Giftige Brustimplantate: 10.000 Deutsche betroffen

Giftige Brustimplantate: 10.000 Deutsche betroffen

Giftige Brustimplantate können Krebs verursachen

Schon die Vorstellung ist grauenvoll: Aus Brustimplantaten läuft Industriesilikon aus und sorgt für heftige Entzündungen und eventuell Krebs. Auch tausende deutsche Frauen sind in Gefahr. Jetzt rät das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte die Implantate der französischen Firma PIP so schnell wie möglich entfernen zu lassen. Denn sie schaden schon, bevor sie reißen! Was müssen die Frauen also jetzt beachten? Und wie gefährlich sind Silkonkissen eigentlich grundsätzlich?

Von Dagmar Baumgarten

Bis jetzt haben sich in Deutschland 25 Frauen gemeldet, bei denen das Implantat gerissen ist. Betroffen von dem Skandal sind nicht nur irgendwelche schönheitswütigen Frauen. Ein Viertel der Billig-Implantat Opfer haben sich aus medizinischen Gründen operieren lassen. Also eine Brust, die aus Krankheitsgründen entfernt worden ist, ersetzen lassen durch ein Kissen, was ebenso krank macht. Denn die Billig-Implantate sind keine tickende Zeitbombe, die erst dann zur Gefahr wird, wenn sie reißt. Aus den Implantaten wird auch bei einer intakten Hülle, Silikon in den Körper "ausgeschwitzt". Das ist eine Gefahr, die von jedem Implantat ausgeht. In minimalen Dosen kann es immer wieder passieren, dass Silikon-Verbindungen in den Körper geraten und damit schaden. Immer wieder wird vermutet, dass gewisse Rheumaerkrankungen, Immunschwächen, oder heftige Autoimmun-Reaktionen eine Nebenwirkung von Brust-Implantaten sind, die teilweise Jahre vorher eingesetzt worden sind.

Für Brustimplantate mit der Gesundheit bezahlen?

Bei den Implantaten der Firma PIP ist es aber keine Vermutung, sondern Gewissheit, dass diese Industrie-Silikon-Mischung, mit denen die Implantate gefüllt sind, heftigen Schaden anrichten. Dass diese Billig-Kissen so schnell wie möglich entfernt werden müssen ist also klar. Aber wer kommt jetzt für den Schaden auf? Der Arzt ihres Vertrauens, der es verhauen hat , jedenfalls nicht! Ganz klar heißt es: Die Kosten für eine weitere Operation, die nötig wären, um das Implantat zu entfernen, müssen vom Mediziner nicht übernommen werden. Denn der Chirurg handelte in gutem Glauben, medizinisch hochwertige Ware zu verarbeiten. Er wusste nicht, was er da anrichtet. Allerdings zeigen sich die Krankenkassen kulant. Frauen, die aus medizinischen Gründen unwissentlich ein Kissen der Firma PIP erhalten haben, bekommen den Austausch der Implantate bezahlt.

Dafür drohen dem Zulieferer, dem deutschen Chemikalienhändler Brentag jetzt Millionenklagen. Denn er hat dem französischen Implantat-Hersteller das Industriesilikon geliefert. Und der Münchener Anwalt Michael Graf sagt, dass Brentag sich deshalb mitschuldig gemacht hat, weil er hätte wissen müssen, wofür sein Silikon verarbeitet wird und was das dann anrichtet. Fahrlässig nahm er in Kauf, dass die französische Firma damit Menschen vergiftet.

Immer noch ist der Verursacher des ganzen Skandals völlig schmerzfrei. Der ehemalige Chef der französischen Firma Jean-Claude Mas hat zugegeben, dass er dreiviertel seiner Implantate mit Billig-Mischungen gefüllt hat. Und auch, dass er systematisch und Containerweise sämtliche Unterlagen, die das nachweisen konnten, vernichtet hat. Von ihm kann jedenfalls keiner Schadensersatz verlangen, denn seine Firma existiert nicht mehr, alles Vermögen hat er Familienmitgliedern überschrieben. Um solche Verbrecher schneller zu erkennen, müssen dringend effektivere, und vor allem unangekündigte Kontrollen her! Aber egal, was für Gesetze jetzt diskutiert werden, ein Restrisiko bleibt, auch bei intakten Implantaten. Es fängt an bei Verkapselungen, die wesentlich häufiger passieren, als Schönheitschirurgen zugeben. Und endet bei einem Krebsrisiko, das man nicht ausschließen kann.

Deshalb sollten Frauen, die sich nur aus Eitelkeit für einen solchen Eingriff entscheiden ernsthaft überlegen,

ob ein pralles Dekollete wirklich dieses Gesundheitsrisiko wert ist.

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