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Gibt es ein Leben nach dem Tod?

'AWARE'-Studie: Gibt es ein Leben nach dem Tod?
Unzählige Menschen berichten von Nahtoderlebnissen © picture alliance / blickwinkel/W, W. G. Allgoewer

Was passiert, wenn wir sterben?

Ein helles Licht, ein langer Tunnel oder bereits verstorbene Verwandte, die auf einen warteten – Menschen, die dem Tod nur knapp entkommen sind, berichten von solchen Erlebnissen in der Übergangsphase. Alles nur eine Halluzination oder doch das Leben nach dem Tod? Eine internationale Studie hat nun versucht, dem Phänomen Nahtod auf den Grund zu gehen. Was passiert also wirklich mit uns nach dem Tod?

Menschen, die eine Nahtoderfahrung erlebt haben, sind sich sicher: Es gibt ein Leben nach dem Tod! Dagegen halten etliche Wissenschaftler, die davon überzeugt sind, dass es sich bei dem Erlebten lediglich um komplexe Halluzinationen handelt. Sie glauben, das Gehirn gaukelt einem schöne Bilder vor, bevor es sich vollständig ausschaltet.

Um heraus zu finden, woher diese Erfahrungen aber wirklich stammen, haben Forscher der Universität von Southhampton deswegen die ‚AWARE‘-Studie (Awareness during Resuscitation; zu Deutsch: Bewusstsein während der Wiederbelebung) ins Leben gerufen. Vier Jahre lang haben sie 2.060 Patienten mit einem Herzstillstand in 15 Krankenhäusern in Großbritannien, Amerika und Australien beobachtet. Von den Patienten überlebten nur 330, aber diese wurden danach befragt. Und offenbar ist ein Bewusstsein nach dem Fast-Tod länger festzustellen als bisher angenommen.

So berichteten 140 Patienten von bewussten Wahrnehmungen während der Wiederbelebung. Nur konnten sich viele nicht mehr genau daran erinnern. Dr. Sam Parnia, der die Studie leitete, nimmt an, dass die Medikamente, die dem Patienten während der Wiederbelebung verabreicht werden, die Erinnerungen daran verhindern. Jeder fünfte Patient erzählte immerhin, dass er während des klinischen Todes einen tiefen Frieden gespürt habe. Neun Prozent berichteten, dass sie ein helles, goldenes Licht wahrgenommen hatten oder verstorbenen Familienmitgliedern begegneten. 13 Prozent sind sich sicher, dass sie sich von ihrem Körper getrennt hatten und ihre Sinne deutlich geschärfter waren. Wieder andere sprachen von Angstgefühlen, Gewalt und dem Gefühl zu ertrinken.

Nur ein Patient bemerkte, wie er seinen Körper verließ und von der Ecke des Raumes seine Wiederbelebung beobachtete. Besonders faszinierend: Der Sozialarbeiter konnte später jedes Detail beschreiben. Vom Vorgehen des Klinikpersonals bis hin zu den Geräuschen der Maschinen. "Wir wissen, dass das Gehirn nicht funktionieren kann, wenn das Herz nicht schlägt. Aber in diesem Fall scheint die bewusste Wahrnehmung fortbestanden zu haben – auch mehr als drei Minuten nachdem das Herz nicht mehr aktiv war. Normalerweise stellt das Gehirn seine Funktion ein und zwar etwa 20 bis 30 Sekunden nachdem das Herz nicht mehr schlägt", erklärt Dr. Sam Parnia.

Schon in der Antike berichteten Menschen von Nahtoderlebnissen

Eine wirkliche Erklärung, was es mit den Nahtoderfahrungen auf sich hat, haben die Wissenschaftler aber auch nach dieser Studie nicht. Mögliche Gründe seien ihrer Meinung nach der Sauerstoffmangel im Gehirn, eine hohe Kohlendioxid-Konzentration im Blut, die Ausschüttung von Glücks- oder Stresshormonen sowie allgemeine Schädigungen im Hirn. Vermutungen wie diese traten auf, als bestimmte Elemente, wie das Lösen vom eigenen Körper, bei Epilepsie-Patienten durch Stimulation bestimmter Körperregionen künstlich ausgelöst werden konnten. Andere Nahtod-Elemente wurden bislang aber nicht künstlich erzeugt.

Einen Beweis dafür, dass es das Leben nach dem Tod nicht gibt, liefern also auch diese Versuche nicht. Menschen, die eine Nahtod-Erfahrung gemacht haben, sind sich weiterhin sicher, dass nach dem Tod lediglich das irdische Leben ein Ende hat, das Bewusstsein oder die Seele an einem anderen Ort aber weiterlebt. Ob sie nun einen dunklen Tunnel mit einem hellen Licht am Ende entlang liefen, außerhalb ihres Körpers von verstorbenen Familienangehörigen in Empfang genommen wurden oder sich ihr Leben wie ein Film vor den inneren Augen abgespielt hat – seit dieser Erlebnisse haben sie keine Angst mehr vor dem Tod!

Schon in der Antike berichteten Menschen, die sich kurz in der Phase zwischen Leben und Tod befanden, von solchen Erlebnissen. Das Phänomen wurde in zahlreichen, wissenschaftlichen Studien untersucht. Seit Jahrzehnten beschäftigen sich nicht nur Neurologen oder Psychologen mit diesem Thema, auch viele Religionen und die Esoterik stellen ihre ganz eigenen Theorien auf. Einen Beweis für oder gegen ein Leben nach dem Tod gibt es aber bis heute nicht. Wie auch? Die einzigen Menschen, die wirklich wissen, was uns nach dem Tod erwartet, werden es uns nie erzählen können …

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