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Gesundheitsrisiko Kind: Macht Eltern das moderne Familienleben krank?

Kind als Gesundheitsrisiko
Wie sehr stresst das Familienleben Eltern wirklich? © Deklofenak - Fotolia

Gesundheitsrisiko Kind: Sind Eltern heute überfordert?

Sind Sie Mutter? Fühlen Sie sich oft erschöpft, müde, ausgelaugt? Dann sind Sie nicht alleine: Das Burnout-Syndrom bei Müttern und allein erziehenden Vätern nimmt zu. Macht uns das moderne Familienleben krank?

Jutta Rogge-Strang

"Vor zehn Jahren klagten noch 49 Prozent unserer Patientinnen über Erschöpfungszustände oder stressbedingte psychische Störungen, inzwischen sind es 86 Prozent", so Anne Schilling, die Geschäftsführerin des Müttergenesungswerks, in einem Interview mit der 'Süddeutschen Zeitung'. Die innere Leere, die Freud- und Lustlosigkeit, die fehlende Kraft, der gestörte Schlaf und die Angst, im Alltag nicht zu bestehen macht die Mütter zunehmend krank. Dabei sind es nicht die schlechten Mütter, die unter dem hohen Anspruch leiden. Es sind die guten, die sich bis zum Umfallen um ihre Familie kümmern.

Das Burnout-Syndrom ist eine körperliche, emotionale und geistige Erschöpfung aufgrund beruflicher oder anderweitiger Überlastung bei der Lebensbewältigung. Ein Burnout wird meist durch Stress ausgelöst, der nicht mehr bewältigt werden kann. Und das trifft heutzutage zunehmend auf Mütter zu: Termine, Probleme, Haushalt, vielleicht auch noch ein Job, alles zusammen ist zuviel: Das hat uns also die Emanzipation gebracht. Gestresst zu sein, gehört zum guten Ton – und zu unserem Alltag.

Das hängt mit der traditionellen Rollenverteilung zusammen. Studien zeigen, dass Frauen den Großteil der Hausarbeit verrichten und auch mehr von der Erziehungsarbeit übernehmen. Bei kinderlosen Paaren verteilt sich die Hausarbeit noch ziemlich gleich. Sobald aber Kinder da sind, bleibt vieles meist ausschließlich an der Mutter hängen.

Dabei setzen sich die Frauen selbst unter Druck: Mütter wollen überzogene Erwartungen erfüllen, die zum Teil auch von außen vorgegeben sind. Sie wollen eine gute Mutter, Ehefrau und Hausfrau sein, aber auch ihren Beruf nicht vernachlässigen. Die Realität zwingt die Mütter in die Knie, dazu kommt noch die fehlende Wertschätzung: Mütter bekommen für das, was sie tagtäglich leisten, fast nie ein Lob. Die Kinder stressen, der Mann hat eigene Sorgen, Familie und Gesellschaft erwarten, dass die Mutter funktioniert.

Burnout: Auch alleinerziehende Väter sind betroffen

Nachdenken, Kreativität, Freude: All das, was das Leben lebenswert macht, bleibt auf der Strecke und macht krank. Aus allen Schichten kommen die gestressten Mütter, mehr als die Hälfte der Patientinnen des Müttergenesungswerkes sind verheiratet. Sind die eigenen Ansprüche vielleicht zu hoch? Muss das Familienleben unbedingt perfekt sein, muss man all die kleinen Dinge wirklich tun, obwohl man das eigentlich nicht möchte? Wo stehen wir eigentlich, und wo wollen wir hin?

Dabei stresst die moderne Lebensführung nicht nur Mütter, auch alleinerziehende Väter sind betroffen. Laut 'Bild' trifft das Alltags-bedingte Burnout in Deutschland bereits rund 235.000 kurbedürftige Väter: Der Spagat zwischen Job und Familienleben überfordert auch sie und macht sie krank. Dabei können sich Männer eigentlich besser abgrenzen.

Macht unser modernes Familienleben also krank? Überfordert es uns alle? Experten empfehlen, den Alltag zu entstressen. Das kann schon mit kleinen Schritten anfangen: Bauen Sie sich Pausen im Alltag ein, gönnen Sie sich mal einen Kaffee auf dem Weg von der Arbeit zur Kita. Vielleicht reichen die zehn Minuten aus, um wieder aufzutanken.

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