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Gesundheitslexikon: Toleranz

Toleranz – die Empfindlichkeit gegenüber Wirkstoffen

Das Lehnwort ‚Toleranz‘ stammt vom lateinischen Verb ‚tolerare‘ ab. Wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff ‚ertragen‘ oder ‚erdulden‘. Die Medizin und Pharmakologie beziehen sich mit der Toleranz auf die Empfindlichkeit gegenüber bestimmter Wirkstoffe oder Antigene.

Was ist eine Toleranzentwicklung?

Je länger und je häufiger wir mit einem bestimmten Wirkstoff in Kontakt sind, desto eher entwickeln wir eine Toleranz. Wir ‚gewöhnen‘ uns also an einen Wirkstoff. In einer Konsequenz zu unserer steigenden Toleranzschwelle nimmt die Wirkung der Substanz im Laufe von wiederholter oder chronischer Einnahme Stück für Stück ab. Damit die Effekte des Wirkstoffs auch bei längerer Anwendung in der anfänglichen Stärke erfahren werden, benötigen wir bei steigender Toleranz eine immer höhere Dosis der Substanz. Ein bekanntes Beispiel ist die Toleranz gegenüber Antibiotika, die in der gegenwärtigen Zeit schon fast als Volksphänomen bezeichnet wird. Die hohe Toleranzschwelle gegenüber dieses Wirkstoffes wird häufig mit dem hohen Fleischkonsum der modern westlichen Gesellschaft in Zusammenhang gestellt. Vor allem Hühner erhalten zur Vorbeugung von Infektionen prophylaktische Behandlungen mit Antibiotika. Wer also viel Hühnerfleisch verzehrt, kann durch die im Fleisch enthaltenen Antibiotika eine steigende Toleranz gegenüber des Wirkstoffs entwickeln. Das Phänomen der steigenden Toleranzschwelle ist auch von Drogensüchtigen bekannt, die zur Suchtbefriedigung immer stärkere Dosen benötigen. Einige Wirkstoffe wirken nach der Entwicklung einer Toleranz auch bei einer Dosiserhöhung nicht mehr. In der Allergologie bezieht sich die Toleranzentwicklung meist auf die Substanzen, gegen die ein Patient allergisch ist. Durch eine spezifische Immuntherapie wird die Toleranz des Patienten wieder erhöht. Er kann so wieder mit den Allregiesubstanzen in Kontakt gebracht werden.

Wie erhöht sich die Toleranzschwelle?

Unterschiedliche Mechanismen aus dem Bereich der Neurochemie liegen der Toleranzentwicklung zugrunde. Die Sensibilität von Körperzellen für bestimmte Wirkstoffe hängt von der Dichte an Rezeptoren auf der Zelloberfläche ab, an die der Wirkstoff binden kann. Der Körper steuert die Dichte der Rezeptoren, indem er Andockstellen beispielsweise neu aufbaut. Wenn nicht mehr genug Rezeptoren neu aufgebaut oder Rezeptoren zum Zelltod gezwungen werden, ist die Zelle weniger sensibel für den Wirkstoff. Abgesehen von Veränderungen der Rezeptordichte kann der Körper die Wirksamkeit von Wirkstoffen auch herabsetzen, indem ihre Ausscheidung beschleunigt wird. Mechanismen der Toleranzentwicklung können auf verschiedene Weise aktiviert werden. Die bekannteste Weise ist die regelmäßige Wirkstoffverwendung über einen bestimmten Zeitraum hinweg. Allerdings können auch kurz aufeinanderfolgende Wirkstoffgaben eine Erhöhung der Toleranzschwelle zur Folge haben. Dieser Prozess ist vor allem im Zusammenhang mit Amphetamin bekannt und hängt in diesem Fall mit der Leerung intrazellulärer Speicher zusammen. Amphetamine blockieren die Wiederaufnahme von körpereigenen Botenstoffen in die Präsynapse von Nervenzellen. Dadurch liegen Botenstoffe wie Noradrenalin oder Dopamin in einem Übermaß im synaptischen Spalt vor und zeigen so eine antriebssteigernde Wirkung. Weil sie nicht wiederaufgenommen werden, liegt ein Botenstoffmangel in der präsynaptischen Zelle vor. Damit stehen dauerhaft weniger Botenstoffe zur Ausschüttung zur Verfügung. So sinkt nach einiger Zeit auch die Botenstoffkonzentration im Spalt und die Wirkung wird immer weiter abgeschwächt.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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