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Gewebeklebstoff: Neuer Wundkleber soll Narbenbildung verhindern

Werden Wunden künftig nur noch geklebt statt genäht?

Stürze in der Kindheit oder medizinische Eingriffe hinterlassen in der Regel unschöne und manchmal sogar schmerzende Narben. Ein völlig neuartiger Kleber soll endlich Schluss machen mit hässlichen Narben. Wissenschaftler der RWTH Aachen haben zur Behandlung von Schnitt- oder Platzwunden einen neuen Wirkstoff entwickelt, der Nähen und Betäubung überflüssig macht. Doch wie genau funktioniert der Wundkleber?

Gewebeklebstoff soll Narben durch Wunden vermeiden
Gehören solche Narben bald der Zukunft an? Forscher wollen einen neuen Wundkleber entwickelt. © Artem Furman - Fotolia, Photographer: Artem Furman

Bei dem neuen Wundkleber handelt es sich um eine durchsichtige Paste. Diese kann viel mehr als alle Cremes und Kleber, die es bislang gibt, sagen die Erfinder. Die Chemikerin Heike Heckeroth erklärt die Besonderheit des Klebers: „Wenn sie eine Wunde haben, die mit diesem Klebstoff verklebt wird, fühlt sich das an wie ihre eigene Haut. In dem Moment, wo die Haut oder die Wunde geheilt ist und die Haut sich regeneriert hat, fällt der Klebstoff von alleine wieder ab.“

Der Kleber wird aus einer Spritze präzise auf die Wunde aufgetragen und schließt diese dann sekunden-schnell - ohne Betäubung, ohne Nähen. Der Wundkleber, der bislang noch keinen Namen hat, kann zum Schließen von Schnitt- und Platzwunden eingesetzt werden. Die Paste funktioniert wie ein Pflaster, ist biologisch abbaubar und kann sogar verletzte Organe im Körper kitten, bestätigt der Chirurg Stefan Jockenhövel vom Universitätsklinikum Aachen. Er hat den Kleber im OP-Saal getestet. "Er lässt sich einfach anwenden. Gerade bei den Hautverklebungen zeigt sich, dass wir dort wunderbare kosmetische Ergebnisse erzielen können."

Gewebekleber soll OP-Narben vermeiden

Bleiben Patienten also zukünftig OP-Narben durch den neuen Kleber erspart? Die Entwickler sagen ja - weil die Paste innerhalb einer halben Minute flexibel und trocken auf der Haut sitzt. „Das heißt, sie können auch lange Wunden und Wunden in Körperbereichen kleben, die viel in Bewegung sind, wie Knie oder Ellenbogen."

Und das Beste: Für die Erfindung des Wundklebers aus der Spritze gibt es nun auch noch eine ordentliche Geldspritze aus den USA. Denn die Idee holte beim größten amerikanischen Geschäftsplan-Wettbewerb ein Preisgeld von einer halben Million Dollar. Der Gewebekleber setzte sich gegen 1.200 andere Bewerber durch.

"Wir nutzen das Preisgeld, um das Produkt zu zertifizieren. Das heißt, um es in den Markt einführen zu können, brauchen wir eine Zertifizierung für das Produkt“, erklärt Marius Rosenberg von der MAR GmbH, die das Produkt herstellt.

Im Jahr 2015 soll es so weit sein, dass Ärzte in Krankenhäusern nicht mehr zu Nadel und Faden greifen müssen, sondern die Klebespritze nehmen können. Bis dahin hat sich das Entwicklerteam auch bestimmt einen Namen ausgedacht, der im Kopf hängen bleibt.

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