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Gewollte Kinderlosigkeit: Die bewusste Entscheidung für ein Leben ohne Kinder

Gewollte Kinderlosigkeit: Die bewusste Entscheidung für ein Leben ohne Kinder

Immer mehr Frauen entscheiden sich dafür, keine Kinder zu bekommen

Sarah Kuttner findet Kinder "einfach doof." Sie berührten Kinder nicht, "dann sollte ich wohl auch keins machen, oder?" Diese Aussage überrascht nun eigentlich wenig bei einer Frau, die in Interviews auch schon mal erzählt, dass sie von einem Alptraum geplagt wird, der im Wesentlichen darin besteht, dass sie ungeplant schwanger ist. Achja. An den Bund fürs Leben, also "für immer", glaubt sie auch nicht. Das alles wissen wir von TV-Kritikern, die sich vorab schon mal die neue Show von Kuttner anschauen durften. Nun steht Frau Kuttner mit ihrer gewollten Kinderlosigkeit ja nicht alleine da: Jede fünfte Frau in Deutschland hat keinen Nachwuchs. Und nicht jede von ihnen geht deswegen zur Kinderwunsch-Therapie. Neu (oder zumindest öffentlich aus dem Mund einer Frau nur selten gehört) ist Kuttners Begründung. Kinder einfach doof finden – das ist ein Satz, mit dem man auf der Grillparty nicht nur Freundinnen findet.

Ursula Willimsky

Wobei die Moderatorin nach eigener Aussage schon Freundinnen hat. Laut Spiegel Online sogar welche mit Nachwuchs: "Alle meine Freundinnen kriegen gerade alle Kinder. Die halten sie mir so hin in der Hoffnung, dass bei mir endlich der Schalter umgelegt wird. Dann mache ich fünf Minuten Tante-Sarah-Kram und gebe das Kind wieder ab."

Weil: ist doof, ergänzen wir jetzt mal. Was kann sie damit nur meinen? Dass es sie stört, wenn jemand ihre Schulter vollsabbert? Dass sie beim Mittagessen lieber über die geile Ausstellungseröffnung gestern Abend redet als gebetsmühlenhaft „nein, nicht mit dem Spinat matschen“ zu sagen? Dass sie lieber den Anfang vom Krimi mitbekommt als zum 37sten Mal die Geschichte vom kleinen Häschen vorzulesen? Oder dass sie ganz einfach mit Kindern so gar nix anfangen kann?

Wie gesagt, so was sagt man eigentlich nicht. Auch wenn es sich vielleicht die ein oder andere im Stillen so denken mag. Kinder muss man einfach gern haben. Punkt. Wenn schon gewollt kinderlos, dann doch bitte aus anderen Gründen: Weil beide Karriere machen wollen zum Beispiel. Oder beide ein recht ausgeprägtes Freizeitverhalten haben. Kinder stören da bei der Selbstverwirklichung. Keine Frage. Weitere, schon eher akzeptierte Gründe: Kein sicherer Job. Zu wenig Geld. Oder das Fehlen des vielzitierten "Richtigen".

Aber selbst dann fühlen sich Frauen, die keine Kinder haben oder wollen, häufig in eine gewisse Verteidigungshaltung gezwungen – das kann man schön nachlesen, wenn man in Foren für gewollt Kinderlose mitliest. Über ihnen schwebt häufig der latente Vorwurf von Egoismus und/oder Bindungsunfähigkeit. Wieso denn nicht? Wie kann man nur keine Kinder wollen, das wollen doch alle Frauen? Du wirst schon sehen, irgendwann kommt der Moment, da willst auch du unbedingt so ein kleines Wesen auf dem Arm halten. Oder stimmt etwas bei dir/euch nicht? Du, da kenne ich eine ganz tolle Adresse… Ähnlich konstant rechtfertigen muss man sich wahrscheinlich nur, wenn man erzählt, dass der Hund am liebsten an die Schaukel auf dem Spielplatz pinkelt.

Gewollte Kinderlosigkeit wird in der Gesellschaft immer noch nicht akzeptiert

Hmmm. Irgendwie scheint das Familienmodell "Zwei Erwachsene, keine Kinder" noch nicht ganz in der Mitte der Gesellschaft angekommen zu sein, obwohl die Gesellschaft zu großen Teilen aus genau solchen Familien besteht. Der Must-Be-Trend geht eher zur berufstätigen Mutter, die jede Nuance ihre Doppel- bis Dreifachbelastung mit Hingabe auslebt und auch dann noch souverän die Telefon-Konferenz via Handy leitet, wenn sich der Zwillings-Buggy gerade in der Straßenbahntür verheddert.

Auch wenn es – je nach Umfrage – gar nicht so sicher ist, dass Kinder glücklich machen: Menschen, die keine Kinder wollen, werden immer noch häufig beäugt. Klar ist es schön, dass es heute die Entscheidungsmöglichkeit (sprich: funktionierende Empfängnisverhütung) gibt. Aber dass sich dann Leute auch tatsächlich dauerhaft gegen Kinder entscheiden, sorgt oft für Irritation. Vor allem, wenn dieser Entschluss auch klar artikuliert wird, so wie es Sarah Kuttner gemacht hat.

Dabei gönnen sich ja auch Eltern kinderfreie Komfortzonen: Kneipen, bei denen auch in den Biergarten keine Kinder mitgebracht werden dürfen. Wellness-Center nur für Erwachsene, sogar Hotels, die für die lieben Kleinen tabu sind. Nur ein ganzes Leben ohne Kinder – dass so etwas Menschen tatsächlich und ehrlich zufrieden macht, das können viele nicht verstehen.

Gewollt kinderlos – wie steht ihr dazu?

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