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Gesundheitslexikon: Sterbehilfe

Was ist Sterbehilfe?

Unheilbare Krankheiten im Endstadium, keine Aussicht auf Genesung: Wenn die Situation ausweglos ist, stellt die Sterbehilfe eine Möglichkeit zum vorzeitigen und schmerzfreieren Ableben dar. Insbesondere bei schwerkranken oder behinderten Menschen, deren Leiden sich ohne Eingreifen noch länger hinauszögert, wird diese ethisch umstrittene Methodik angewandt. Damit die Sterbehilfe durchgeführt werden kann, ist zunächst die Einwilligung des Patienten vonnöten. Für Menschen, die sich nicht artikulieren können – beispielsweise Personen im Wachkoma – können Angehörige diesen Part übernehmen.

Formen der Sterbehilfe

Unterschieden wird zwischen drei Varianten: So gibt es die aktive, passive und indirekte Sterbehilfe. Bei der aktiven Sterbehilfe wird der Tod gezielt herbeigeführt. Diese basiert auf der Einwilligung des Erkrankten. Zumeist erfolgt sie durch die Zufuhr von Schmerzmitteln. Hierfür werden Insulin, Kaliuminjektionen und Muskelrelaxantien verabreicht. Die passive Methode beinhaltet den Verzicht von lebenserhaltenden Maßnahmen. Beispielsweise können Maschinen, die den Patienten am Leben halten, abgeschaltet werden. Sie fällt unter das Selbstbestimmungsrecht des Menschen. Falls die Person nicht mehr in der Lage ist, einen möglichen Wunsch zu äußern, können Patientenverfügungen in Kraft treten. Die indirekte Sterbehilfe spielt in der Praxis eine untergeordnete Rolle. Sie wird meist bei Patienten angewendet, die unter starken Schmerzen leiden und deren Ableben unausweichlich ist. Indem der Arzt ihnen hohe Dosierungen schmerzlindernder Präparate zukommen lässt, kann ihnen der Krankheitsverlauf sowie das Sterben erleichtert werden. Bei dieser Form der Sterbehilfe wird eine so hohe Dosis an Medikamenten regelmäßig verabreicht, dass diese letztendlich zum Tod führt. Allerdings ist offiziell das Ziel der Medikamentengabe, Schmerzen zu lindern und nicht den Tod zu verursachen.

Sterbebegleitung

Eine weitere Alternative, die dem Patienten den nahenden Tod erleichtert, stellt die Sterbebegleitung dar. Hierbei wird dem Erkrankten psychischer Beistand geleistet. Dieser kann durch regelmäßige Besuche und tröstende oder philosophische Gespräche erfolgen. Auch Aktivitäten, denen der Schwerkranke noch nachgehen kann, können durchgeführt werden. Hierfür können beispielsweise Gesellschaftsspiele genutzt werden. Zur Sterbebegleitung gehört auch die Seelsorge, die von privaten Personen und Geistlichen angeboten wird.

Sterbehilfe im ständigen Diskurs

Die Thematik spaltet die Geister: Manche Menschen befürworten die (aktive) Sterbehilfe, andere lehnen sie vehement ab. Dies kann religiöse, schulmedizinische und ethische Gründe haben. Viele Gegner der Sterbehilfe sind der Auffassung, dass mithilfe von modernen Medikamenten und tröstenden Gesprächen die Situation derartig erleichtert werden kann, dass Sterbehilfe nicht vonnöten ist. Die Befürworter berufen sich darauf, dass es trotz professioneller Medikation nicht möglich sei, einem jeden Menschen sein Leid zu nehmen. Sie plädieren dafür, dass jedes Individuum selbst über sein Schicksal entscheiden sollte.

Rechtliche Grundlage der Sterbehilfe in Deutschland

Die Sterbehilfe unterliegt keiner expliziten gesetzlichen Regelung in der Bundesrepublik. Da der Selbstmord keiner strafrechtlichen Konsequenz unterliegt, wird auch dessen Beihilfe nicht sanktioniert. Allerdings wird bei der Rechtsprechung überprüft, ob ein Totschlag oder unterlassene Hilfeleistung vorliegt. Der Großteil des Ethikrates spricht sich zudem für ein Verbot der organisierten Beihilfe zum Suizid aus.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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