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Gewalt gegen Frauen: Jeder 2. Frauenmord durch nahestehenden Mann verübt

In Italein machen Frauen gegen den Feminizid mobil.
In Italein machen Frauen gegen den Feminizid mobil. © picture-alliance/ ZB, Jörg Lange

Gewalt gegen Frauen meist in eigener Familie

Immer wieder hört man in den Medien Meldungen wie diese: "Frauenkopf in See gefunden", "Frauenleiche entdeckt", "Junge Mutter niedergestochen". Was sich in der Zeitung wie ein schlechtes Drehbuch liest, birgt leider reale Tragik. Denn oft stecken hinter diesen Taten keine Fremden, waren die Opfer keine Zufallsopfer, sondern wurden von engsten Familienmitgliedern, dem Ehemann, Freund oder Ex-Partner getötet.

Von Merle Wuttke

Das legen zumindest bislang nicht veröffentlichte Zahlen des Bundeskriminalamts nahe, die der Süddeutschen Zeitung vorliegen. Nach der Auswertung der Statistik kommen die Kriminologen zu dem Schluss, dass bei jedem zweiten Frauenmord in Deutschland, der Mann, Freund oder Ex-Partner für die Tat verantwortlich war! Und dabei ist bei den meisten Tatverdächtigen nicht von ultrakonservativen oder religiös fundamentalistischen Motiven die Rede, sondern eher von banaler Eifersucht verletzter Männlichkeit, Machtansprüchen. Wäre es nicht so traurig, könnte man diese Taten als die deutsche Version von "Ehrenmorden" bezeichnen. Denn genau darum geht es den Täter ja - ihre vermeintlich beschädigte "Ehre" wiederherzustellen und der Partnerin kein neues Glück und Leben zu ermöglichen.

Gewalt gegen Frauen in allen Milieus

In Italien sieht die Statistik ähnlich aus, weshalb die Frauen dort mittels einer Petition jetzt gegen diese Form des "Feminizid" demonstrieren. Bleibt zu hoffen, dass auch hierzulande die Politik zu den Zahlen und der Auswertung des BKA deutlich Stellung bezieht, sobald sie offiziell veröffentlicht werden. Schon lange weiß man ja: Wenn Frauen Opfer von Misshandlungen oder Vergewaltigungen werden, dann geschieht das häufig im häuslichen Umfeld. Dort sind sie am ehesten männlicher Gewalt ausgesetzt. Diese Übergriffe beginnen mit einem Schubser oder Schlägen und enden oft mit dem Gebrauch von Waffen.

Diesen Irrsinn muss man mal begreifen: Frauen werden eher zu Hause Opfer von Gewalt, als auf der Straße! Und: Diese Form der Gewalt passiert überall, ob im Hartz-4-Milieu oder im Chefarzthaushalt. Besonders hoch ist das Risiko, wenn eine Trennung bevor steht. Dann geht es um Macht, Geld oder die Kinder. Dann wollen die Täter den Frauen "eins auswischen", und gehen dafür über Leichen. Nicht selten auch über die ihrer eigenen Kinder. Völlig verblendet und rasend vor Eifersucht. Aber wie soll oder kann sich eine Frau schützen, wenn sie vermutet, dass ihr Partner zu einer solchen Tat fähig ist? In fast allen Städten gibt es zwar Frauenhäuser, Frauennotrufe oder ähnliche Angebote, aber als Betroffene muss man natürlich auch den Schritt dorthin wagen. Um sich erste Hilfe oder Rat zu holen, wird es wohl ab Ende des Jahres ein kostenloses Hilfstelefon geben, dass jedenfalls hat die Bundesregierung beschlossen. Hier können Frauen sich dann anonym beraten lassen und sich Tipps holen, wie sie sich und ihre Familie am besten schützen. Die Zeit ist reif dafür.

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