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Gesundheitslexikon: Transsexualität

Transsexualität: auf dem Weg zum Einklang von Körper und Seele

Starke Verunsicherung, Scham und Angst sind typische Emotionen, die mit der Entdeckung der eigenen Transsexualität einhergehen. Das Gefühl, dem biologischen Geschlecht seelisch nicht zu entsprechen, beginnt oftmals schon im Kindesalter und nimmt typischerweise im Laufe der Pubertät zu. Die Geschlechtsmerkmale sind nun deutlich ausgeprägt, und die Erwartungen der Gesellschaft in Bezug auf geschlechtsspezifisches Rollenverhalten stehen immer mehr im Widerspruch zu den wahren Empfindungen des transsexuellen Menschen.

Definition und Einordnung nach ICD-10

Der zunehmende „Wunsch, als Angehöriger des anderen Geschlechtes zu leben und anerkannt zu werden“ sowie unter Umständen auch der „Wunsch nach chirurgischer und hormoneller Behandlung, um den eigenen Körper dem bevorzugten Geschlecht soweit wie möglich anzugleichen“, wird im Diagnosekatalog ‚ICD-10‘ der ‚Weltgesundheitsorganisation‘ (WHO) unter der Ziffer F64.0 (‚Transsexualismus‘) beschrieben. Von dieser Diagnose abzugrenzen sind der ‚Transvestitismus‘, also das gelegentliche Tragen von Kleidung des anderen Geschlechts (F64.1), sowie die ‚Störung der Geschlechtsidentität des Kindesalters‘ (F64.2). Alle drei Diagnosen gehören zur Gruppe der ‚Störungen der Geschlechtsidentität‘. Der Begriff Störung wird in diesem Zusammenhang von vielen Betroffenen als stigmatisierend empfunden; in der elften Revision des ICD wird stattdessen von ‚Geschlechtsinkongruenz‘ die Rede sein.

Vermutete Ursachen

Die genauen Ursachen für Transsexualität sind bislang nicht vollständig geklärt. Jedoch legt die Tatsache, dass ihr Vorhandensein oft schon im Kindesalter offenbar wird, die Vermutung nahe, dass sie angeboren ist. So gibt es Studien laut derer Hormonschwankungen oder Wechselwirkungen zwischen der Entwicklung des Gehirns und Geschlechtshormonen in der pränatalen Phase für die Abweichung zwischen biologischem und empfundenem Geschlecht verantwortlich sind. Andere, seit den 70er-Jahren bestehenden Forschungsansätze gehen in erster Linie von psychischen Ursachen aus. So könnte beispielsweise eine unterschwellige Abneigung der Eltern gegenüber ihrem Kind, welches nicht das von ihnen gewünschte Geschlecht hat, eine Rolle spielen. Einen wissenschaftlichen Beleg für diese These gibt es allerdings nicht.

Möglichkeiten der Geschlechterangleichung

Viele von Transsexualität betroffene Menschen wünschen sich ab einem bestimmten Zeitpunkt geschlechtsangleichende Maßnahmen. Diese können sowohl in der Verabreichung von Hormonen als auch in einem oder mehreren operativen Eingriffen bestehen.

Eine Hormontherapie für Frauen, die den Wandel zum Mann vollziehen möchten, besteht vor allem aus dem Verabreichen von Testosteron-Präparaten. Die allmählichen körperlichen Veränderungen bei kontinuierlicher Einnahme bestehen unter anderem in einer Veränderung der Fettverteilung von den Hüften hin zur Taille, stärkerem Muskelaufbau, einer Zunahme der Körperbehaarung einschließlich Bartwuchs, einer tieferen Stimme sowie einer größeren Klitoris. Männer wiederum erhalten Östrogen-Präparate und häufig auch so genannte Antiandrogene zur Hemmung der männlichen Sexualhormone. Ihre Fettverteilung verlagert sich vor allem in Richtung von Brüsten, Hüfte und Gesäß. Weitere Veränderungen sind eine Abnahme von Muskelmasse und Körperbehaarung, eine weiblichere Stimme und ein Schrumpfen der Hoden.

Sowohl die primären als auch die (künftigen) sekundären Geschlechtsmerkmale können im Rahmen geschlechtsangleichender Operationen zum Gegenstand von Eingriffen werden. Beim Angleichen eines Frauen- an einen Männerkörper kommen die ‚Mastektomie‘ für eine flache Brust, das Entfernen der weiblichen Organe im Unterleib sowie den Aufbau männlich erscheinender Genitalien in Frage. Neben einer Brustvergrößerung und der Konstruktion weiblicher Genitalien kann bei Männern unter anderem auch eine Verkleinerung des Adamsapfels sowie eine Stimmband-Operation durchgeführt werden. Zuweilen werden auch plastisch-chirurgische Eingriffe im Gesichtsbereich erwogen, um ein maskulineres beziehungsweise feminineres Aussehen zu erzielen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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