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Gleicher Lohn für gleiche Arbeit: Wie ist die Situation in Deutschland?

Island wird zum Beispiel für Gleichberechtigung

Die Regierung Islands meint es ernst mit der Gleichberechtigung. Der Inselstaat im Nordatlantik hat ein Gesetz beschlossen, wonach gleiche Arbeit immer auch gleich bezahlt werden muss. Unabhängig vom Geschlecht, der Nationalität, Ethnie oder sexuellen Ausrichtung eines Arbeitnehmers. So soll vor allem der 'Gender Gap', also die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen, geschlossen werden. 

Bis 2022 soll die Lohnlücke geschlossen werden

Von Christiane Mitatselis

Island wird damit der erste Staat überhaupt sein, der öffentliche wie private Unternehmen zum Nachweis zwingt, dass sie gerecht bezahlen: Eine gleiche Position muss künftig gleichen Lohn bedeuten. Das Gesetz soll für Firmen gelten, die mehr als 25 Mitarbeiter beschäftigen. Islands Regierung hat sich ein Ziel gesetzt: Bis 2022 soll es keine Lohnlücke mehr zwischen Männern und Frauen geben, die selbst in dem fortschrittlichen Land momentan bei circa 17 Prozent liegt. "Es ist Zeit, in dieser Angelegenheit etwas Radikales zu unternehmen", sagte Thorsteinn Viglundsson, Sozialminister des 330.000-Einwohner-Staates.

Island meint es, wie gesagt, wirklich ernst. Man kann sich ausmalen, wie die Reaktionen in Deutschland ausfielen, falls es eine Regierung wagte, das Thema Gleichberechtigung derart entschlossen anzugehen. Es gäbe ein riesiges Geschrei der Firmen und ihrer Lobby-Verbände, sie würden über zu viel Bürokratie und staatliche Eingriffe in ihre unternehmerischen Freiheiten lamentieren, den Untergang der deutschen Wirtschaft an die Wand malen. Dabei ist es nötig, dass auch hierzulande etwas geschieht. Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen liegt in Deutschland bei circa 21 Prozent – ein europäischer Spitzenwert.

Wischi-Waschi-Gesetz in Deutschland

Der deutsche 'Equal Pay Day' ist auf den 18. März datiert. Das bedeutet: Wenn Männer und Frauen den gleichen Stundenlohn bekämen, dann wäre der 'Equal Pay Day' der Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiteten, während Männer schon seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt würden.

Unsere Regierung verabschiedete im Januar dennoch nur ein Wischi-Waschi-Gesetz zur Lohntransparenz. Wer in einem Unternehmen mit mindestens 200 Mitarbeitern arbeitet, hat einen so genannten 'individuellen Auskunftsanspruch'. Ist eine Arbeitnehmerin der Ansicht, dass fünf oder mehr Kollegen des anderen Geschlechts für eine gleiche oder gleichwertige Leistung besser entlohnt würden, so ist es ihr möglich, die Durchschnitts-Brutto-Gehälter anonymisiert vergleichen zu lassen. 

Und wenn sie herausfindet, dass sie im Vergleich gleich zu wenig bekommt? Im Gesetz heißt es: "Bei geschlechtsbedingter Ungleichbehandlung ergreift der Arbeitgeber die geeigneten Maßnahmen zur Beseitigung der Benachteiligung." Übersetzt heißt das: Er sollte etwas tun, wird aber nicht dazu verpflichtet. Im Zweifelfall bleibt dem Arbeitnehmer nur die Möglichkeit, gegen die Ungleichbehandlung vor Gericht zu ziehen.

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