahr stattfindet, um zu zeigen, dass Frauen nach wie vor nicht dasselbe verdienen wie Männer.

Männer haben vier Jahre Rückstand bei der Hausarbeit

Aber warum haben sich die beiden für diese wichtige Aktion ausgerechnet den Schalttag ausgesucht, der nur alle vier Jahre vorkommt? Ganz einfach: Ungefähr vier Jahre dauert es, bis Männer dieselbe Arbeitsleistung in Sachen Familie und Haushalt nachweisen können wie Frauen sie in einem Jahr leisten.

Also ist das mit dem Schalttag eine ziemlich gute Idee der beiden Initiatoren – so wird die krasse Differenz zwischen den Geschlechtern, was Fürsorgetätigkeiten angeht, nämlich noch wesentlich deutlicher.

Tatsächlich geht es heute aber nicht ausschließlich um das Ungleichgewicht, das in privaten Haushalten an der Tagesordnung ist, sondern auch um das professionalisierte Auslagern von vermeintlich typischen Aufgaben wie unter anderem der Pflege. Etwa, wenn man sich eine "Polin" nach Deutschland holt, die sich um den kranken Opi kümmern soll oder das chilenische Kindermädchen, das Kinderbetreuung und Haushalt übernimmt. Auf diese Art wird das Problem nämlich nur in die Familien der Menschen verlagert, die zu uns kommen, um – oft schlecht bezahlt – Aufgaben zu übernehmen, die wir nicht länger ausführen wollen oder können.

Der Wunsch von Schnerring und Verlan ist daher, dass sich Männer wie auch Frauen an diesem Tag einfach mal die Frage stellen, ob das denn tatsächlich der Art von Leben entspricht, die sie für sich, aber auch für die ganze Gesellschaft, in der wir leben, vorstellen. Eine Sache, die es unbedingt wert ist, dafür heute mal den Staubsauger stehen zu lassen.

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