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Gewaltprävention: Babys geben Schulunterricht

Babys im Schulunterricht zur Gewaltprävention
Mobbing und Aggresivität verhindern © picture alliance / CTK, Sterba Martin

Gewaltprävention

Ja, Sie haben ganz richtig gelesen! In Bremen startete jetzt ein Pilot-Projekt an neun Schulen, bei denen Babys aus der Nachbarschaft alle drei Wochen eine Schulklasse besuchen. Die Erstklässler sollen demnach die Entwicklung beobachten und lernen, die Gefühle und Bedürfnisse eines Babys zu kennen. Damit sollen Mobbing und Aggressivität unter Kindern und Jugendlichen verhindert werden.

Die Idee dahinter stammt von der kanadischen Pädagogin Mary Gordon. Sie entwickelte das Programm "Roots of Empathy" schon 1996 und konnte damit zum Beispiel in Schottland große Erfolge feiern. Dort sei die Gewalt unter Jugendlichen markant zurückgegangen. Laut der Pädagogin werde durch ihr Programm die Empathie der Kinder gestärkt. Der Umgang mit dem Baby soll es den Kindern leichter machen, selber Nöte auszudrücken und sich gegen Unrecht oder Grausamkeiten zu wehren.

Doch Kritiker am Programm schlagen bereits Alarm: Allan Guggenbühl, Psychologe und Experte für Jugendgewalt, verspricht sich von dem Programm nicht viel, "schon gar nicht im Sinne der Gewaltprävention." Denn Empathie erlernen Kinder gerade über Konflikte. "Mit einem Baby geht das nicht.", denn dem kann man einfach nicht böse sein. Der Züricher Psychotherapeut Robin Mindell hält das Programm sogar eher für bedenklich. Denn "Kinder sollten Empathie unter Gleichaltrigen lernen.", so der Therapeut.

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