Gladbecker Geiseldrama: Entführer will jetzt heiraten

Gladbecker Geiseldrama: Entführer will jetzt heiraten
Gladbecker Geiseldrama: Entführer will jetzt heiraten © picture-alliance/ dpa, Franz-Peter Tschauner

Geiselnehmer von Gladbeck will heiraten

Hans-Jürgen R., der Geiselnehmer von Gladbeck, will offenbar heiraten. Der 55-Jährige, der noch immer im Gefängnis sitzt, habe seine Verlobte über einen Briefkontakt kennengelernt, meldet die 'Bild-Zeitung'. Zum Zeitpunkt der Tat war die Frau kaum jünger als eines der Opfer der Geiselnehmer. Das Blatt zitiert die Verlobte mit den Worten: "Trotz der schlimmen Geiselnahme fand ich R. irgendwie sympathisch. Er hatte eine Ausstrahlung, die mich faszinierte. Deshalb habe ich damals auch alles über das Gladbeck-Drama geguckt und gelesen."

Das Gladbecker Geiseldrama traumatisierte vor über 24 Jahren Deutschland. Die beiden Täter hatten zunächst eine Bank überfallen und dann Geiseln genommen. Über 50 Stunden waren sie mit ihnen auf der Flucht, unter anderem in einem entführten Linienbus. Auf der Flucht erschossen sie zwei ihrer Geiseln, beides Teenager: zunächst einen 15-Jährigen, dann eine 18-Jährige.

Vor drei Jahren habe die kaufmännische Angestellte, die eine 17-Jährige Tochter hat, R. wieder im Fernsehen gesehen, als er wegen Drogenbesitzes vor Gericht stand. Sie habe Briefkontakt gesucht, ihn bald einmal im Monat im Gefängnis besucht, wo er der jungen Witwe schließlich auch einen Heiratsantrag gemacht habe. "Auf diesen Antrag", so zitiert die Zeitung die Verlobte weiter, "hatte ich lange gewartet. Natürlich habe ich sofort Ja gesagt."

Auf viele Menschen übt das Böse, das Schreckliche eine gewisse Faszination aus. "Menschen suchen die Nähe des Ungewöhnlichen, fasst in einem 'Focus'-Artikel ein Psychiater und Buchautor das Phänomen zusammen. Wobei das Ungewöhnliche nicht nur das negative Spektrum umfasse: Auch ungewöhnliche Menschen, die Positives geleistet haben wie Schauspieler und Sänger würden faszinieren.

Das Böse zieht manche Menschen magisch an

Thriller und Krimis stehen oft in den Bestseller-Listen ganz oben; wir sehen uns mit wohligem Gruseln Horrorfilme oder Mafia-Epen an. Doch auch das reale, tatsächlich Geschehene kann in seinen Bann ziehen: Menschen pilgern zu Orten, an denen ein Verbrechen geschah. Sie stehen vor Ground Zero. Fotografieren das Haus in Amstetten. Oder buchen im Mexico-Urlaub eine Taxitour durch Mazatlan, die sie zu den Schauplätzen des dort besonders heftig tobenden Drogenkrieges führt.

Und manche fühlen sich zu Menschen hingezogen, die ein Verbrechen begingen. So soll angeblich der Serienmörder Charles Manson, der in den USA in Haft sitzt, regelmäßig Liebesbriefe erhalten. Und immer wieder finden eben auch in Haftanstalten Trauungen statt. Wobei besonders Ehen, die in den USA mit einem zum Tode Verurteilten geschlossen werden, für Schlagzeilen sorgen, in deren Verlauf heftig über die Beweggründe der Frauen spekuliert wird.

Der Gladbecker Geiselnehmer und seine Verlobte werden angeblich im Dezember heiraten. Zusammenleben können sie vermutlich frühestens in fünf Jahren: R. befindet sich in Sicherheitsverwahrung, erst 2016 wird über seinen weiteren Verbleib entschieden.

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