Gleicher Lohn für Frauen und Männer?

Gleicher Lohn für Frauen und Männer?
Per Gesetz sollen Frauen jetzt gleich viel verdienen, wie Männer © Sven_Vietense - Fotolia

Frauen verdienen deutlich weniger als Männer

In den gerade laufenden Koalitionsverhandlungen haben sich CDU und SPD darauf geeinigt, dass Frauen künftig nicht mehr weniger als Männer verdienen sollen. Es wurde eine „Rahmenstrategie“ gegen die Ursachen der unterschiedlichen Bezahlung beschlossen. Klingt interessant, man fragt sich nur: Wie soll das umgesetzt werden?

Von Christiane Mitatselis

Es ist traurig, aber wahr: Im Jahr 2013 verdienen Frauen im Durchschnitt bei gleicher Arbeitszeit brutto 21,6 Prozent weniger als Männer. Deutschland liegt damit deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 18 Prozent Differenz. Und das, obwohl Frauen hierzulande schon lange bessere Abschlüsse hinlegen als ihre männlichen Kollegen und zudem bereit und in der Lage sind, die Doppelbelastung von Familie und Beruf auf sich zu nehmen.

Die Ungerechtigkeiten ziehen sich durch alle Berufsgruppen. So bekommt eine ohnehin schlecht bezahlte Krankenschwester nach einer Studie des Portals „Frauenlohnspiegel.de“ im Schnitt noch einmal sieben Prozent weniger als ein männlicher Kollege. Eine Sozialarbeiterin wird mit zehn Prozent weniger Gehalt abgespeist, bei einer Zahntechnikerin sind es gar 31 Prozent, bei einer Einzelhandelskauffrau 14, bei einer Juristin neun, bei einer Ingenieurin 17 Prozent. Es sind Zahlen, die wütend machen.

Angesichts dieser himmelschreienden Ungerechtigkeit erscheinen die Politikerworte lachhaft. Tarifgebundene Unternehmen sollen durch ein Gesetz „zum Abbau von Entgeltunterschieden verpflichtet werden“, sagte Manuela Schwesing von der SPD. Zudem einigten sich Union und Sozialdemokraten in den Koalitionsverhandlungen auf gesetzliche Verpflichtung zur Lohntransparenz, den Abbau von Lohnunterschieden und eine Dokumentationspflicht für Bemühungen in dieser Richtung.

Außerdem soll etwas dafür getan werden, dass die klassischen Frauenberufe – also etwa Kindergärtnerin und Altenpflegerin – grundsätzlich besser bezahlt werden.

Hier eine Prognose: Mit einem derart lasch formulierten Gesetz würde so gut wie nichts erreicht, es dient den Politikern vor allem dazu, sich selbst eine fortschrittliche Note zu geben.

Wohin reine Verpflichtungen führen, sieht man bei der Frauenquote für Unternehmensvorstände. Es tut sich nichts, Deutschlands Vorstände sind weiterhin reine Herrenklubs, die sich die ein oder andere Alibi-Dame gönnen (die vermutlich auch weniger verdient als die Männer).

Wie soll eine Frau überhaupt heraus bekommen werden, dass sie weniger Gehalt erhält als ihr männlicher Kollege, wenn es nur eine Verpflichtung zur Lohntransparenz gibt, nicht aber ein gesetzliches Recht zu erfahren, wie viel die männlichen Kollegen verdienen, was ja auch anonymisiert geschehen könnte?

Wenn das Unternehmen zudem nicht tarifgebunden ist und keinen Betriebsrat hat, dürfte es noch schwerer sein, Auskunft zu erlangen. Deutschland ist außerdem nicht Amerika, wo die Menschen frank und frei über die Höhe ihres Gehalts plaudern. Hierzulande ist es verpönt, offen über Geld zu sprechen.

So werden die Politikerworte verklingen, ohne Wirkung zu hinterlassen. Es klingt hart, aber wirklich helfen gegen diese Ungerechtigkeit würde nur die Androhung von Strafen für Unternehmen, die gegen den Grundsatz „gleiches Geld für gleiche Arbeit“ verstoßen – was jedoch die Lobbys zu einem Proteststurm animieren würde und deshalb nicht geplant ist.

So kann man in Deutschland des Jahres 2013 nur darauf hoffen, an einen anständigen Chef/Chefin zu geraten, der oder die Frauen grundsätzlich nicht schlechter bezahlt als Männer.

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