Gesundheitslexikon Gesundheitslexikon

Gesundheitslexikon: Thyreotoxische Krise

Thyreotoxische Krise - lebensbedrohliche Form der Schilddrüsenüberfunktion

Bei der thyreotoxischen Krise handelt es sich um eine lebensbedrohliche Komplikation der Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Das Krankheitsbild entsteht innerhalb weniger Stunden bis Tage. Im Regelfall liegt der Entwicklung der Krise eine Schilddrüsenerkrankung zugrunde, die jedoch oftmals noch nicht erkannt wurde. Bei der thyreotoxischen Krise sind sämtliche Symptome der Schilddrüsenüberfunktion sehr stark ausgeprägt. Mit 20 bis 30 Prozent liegt die Sterblichkeitsrate bei dieser Erkrankung in einem relativ hohen Bereich.

Ursachen

Häufige Auslöser für die thyreotoxische Krise sind eine erhöhte Jodzufuhr oder ein jodhaltiges Röntgenkontrastmittel. Die Erkrankung tritt dabei etwa eine Woche bis einen Monat nach der Aufnahme auf. Das eigenmächtige Absetzen von Thyreostatika kann ebenfalls zur thyreotoxischen Krise führen. Wird im Rahmen einer Operation Schilddrüsengewebe entfernt, kann sich die Hormonproduktion der Schilddrüse reaktiv erhören und gleichfalls eine thyreotoxische Krise bewirken.

Symptome

Im ersten Stadium der thyreotoxischen Krise steigt die Herzfrequenz des Patienten auf mehr als 150 Schläge in der Minute. Die Betroffenen erbrechen sich und leiden unter hohem Fieber. Die vermehrte Flüssigkeitsausscheidung kann eine körperliche Austrocknung (Exsikkose) nach sich ziehen. Das zweite Stadium der Krise ist durch eine zunehmende Desorientierung und Bewusstseinstrübung gekennzeichnet. Die Erkrankten sind schläfrig oder benommen. Im dritten Stadium fallen die Patienten ins Koma.

Diagnose

Eine Verdachtsdiagnose lässt sich relativ schnell anhand der typischen Symptome stellen. Einen entscheidenden Hinweis liefert eine bereits zuvor festgestellte Schilddrüsenüberfunktion. Die erhöhten Schilddrüsenwerte sind im Blut nachweisbar. Der TSH-Wert sinkt bei der thyreotoxischen Krise stark ab. Zur weiterführenden Diagnostik kommen insbesondere die Sonografie und die Szintigrafie zur Anwendung.

Behandlung

Oberste Behandlungsziele bei der thyreotoxischen Krise sind die Stabilisierung des Patienten sowie die sofortige Senkung des Schilddrüsenhormonspiegels. Die Therapie erfolgt grundsätzlich auf der Intensivstation. Hierbei werden sowohl die Funktionen des Herz-Kreislauf-Systems als auch die Flüssigkeitszufuhr und die Flüssigkeitsausscheidung engmaschig überwacht.

Die Patienten bekommen täglich drei bis vier Liter Flüssigkeit und Medikamente wie Thyreostatika und Glukokortikoide, welche die Produktion und die Ausschüttung der Schilddrüsenhormone vermindern. Beta-Blocker dienen der Regulierung der erhöhten Herzfrequenz. Bei starkem Fieber wird mit Eisbeuteln gekühlt. Ibuprofen und Paracetamol können das Fieber ebenfalls senken. Bei sehr unruhigen Patienten wird bei Bedarf eine Sedierung vorgenommen.

Wurde die thyreotoxische Krise durch eine Jodkontamination ausgelöst und schlägt keine der genannten Maßnahmen an, wird die Schilddrüse operativ fast komplett entfernt. In speziellen Fällen kann eine Plasmapherese temporär den Hormonüberschuss verringern. Dieses Verfahren kommt vor allem als Überbrückung bis zur Operation zur Anwendung, kann aber auch helfen, wenn ein operativer Eingriff nicht durchführbar ist.

Vorbeugung

Die thyreotoxische Krise lässt sich in der Regel durch die konsequente Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion verhindern. Patienten, bei denen bereits eine Hyperthyreose diagnostiziert wurde, sollten auf Medikamente mit hohem Jodgehalt verzichten. Darüber hinaus empfiehlt es sich, die Schilddrüsenfunktion in besonderen Situationen wie bei Operationen oder Infektionen zu kontrollieren.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

Anzeige