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Gesundheitslexikon: Windpocken (Varizellen)

Windpocken gehören zu den Kinderkrankheiten

Windpocken (Varizellen) betreffen insbesondere Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter. Sie sind so ansteckend, dass sie bei etwa 90 Prozent aller Menschen bereits vor dem zehnten Lebensjahr auftreten. Die Krankheit verläuft meist harmlos. Für Neugeborene in den ersten fünf bis sieben Lebenstagen und für Personen mit geschwächtem Abwehrsystem stellen Windpocken allerdings ein ernst zu nehmendes Risiko dar. Einmal überstanden, hinterlässt die Erkrankung eine lebenslange Immunität. Der Varizella-Zoster-Virus verbleibt jedoch auch nach Abklingen der Infektion im Körper und kann noch nach vielen Jahren aktiv werden und eine Gürtelrose (Herpes zoster) auslösen.

Ursachen

Der Verursacher von Windpocken ist das zur Familie der Herpes-Viren gehörende Varizella-Zoster-Virus. Die Ansteckung erfolgt hauptsächlich über die flüssigkeitsgefüllten Pocken, die den Erreger freigeben, wenn sie aufplatzen. Eine Übertragung kann aber auch durch Tröpfcheninfektion erfolgen, beispielsweise beim Husten oder Niesen. Da sich die Viren in einem großen Abstand vom Erkrankten verbreiten, lässt sich eine Ansteckung bei Kindern kaum verhindern. Die Inkubationszeit beträgt normalerweise 14 bis 16 Tage. Es sind jedoch auch acht bis 28 Tage möglich.

Symptome

Zu Beginn zeigen sich bei Windpocken nur allgemeine Krankheitssymptome wie Abgeschlagenheit und Fieber. Ab dem dritten bis fünften Tag tritt der charakteristische Hautausschlag ein. Die zunächst hellroten Knötchen entwickeln sich innerhalb weniger Stunden zu flüssigkeitsgefüllten Bläschen. Diese jucken sehr stark, platzen nach ein bis zwei Tagen auf und verkrusten. Kennzeichnend für den Ausschlag ist, dass sämtliche Stadien zur gleichen Zeit auftreten (Sternenhimmelmuster). Dadurch sind Windpocken leicht von echten Pocken zu unterscheiden.

Diagnose

Am typischen Hautausschlag können Sie die Windpocken relativ einfach erkennen. Im Anfangsstadium werden die Knötchen allerdings manchmal mit Mückenstichen verwechselt. Treten nach einem Tag Wartezeit deutlich mehr Pocken auf, ist die Diagnose eindeutig. Zwar verursachen andere Kinderkrankheiten wie Röteln, Scharlach und Masern auch rote Hautflecken, aber keine Bläschen. Im Zweifelsfall bringt ein Nachweis spezifischer Antikörper im Blut einen klaren Befund.

Behandlung

Die Windpocken-Therapie beschränkt sich in der Regel auf die Behandlung der Symptome. Gegen das lästige Jucken helfen juckreizstillende Puder und Lotionen oder auch antiallergische Tropfen. Das Aufkratzen der Bläschen kann zu eitrigen Entzündungen führen, die mit einer Lösung desinfiziert werden. Die dabei häufig zurückbleibenden Narben können Sie mit speziellen Salben wirkungsvoll nachbehandeln. Erkrankte Kinder sind etwa zehn Tage ansteckend und dürfen daher weder den Kindergarten noch die Schule besuchen. Sind Schwangere oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem in Kontakt mit einem Windpocken-Patienten gekommen, lässt sich der Ausbruch der Krankheit durch die Verabreichung von Antikörpern unterdrücken oder zumindest abschwächen. Eine absolute Sicherheit kann diese passive Immunisierung jedoch nicht bieten.

Vorbeugung

Vor Windpocken können Sie sich lediglich durch eine Impfung mit abgeschwächten, nicht ansteckungsfähigen Varizella-Zoster-Viren schützen. Gegen diese produziert Ihr Körper gezielt Abwehrstoffe und wird dadurch immun. Die Erstimpfung sollte zwischen dem elften und 14. Lebensmonat durchgeführt werden, die Zweitimpfung im Alter von 15 bis 23 Monaten. Für ungeimpfte Erwachsene, die noch keine Windpocken hatten, wird die Immunisierung ebenfalls empfohlen, insbesondere für Frauen mit Kinderwunsch, Personen mit starker Neurodermitis oder vor einer Organtransplantation.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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