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Gesundheitsrisiko Bildung: Mieser Abschluss = öfter krank

Gesundheitsrisiko Bildung: Mieser Abschluss = öfter krank

Schule beeinflusst das Gesundheitsrisiko

Bildung macht Menschen nicht nur klüger, sondern auch gesünder. Oder andersherum gesagt: Menschen mit geringer Bildung werden häufiger krank. Das gilt für Männer wie für Frauen, auch wenn sie zu unterschiedlichen Krankheiten tendieren. Das hat eine Studie aus Wien gezeigt.

Von Christiane Mitatselis

Forscher der MedUni werteten Interviews aus, die mit 13.600 Menschen geführt worden waren, 50,9 Prozent davon Frauen. Es stellte sich heraus, dass in beiden Geschlechtergruppen Menschen mit geringerer Bildung häufiger an chronischen Erkrankungen leiden, wenn auch auf unterschiedliche Art: Bei Frauen nehmen mit abfallendem Bildungsgrad vor allem Diabetes und Bluthochdruck zu, bei Männern die Schlaganfälle.

„Grundsätzlich ist jedes zusätzliche Ausbildungsjahr ein Gewinn für die Gesundheit. Mit einer Lehre ist man besser dran als mit reinem Pflichtschulabschluss (entspricht in etwa dem deutschen Hauptschulabschluss, d. Red), das günstigste ist jedoch ein Uni-Abschluss“, folgerte Studienautorin Alexandra Kautzky-Willer. Die Zahlen sind mehr als deutlich: Bei Österreicherinnen mit Pflichtschulabschluss ist Risiko, an Diabetes zu erkranken, viermal höher als bei den Akademikerinnen. Beim Bluthochdruck ist es zweieinhalb Mal so hoch. Bei den Männern waren diese Zahlen nicht so ausgeprägt, dafür zeigten die weniger Gebildeten gar ein neunmal höheres Schlaganfall-Rate als die Uni-Absolventen.

Bildung bestimmt den Lebensstil

Die Autoren der Studie sehen die Ursachen im Lebensstil: Ungesunde Ernährung, zu viel Fastfood, Auszugsmehl, Fleisch, Cola, Limo, Schokolade usw. Dazu gesellt sich Bewegungsmangel, Rauchen - und oft auch übertriebener Alkoholgenuss. Menschen mit höherer Bildung sind informierter und wissen eher, wie man sich gesund ernährt und wie wichtig Bewegung ist. Außerdem üben sie in der Regel besser bezahlte und interessantere Berufe aus, die – grob gesagt – glücklicher machen als schlecht bezahlte, monotone Jobs.

„Frauen mit schlechtem Sozialstatus haben mehr psychische Belastungen und dürften auch von Frustessen häufiger betroffen sein“, meint Kautzki-Willsky. Daher wohl die höhere Diabetes-Rate. Männer bewegen sich laut der Wiener Studie zwar mehr, essen aber mehr rotes Fleisch. Die Wiener belegen damit, was schon länger bekannt war: Bereits im Jahr 2005 wies die damalige grüne Ernährungsministerin Renate Künast darauf hin, dass ein Zusammenhang zwischen Sozialschwäche, Armut und Übergewicht bestehe. Und letzteres wiederum ist der Auslöser vieler Krankheiten.

Besonders schlimm: Die Unwissenheit der Eltern in Ernährungsfragen überträgt sich auf die Kinder. Je ärmer die Familie, desto größer der Hang der Nachkommen zum Übergewicht. Künast schlug damals in einem Vortrag in Washington vor, das Problem an der Wurzel anzugehen und schon in Kindergärten Kochkurse einzuführen. Die Industrie müsse zudem gesündere Snacks anbieten (also das Gegenteil von Zuckerbomben wie Milchschnitten), Kinderärzte sollten die Eltern schon früh auf die Bedeutung von Ernährung und Bewegung hinweisen, die Städte kostenlose Freizeitmöglichkeiten für Kinder anbieten. Weise Worten ohne Wirkung: Im sozialen Bereich wird seit Jahren gespart und nicht aufgestockt. Zynisch ausgedrückt sieht die Wirklichkeit so aus: Die Politiker haben Wichtigeres zu tun, als sich um arme, dicke Menschen und deren Kinder zu kümmern.

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