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Gesundheitslexikon: Vaseline

Vaseline – vielseitig und doch teilweise umstritten

Jahrzehntelang galt sie als feuchtigkeitsspendend und wurde zur Körperpflege eingesetzt. Dann geriet die Vaseline in Verruf und nur noch Vierbeinern wurden in den kalten Wintermonaten damit die Pfoten eingecremt. Ist der schlechte Ruf, der sich um das farblose Fett rankt, wirklich berechtigt?

Was ist Vaseline?

Vaseline ist ein Abfallprodukt, welches in der Erdölproduktion anfällt. Sie besteht bis zu 90 Prozent aus Paraffinen und Olefinen, also typischen Kohlenwasserstoffen der petrochemischen Industrie. Da Vaseline zunächst nur ein Nebenprodukt ist, taucht sie verunreinigt auf. Sie wird mit Schwefelsäure, Bleicherden und Aktivkohle aufbereitet und verliert damit ihre gelbstichige Färbung. Vaseline ist unlöslich in Wasser und fühlt sich schmierig-cremig auf der Haut an. Jahrzehntelang wurde sie zur Hautpflege genutzt, da sie einen schützenden Film hinterlässt. Seit der breiten Debatte über den Einsatz von Mineralölrückständen in Produkten zur Hautpflege schwindet die Akzeptanz in der Bevölkerung. Gleichwohl gehört Vaseline in ihrer chemischen Reinheit zu den sichersten Produkten.

Die Entdeckung der Vaseline

Vaseline fällt wie gesagt als Nebenprodukt in der Erdölförderung an. Damals fiel den Arbeitern an den Industriepumpen eine schmierige Paste auf, welche sich dort hartnäckig ablagerte. Die Männer bemerkten allerdings, dass offene Abschürfungen oder Brandwunden, welche bei Arbeiten zufällig mit dieser Masse in Berührung kamen, besser verheilten und weniger Narben zurückblieben. Findige Geschäftsleute schöpften diese paraffinähnliche Schmiere im 19. Jahrhundert dann ab und verkauften sie als Hautpflegemittel.

Was sind die Anwendungsgebiete von Vaseline?

Jahrzehntelang wurde Vaseline in Kosmetik- und Pflegeprodukten umfangreich eingesetzt. Sie ist nach wie vor Bestandteil von Salben und Cremes oder wird auch pur verwendet. Vaseline verfügt über angenehme Pflegeeigenschaften auf der Haut, hinterlässt ein weiches Gefühl und ist vor allem eine gute Trägersubstanz für weitere Zusatzstoffe. Gerade in den kalten Monaten wird Vaseline zum Schutz der Gesichtshaut und gegen rissige Hände empfohlen. Da sie die Oberfläche der Haut mit einem spürbaren Film bedeckt, kann durch Vaseline die natürliche Hautverdunstung herausgeschoben werden und die Hautfeuchte dadurch besser gehalten werden. Radsportler schätzen die reibungsminimierende Eigenschaft von Vaseline und schützen damit bei langen Fahrten das Gesäß.

Auch industriell kommt Vaseline zum Einsatz. Sie verhindert Korrosion, weshalb sie gerne zum Schutz auf Metalle aufgetragen wird. Auch in der Schifffahrt ist sie das Mittel der Wahl, wenn ein umweltfreundlicher Schutz für Wasserfahrzeuge gegen Algenbewuchs gesucht wird. In der Lederindustrie werden Imprägnierungen mittels Vaseline durchgeführt. Gerade Motorradbekleidung oder Stiefel können mit ihr wasserabweisend aufbereitet werden. Auch bei einigen Haushaltstipps wird Vaseline empfohlen. So lassen sich hakende Reißverschlüsse mit der fettigen Substanz wieder leichter bewegen. Auch verhindert Vaseline im Winter das Vereisen der Autotüren, wenn die Gummidichtungen damit eingeschmiert sind. Unliebsame Klebstoff- und Papierreste von Aufklebern können mit Vaseline ebenfalls gut abgelöst werden.

Was muss man bei Vaseline beachten?

Wer die guten Gleiteigenschaften von Vaseline zur besseren Durchführung von Sexualpraktiken nutzen möchte, sollte vorsichtig sein. Vaseline löst latexhaltige Kondome auf, so dass diese bei Reibung schnell zerreißen.

Die Stiftung Warentest beanstandete, dass Lippenpflegeprodukte, welche auf Basis von Mineralölen hergestellt werden, generell nicht über den Mund in den Körper eingeführt werden sollten. Noch ist nicht abschließend geklärt, wie solche Produkte im Körper wirken könnten. Gegen eine äußerliche Anwendung gäbe es allerdings keine Bedenken, so das Urteil des Bundesinstituts für Risikobewertung.

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