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Gesundheitslexikon: Vorhofflimmern

Vorhofflimmern erkennen und richtig behandeln

Vorhofflimmern ist eine häufige Form von Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien). Sie trifft vorrangig ältere Menschen. Wird das Herz für längere Zeit aus dem Rhythmus gebracht, besteht die Gefahr, dass sich Blutgerinnsel bilden, die Blutgefäße verstopfen. Ist das Gehirn betroffen, droht ein Schlaganfall.

Ursachen

Zwischen zehn und 15 Prozent der Über-70-Jährigen leiden unter Vorhofflimmern. Wie es dazu kommt, ist noch nicht restlos aufgeklärt. Im gesunden Herz wird im Sinusknoten des rechten Herzvorhofes ein elektrisches Signal erzeugt, das in der Herzkammer zur Kontraktion und damit zum Herzschlag führt. Im höheren Alter vernarbt das Herzgewebe allmählich und leitet die Signale fehlerhaft zur Herzkammer. Die Vorhöfe der Herzkammern ziehen sich nicht mehr vollständig zusammen, sondern 'flimmern'. Im Ergebnis werden die Herzvorhöfe nicht mehr komplett mit Blut gefüllt und die vom Herzen ausgeworfene Blutmenge verringert sich. Bluthochdruck, Herzerkrankungen wie die koronare Herzkrankheit (Verengung von Herzkranzgefäßen, auch Koronararterien) oder Herzmuskel-Erkrankungen, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) sowie Schilddrüsenüberfunktion können langfristig ein Vorhofflimmern verursachen.

Symptome

Je nach Grad der Herzrhythmusstörung werden die Anzeichen für ein Vorhofflimmern in unterschiedlicher Stärke wahrgenommen. Etwa 75 Prozent der Betroffenen spüren eine deutliche Einschränkung durch Beschwerden wie Herzrasen, Herzstolpern und Atemnot. Durch das Vorhofflimmern gelangt weniger Blut pro Herzschlag in die Blutgefäße. Diese herabgesetzte Förderleistung wird bei körperlicher Belastung besonders stark spürbar. Mit einer erhöhten Pulsfrequenz und dem damit verbundenen schnelleren Herzschlag werden die Symptome deutlicher. Zusätzlich beschreiben Patienten Herzschmerzen, Schwindel, Brustschmerzen, plötzliches Schwäche- oder Angstgefühl, wobei die Dauer der Beschwerden häufig mit dem Beginn und dem Ende der Rhythmusstörung korreliert. Kritisch ist ein sogenanntes asymptomatisches (symptomloses) Vorhofflimmern, da ohne therapeutisches Eingreifen die Gefahr einer Embolie (Gefäßverschluss) besteht.

Diagnose

Der Kardiologe als Spezialist für Herzerkrankungen wird zunächst aus der Krankheitsgeschichte erste Hinweise auf ein Vorhofflimmern erhalten. Fragen nach der Häufigkeit und der Dauer des Herzrasens sowie anderer begleitender Faktoren wie Schlafdefizit, Alkoholgenuss oder anderer Erkrankungen liefern wichtige Hinweise. Durch Puls- und Blutdruckmessung sowie das Abhören des Herzens und einem bestätigenden Elektrokardiogramm (EKG) kann die Diagnose Vorhofflimmern gestellt werden. Beim EKG werden die Herzströme über Elektroden, auch unter Belastung oder über ein bis zwei Tage (Langzeit-EKG) gemessen. Mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie) erhält der Kardiologe Informationen über das Pumpverhalten und kann zusätzlich nach Gerinnseln suchen.

Therapie

Im Anfangsstadium tritt Vorhofflimmern anfallsweise auf und endet spontan ohne spezielle Therapie. Um ein erneutes Vorhofflimmern zu vermeiden, müssen langfristig Medikamente wie spezifische Antirhythmika oder Betablocker eingenommen werden. In einigen hartnäckigen Fällen wird der Herzrhythmus durch das Anlegen elektrischer Ströme (Elektrokardioversion), ähnlich wie bei einem Defibrillator, wieder normalisiert. Vorher schließt der Arzt durch entsprechende Untersuchungen Gerinnsel in den Herzvorhöfen aus. Gerinnungshemmende Medikamente (Blutverdünner, Antikoagulantien) sollen eine Gerinnselbildung verhindern. Patienten, die immer wieder unter Vorhofflimmern leiden, kann durch ein mikrochirurgisches Verfahren, der sogenannten Pulmonalvenenisolation, Besserung verschafft werden. Dabei werden gezielt Regionen, die für das Vorhofflimmern verantwortlich sind, durch Hochfrequenzstrom verödet. Diese Methode wird auch als Katheter Ablation bezeichnet. Tritt zusätzlich ein zu langsamer Herzschlag auf, wird dieser durch einen Herzschrittmacher stabilisiert.

Vorbeugung

Ein gut eingestellter Blutdruck, Vermeidung von Übergewicht und eines Typ 2 Diabetes verzögern das Auftraten von Vorhofflimmern.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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