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Gesundheitslexikon: Tamoxifen

Tamoxifen – Arzneistoff zur Brustkrebstherapie

Tamoxifen ist ein Arzneistoff auf der Wirkstoffklasse der selektiven Estrogenrezeptormodulatoren. Somit ist der Wirkstoff ein Antiöstrogen. Tamoxifen kommt in der Therapie von Brustkrebs zum Einsatz. Da der Arzneistoff im Vergleich zu anderen Therapieverfahren in der Krebsbehandlung ein recht niedriges Nebenwirkungspotenzial hat, wird er insbesondere nach dem Ende des Patentschutzes im Jahr 2002 recht häufig verwendet.

Die Wirkung des Arzneistoffes

Das weibliche Sexualhormon Östrogen übernimmt im Körper verschiedene Aufgaben. Nicht nur die Geschlechtsorgane, sondern auch verschiedene andere Gewebe und Zellen haben deshalb Rezeptoren, an denen das Hormon andocken kann. Das Östrogen gelangt über den Blutweg zu diesen Zellen. Je mehr Rezeptoren eine Zelle für Östrogene hat, desto empfindlicher reagiert sie auf das Hormon. Die Tumorzellen bei Brustkrebs tragen verhältnismäßig viele Östrogenrezeptoren. Das Wachstum der entarteten Zellen wird durch das Hormon noch zusätzlich angeregt. Der Tumor wächst somit unkontrolliert und vergrößert sich. Etwa 70 bis 80 Prozent aller Patientinnen mit Brustkrebs haben einen sogenannten hormonrezeptorsensitiven Tumor. Ihr Tumor reagiert also auf Östrogen mit vermehrtem Zellwachstum. Tamoxifen und das daraus resultierende Hydroxytamoxifen können sich ebenso wie das Östrogen an die Östrogen-Rezeptoren binden. Der Wirkstoff blockiert den Rezeptor, ohne die Vermehrung und Zellteilung der entarteten Zellen anzuregen. Die Rezeptoren können nun nicht mehr durch das natürlich vorhandene Östrogen aktiviert werden.

Anwendungsgebiete

Tamoxifen ist zur Behandlung von hormonabhängigen Tumoren des Brustgewebes zugelassen. Es kann sowohl unterstützend nach einer Erstbehandlung von Brustkrebs als auch bei Brustkrebs mit Metastasen eingesetzt werden. Der Wirkstoff muss über einen längeren Zeitraum in Form von Tabletten verabreicht werden. Die durchschnittliche Dosierung liegt bei 20 Milligramm pro Tag. Die Dosis kann bei Bedarf auf bis zu 40 Milligramm pro Tag gesteigert werden. Tamoxifen wird zur Mahlzeit eingenommen. Unerwünschte Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Erbrechen können so gemildert werden.

Mögliche Nebenwirkungen

Die unerwünschten Arzneimittelwirkungen sind auf die hormonbeeinflussende Wirkung des Arzneistoffes zurückzuführen. Jede zehnte Frau leidet unter Zyklusstörungen, Hitzewallungen und Ausfluss. Auch Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut werden häufig beobachtet. Dazu gehören Polypen, Neoplasien und Hyperplasien. Das relative Risiko für einen Tumor der Gebärmutterschleimhaut ist um den Faktor zwei bis vier erhöht. In seltenen Fällen treten Thrombosen oder Embolien auf, welche im schlimmsten Fall tödliche Folgen haben können. Einige Patientinnen entwickeln Nebenwirkungen, die das Auge betreffen. So können Katarakte, Nervenentzündungen des Sehnervs oder Hornhautveränderungen entstehen. Weitere typische Nebenwirkungen von Tamoxifen sind Erbrechen, Übelkeit, Verstopfung, Haarausfall und Juckreiz.

Was muss bei der Einnahme beachtet werden?

Während der Therapie muss eine zusätzliche Östrogenzufuhr vermieden werden. So sollten hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille abgesetzt werden. Tamoxifen wirkt sich auf die Blutgerinnung aus, da es die Anzahl der Blutplättchen (Thrombozyten) verringert. Die zusätzliche Einnahme von Gerinnungshemmern wie Acetylsalicylsäure und Warfarin kann diese Wirkung verstärken. Tamoxifen wird in der Leber umgewandelt. Antidepressiva wie selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI) können die Enzyme der Leber hemmen und so die Wirksamkeit des Arzneistoffes verringern. In der Schwangerschaft und in der Stillzeit darf Tamoxifen nicht eingenommen werden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und Hinweise über Arzneimittel, hat jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt daher nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Da die Medizin sich ständig weiterentwickelt, sollten Sie immer die aktuelle Gebrauchsinformation zu Ihrem Arzneimittel sorgfältig durchlesen und Ihren Arzt oder Apotheker zurate ziehen.

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