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Gesundheitslexikon: Taurin

Taurin – Powerstoff oder nicht?

Viele Legenden und Irrtümer ranken sich um den Wirkstoff Taurin, der besonders dadurch bekannt geworden ist, dass er in Energiegetränken enthalten ist. In diesem Zusammenhang werden ihm oft außergewöhnliche Wirkungen zugesprochen. Sein Name leitet sich von dem griechischen Wort ‚Taurus’ (= Stier) ab. Darin begründet sich möglicherweise das Gerücht, dass Taurin aus Stierhoden hergestellt wird, was jedoch nicht stimmt. Früher wurde Taurin allerdings tatsächlich aus Stiergalle gewonnen. Heute wird es synthetisch produziert und ist nicht nur Bestandteil von Energiegetränken, sondern auch in komplexen Nahrungsergänzungsmitteln enthalten. Medizinisch wird es in Nährstoffinfusionen vor allem bei Frühgeborenen verwendet.

Taurin kann außerdem im Körper hergestellt werden, als Abbauprodukt der Aminosäuren Methionin und Cystein. Zusätzlich kann es über die Nahrung aufgenommen werden und ist vor allem in Fleisch, Fisch und Milch enthalten. Im Körper eines gesunden Menschen, der sich ausgewogen ernährt, sind zwischen 0,4 bis 1 g Taurin pro Kilogramm Körpergewicht gespeichert, größtenteils in der Muskulatur, aber auch im Gehirn, im Herz und in den Nieren. Dieser Gehalt reicht für die physiologischen Wirkungen komplett aus.

Wirkungen

Taurin ist Gegenstand zahlreicher Studien, die seine Wirkungen, Nebenwirkungen und mögliche Gefahren untersuchen. Einige Funktionen sind eindeutig nachgewiesen, während andere widerlegt wurden oder noch nicht vollständig geklärt sind. Man weiß aber, dass Taurin die Löslichkeit der in der Leber produzierten Gallensäuren verbessert und damit die Grundvoraussetzung für die enzymatische Spaltung und Verwertung von Nahrungsfetten herstellt. Im Gehirn fungiert es als Überträgerstoff und kann die Signalübertragung stärken. Taurin ist an der Entwicklung des Gehirns, der Augen und des Herzens beteiligt und sorgt zusammen mit anderen Wirkstoffen für einen regelmäßigen Herzschlag. Es stabilisiert die elektrischen Potenziale an Zellmembranen, was besonders in der Herz- und Skelettmuskulatur eine Kontraktionssteigerung bewirken kann. Den Zellen bietet es einen gewissen Schutz, weil es durch die Bindung zellschädigender freier Radikale antioxidativ wirkt. Frühgeborene erhalten es per Infusion, da sie es selbst noch nicht herstellen können und es deshalb zu Entwicklungsstörungen der Augen und des Gehirns kommen kann.

Andere Funktionsweisen sind bisher nicht belegt. Dazu gehören die entzündungshemmende Wirkung und die Minderung alkoholbedingter Leberschäden. Insbesondere der von der Industrie propagierte leistungssteigernde und aufputschende Effekt konnte nicht eindeutig nachgewiesen werden. Gleiches gilt für die steigende Muskelkraft, Hirn- und Sehleistung und verbesserten Abwehrkräfte, die Sportler sich häufig durch die Einnahme von Taurin erhoffen.

Nebenwirkungen/Gefahren

Nebenwirkungen einer isolierten Einnahme von Taurin sind nicht nachgewiesen, was vielleicht an dem ohnehin hohen Tauringehalt im menschlichen Körper liegt. Es gibt aber Hinweise auf negative Effekte in Kombination mit Koffein, wie Unruhe, Übelkeit, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen und Krämpfe. Dramatische Gefahrensituationen können beim Konsum einer Kombination aus Koffein, Taurin und Alkohol entstehen. Sie beruhen wahrscheinlich darauf, dass die verschiedenen Wirkstoffe sich gegenseitig verstärken. Das Spektrum der möglichen Komplikationen reicht vom Kreislaufkollaps über Nierenversagen bis hin zum Herzstillstand.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen. Die Einnahme von Vitaminpräparaten und Nahrungsergänzungsmitteln ist nicht immer sinnvoll und kann Ihnen bei falscher Dosierung oder Kombination sogar schaden. Lassen Sie sich daher von einem Arzt oder Apotheker beraten. Schwangere sollten mit ihrem Frauenarzt sprechen. Vitaminpräparate und Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine gesunde Ernährung oder Lebensweise.

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