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Gesundheitslexikon: Tourette-Syndrom

Tourette-Syndrom: alles über die motorischen und verbalen Tics

Tics sind Krankheitssymptome, die durch eine kurze und unwillkürliche, komplex motorische Kontraktion von Muskeln oder Muskelgruppen gekennzeichnet sind. Diese Symptome liegen dem Tourette-Syndrom zugrunde. Neben motorischen Tics zeichnen das Tourette-Syndrom auch verbale Tics aus.

Ursachen

Die Ursachen des Tourette-Syndroms sind auch mehr als ein Jahrhundert nach der Erstbeschreibung durch Georges Gilles de la Tourette nicht abschließend geklärt. Verschiedene Hypothesen sind Gegenstand der Diskussion. Einige Wissenschaftler gehen von einem ursächlichen Ungleichgewicht zwischen verschiedenen Neurotransmittern im zentralen Nervensystem aus. Neurotransmitter sind Botenstoffe, die sich an Gewebe des zentralen Nervensystems binden können und auf diese Weise einen Effekt auf die Reizübertragung haben. Speziell die Botenstoffe Dopamin und Serotonin sollen im Gehirn von Patienten mit Tourette-Syndrom in einem Ungleichgewicht zueinander stehen. Andere Theorien halten das Tourette-Syndrom für eine Autoimmunerkrankung. Bei diesen Erkrankungen bildet das Immunsystem Autoantikörper gegen körpereigenes Gewebe. Gesunde Zellen des eigenen Körpers werden bei Autoimmunerkrankungen mit Fremdpartikeln verwechselt, die es zu attackieren gilt. Für das Tourette-Syndrom wird eine Ausrichtung gegen die Basalganglien im zentralen Nervensystem angenommen. Darüber hinaus halten einige Hypothesen die Tic-Erkrankung für ein erbliches Krankheitsbild.

Symptome

Patienten mit Tourette-Syndrom leiden an extrapyramidalen Hyperkinesen, also an Bewegungsstörungen, die durch das extrapyramidale System im zentralen Nervensystem ausgelöst werden. Das Resultat sind Bewegungen, die sich stereotyp wiederholen. Meist liegt den Tics der immer gleiche Ablauf zugrunde. Neben einer rasch unwillkürlichen Gestikulation liegen oft verbale Tics vor, so vor allem in Form von unnatürlichen Geräuschen. Auch Beschimpfungen sind als verbale Tics denkbar. Die motorischen Tics manifestieren sich oft als Grimassieren, Kopfwerfen oder Naserümpfen. Manche Patienten führen unwillkürlich auch obszöne Gesten vor, wiederholen die Bewegungen anderer Menschen oder imitieren die eigenen Bewegungen. Die verbalen Tics können den Patienten analog dazu Sätze oder Worte aus der Umgebung wiederholen lassen. Oft verstärkt sich die Symptomatik besonders in Stresssituationen und klingt in absoluter Ruhe ab. Als Begleiterkrankungen leiden viele Tourette-Patienten an Erscheinungen wie dem Restless-Legs-Syndrom oder ADHS, Schlafstörungen und Konzentrations- sowie Lernschwierigkeiten. Auch übermäßige Sexualität wird begleitsymptomatisch häufig beobachtet. Das Umfeld von Tourette-Patienten reagiert oft verstört auf die Tics. Aus diesem Grund leidet auch die Psyche der Betroffenen unter der Krankheit. In vielen Fällen stellen sich ab einem gewissen Stadium Depressionen ein.

Diagnose

Der Arzt stellt die Diagnose auf ein Tourette-Syndrom ausschließlich auf Basis von Beobachtung. Wenn die Patienten keine Symptome zeigen, werden die Symptome mittels Povokationsverfahren herbeibeschwört.

Behandlung

Tic-Störungen wie das Tourette-Syndrom können nicht geheilt, aber durch Psychopharmaka zumindest abgemildert werden. Atypische Neuroleptika wie Risperidon oder Tiaprid haben sich in diesem Zusammenhang etabliert und konnten die Symptomatik um bis zu 50 Prozent verringern. Falls Tiaprid und Risperidon nicht gegeben werden können, wird meist Aripiprazol zum Einsatz gebracht. Neben der medikamentösen Therapie stehen Verhaltenstherapien und Psychotherapie zur Behandlung zur Verfügung. In Sachen Verhaltenstherapie hat sich das Habit-Reversal-Training etabliert. Zusätzlich kann pädagogische und heilpädagogische Beratung bei Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen zur Anwendung kommen. Viele Patienten nehmen begleitend an Entspannungsverfahren teil, die ihnen bei der Stressverminderung helfen. Teilweise kommen zur Stressreduktion auch Musiktherapien und Kunsttherapien zum Einsatz. Als chirurgische Verfahren kommen bei besonders schweren Fällen tiefe Hirnstimulationen zum Einsatz.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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