Girls' Day und Boys' Day: Mädchen schrauben und Jungs backen

Girls' Day und Boys' Day: Mädchen schrauben und Jungs backen
© dpa, Bernd Wüstneck

Girls' Day und Boys' Day: Wie sinnvoll ist dieser Tag?

In vielen deutschen Betrieben dürfte am 27. März einiges los sein. Es ist 'Girls‘- und Boys‘ Day'. Mädchen und Jungen der Klassen fünf bis zehn dürfen in typische Männer- bzw. Frauenberufe hineinschnuppern. Aber braucht man einen solchen diesen Aktionstag – oder ist er inzwischen überflüssig, da die Gleichberechtigung weit genug fortgeschritten ist?

Von Christiane Mitatselis

Am Anfang war der Girls‘ Day. Er wurde 1993 in den USA erfunden. Mädchen sollten durch Hineinschnuppern in Betriebe ermutigt werden, typische Männerberufe zu ergreifen, um vielleicht eines Tages Technikerinnen, Ingenieurinnen oder Mechanikerinnen zu werden. 2001 kam der Mädchentag nach Deutschland, seither öffnen einmal im Jahr Firmen, in denen der Frauenanteil unter 40 Prozent liegt, ihre Türen für Mädchen der Klassen fünf bis zehn, diesmal ist es der 27. März. Gefördert wird der Aktionstag unter anderem vom Familienministerium und von der Bundesagentur für Arbeit.

Wer sich fragt, ob man den Girls‘ Day überhaupt brauche, ob die Emanzipation nicht so weit fortgeschritten sei, dass der weibliche Teil der Bevölkerung so etwas nicht mehr nötig habe, sollte sich dazu nur ein paar Zahlen anschauen. Im Studienbereich Elektrotechnik liegt der Frauen-Anteil bei knapp sieben Prozent, in der Informatik sind es 16 Prozent. In Ausbildungsberuf Systemelektronik sind nur fünf Prozent der Azubis weiblich. Selbst im Polizeidienst sind Frauen mit 35 Prozent noch deutlich unterrepräsentiert.

Der Aktionstag ist deshalb heute so zeitgemäß wie vor zehn Jahren, er kann beidseitigen Nutzen haben: Einerseits haben die Betriebe allein schon deshalb Interesse daran, weibliches Personal zu rekrutieren, da Frauen und Mädchen in Deutschland die besseren Schul- und Universitätsabschlüsse machen und im Berufsleben belastbarer sind als Männer. Andererseits können Mädchen bestärkt werden, sich an einen Beruf heranzuwagen, der gefährlich erscheinen mag – zum Beispiel Feuerwehrfrau (Frauenanteil drei Prozent). Das Interesse ist jedenfalls steigend, 108.000 Teilnehmerinnen hatte der Girls‘ Day 2013. Im Einführungsjahr 2001 waren es nur 1800.

2011, also etwa zeitgleich mit der Abschaffung des Zivildienstes, kam der Boys Day hinzu, der Jungs umgekehrt in Berufe führen soll, in denen der Männeranteil unter 40 Prozent liegt. Auch hier lohnt der Blick in die Zahlen. Erwartungsgemäß gibt es vor allem in Pflege- und Betreuungsjobs wenige Männer. Bei den Erziehern sind zehn Prozent der Azubis männlich, genauso wie im Bereich der Altenpflege. Das Problem liegt hier allerdings woanders, nämlich in der schlechten Bezahlung in den typischen Frauenberufen, nur 1800 Euro brutto pro Monat verdient eine Erzieherin im Durchschnitt. Dieses Problem wird ein Boys Day nicht lösen.

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