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Gesundheitslexikon: Streptokokken

Streptokokken – gefährlich für Menschen mit geschwächtem Immunsystem

Streptokokken kommen in der regulären Bakterienflora des Menschen vor. Sie können jedoch auch als Krankheitserreger Infektionskrankheiten auslösen.

Was sind Streptokokken?

Streptokokken sind Bakterien, die am und im Menschen siedeln. Sie verfügen über ein annähernd kugeliges Aussehen und sind in Ketten angeordnet. In Gegenwart von Sauerstoff gedeihen sie optimal, sie können jedoch auch ohne Sauerstoff leben und ihren Stoffwechsel auf Gärung schalten. In der Fachsprache wird dieses Verhalten als fakultativ anaerob bezeichnet.

Durch die normale Immunabwehr werden sie in ihrer Zahl so begrenzt, dass sie keine Krankheiten verursachen können. Ist die Immunabwehr eines Menschen herabgesetzt, wird er anfällig für eine Streptokokkeninfektion.

Streptokokkenarten

Die Streptokokken werden in verschiedene Gruppen eingeteilt. In der Regel erfolgt die Einteilung nach der Art des Hämolyseverhaltens und nach dem vorhandenen Lancefield-Antigen (ein bestimmtes Oberflächen-Polysaccharid). Hämolyse bezeichnet die Eigenschaft, rote Blutkörperchen aufzulösen. Nach der Lancefield-Klassifikation, die nach der Biologin Rebecca C. Lancefield benannt ist, werden mehr als 20 Gruppen von Streptokokken unterschieden. Die medizinisch wichtigsten Streptokokkengruppen sind A-Streptokokken, B-Streptokokken und die Gruppe der Viridans-Streptokokken. Jede Gruppe kann unterschiedliche Infektionen hervorrufen.

- Gruppe-A-Streptokokken:

Der wichtigste Erreger dieser Gruppe ist Streptococcus pyogenes. A-Streptokokken dringen im Normalfall über die Schleimhäute oder Hautverletzungen in den Körper ein und breiten sich im Gewebe aus. Ihre Übertragung erfolgt über Schmier- oder Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch.

Die Streptokokken der Gruppe A lösen Erkrankungen aus, die vor allem die oberen Atemwege und den Rachenbereich betreffen:

- Scharlach

- Nasennebenhöhlenentzündung (Si­nu­si­tis)

- Rachenentzündung (Pharyngitis)

- Mandelentzündung (Tonsillitis)

- Mittelohrentzündung (Otitis media)

- Hautinfektionen wie Wundrose (Erysipel) oder Borkenflechte (Impetigo contagiosa)

- Knochenmarkentzündung (Osteomyelitis)

- Muskelentzündung (Myositis)

- Blutvergiftung (Sepsis)

Als Spätfolgen sind rheumatisches Fieber und Herzklappenschädigungen möglich.

- Gruppe-B-Streptokokken:

Diese Streptokokken (Streptococcus agalactiae) spielen besonders im Bereich der Geburtshilfe sowie in der Kinder- und Jugendmedizin eine Rolle. Es wird angenommen, dass die B-Streptokokken bei maximal 20 Prozent der Frauen in der Vagina vorhanden sind. Während der Geburt können die Bakterien auf das Kind übertragen werden und damit eine Neugeborenensepsis auslösen. Ebenso ist eine Pneumonie oder Meningitis (Hirnhautentzündung) möglich.

B-Streptokokken können aber auch bei Erwachsenen zu folgenden Erkrankungen führen:

- Wundinfektionen

- Harnwegsinfektionen

- Blutvergiftung

- Hirnhautentzündung

- Gruppe der Viridans-Streptokokken:

In dieser Sammelkategorie werden verschiedene Streptokokken eingeordnet. Sie wachsen vergrünend auf Blutagar. Hierzu zählen beispielsweise die S. mutans-Gruppe (wichtigster Verursacher von Karies) und S. salivarius (besiedelt die Plaque der Zähne). Die Viridans-Streptokokken spielen eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Appendizitis und Karies. Sie sind in 50 Prozent der Fälle die Ursache einer Endokarditis (Herzinnenhautentzündung).

- weitere medizinisch wichtige Streptokokken:

Zu den Streptokokken gehört auch der Erreger Streptococcus pneumoniae, der häufig noch unter dem früheren Begriff Pneumokokken zu finden ist. Er kann vor allem Lungenentzündungen (Pneumonien) auslösen. In vielen Fällen ist er auch an Mittelohrentzündungen, Hirnhautentzündungen und Nasennebenhöhlenentzündungen beteiligt. Deshalb empfiehlt die ständige Impfkommission eine Impfung gegen Pneumokokken für alle Kinder in den ersten zwei Lebensjahren.

-nützliche Streptokokken:

Nicht alle Streptokokken wirken als Krankheitserreger. Es gibt auch nützliche Streptokokkenbakterien. Zum Beispiel wird das zur Lancefield-Klasse N gehörende Bakterium Streptococcus lactis, auch als Bacillus lacticus bekannt, in der Milch verarbeitenden Industrie für die Reifung von Käse und Kefir eingesetzt.

Diagnostik und Therapie von Streptokokkeninfektionen

Anhand der Symptome und des Verlaufs der Infektion stellt der Arzt die Diagnose auf. Zusätzlich wird der Erreger im Labor nachgewiesen. Eine Behandlung von Streptokokkeninfektionen erfolgt in der Regel mit Antibiotika. Diese sind genau nach Vorschrift einzunehmen, um das Risiko einer Streptokokkenfolgeerkrankung zu minimieren.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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