Gesundheitslexikon Gesundheitslexikon

Gesundheitslexikon: Stangerbad

Wenn das Baden im Strom vom Arzt verordnet wird: das Stangerbad

Die Vorrichtung wirkt auf den ersten Blick angsteinflößend: eine breite Badewanne ausgestattet mit einer Schalttafel und Metallplatten wirkt nicht gerade wie ein entspanntes Badevergnügen. Beim Stangerbad wird Strom in das Badewasser eingeleitet. Wer jedoch die therapeutische Anwendung im Gleichstrom einmal ausprobiert hat, der ist zumeist von der sofortigen Wirkung überzeugt.

Was ist ein Stangerbad?

Das Stangerbad wird auch hydroelektrisches Vollbad genannt. Es gehört in den Bereich der Elektrotherapien und wirkt durch galvanischen Strom. Dabei sitzt der Patient im warmen Wasser einer speziell modifizierten Wanne, durch welche ein konstanter Gleichstrom geleitet wird. Der elektrophysiologische Wärmereiz ist individuell steuerbar, so dass er auf die einzelnen erkrankten Körperbereiche einwirken kann. Der positive Effekt des Stangerbades ist gut dokumentiert. Folglich wird die Leistung auch von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Da es sich um eine teure Apparatur handelt, lohnt sich die Anschaffung und Unterhaltung des Stangerbades meist nur für größere Kliniken und Kureinrichtungen.

Wie funktioniert ein Stangerbad?

Die extra breite Badewanne ist am Fußende und an den Seiten, manchmal auch im Bodenbereich und am Kopfende, mit Metallplatten ausgestattet. Die Platten dienen als Anode (Pluspol) und Kathode (Minuspol). Dem Wasser können Salze oder Gerbstoffe beigefügt werden, um die Dichte und damit auch die Leitfähigkeit zu erhöhen. So soll auch der Hautwiederstand herabgesetzt werden. Der Patient taucht nun in das mit circa 35 Grad Celsius warme Wasser ein und bleibt auf dem Rücken liegen. Der Physiotherapeut aktiviert die beiden Pole, der Strom wir eingeleitet. Dabei empfindet der Patient ein gewisses Kribbeln auf der Haut. Der Vorgang ist allerdings gänzlich schmerzfrei. In dem Stangerbad verweilt der Patient eine gewisse Zeit.

Bei welchen Problemen ist das Stangerbad sinnvoll?

Das Stangerbad ist eine intensive Behandlungsmethode mit Langzeitwirkung. Die Durchblutung der Haut erhöht sich um bis zu 500 Prozent, die der Muskeln kann sich bis zu 300 Prozent erhöhen. Dadurch wirkt das Stangerbad gründlich auf den Stoffwechsel der Zellen. Es kann zur einer schmerzdämpfenden und einer muskel- und nervenentspannenden Wirkung kommen.

Das Stangerbad wird vor allem bei arteriellen Durchblutungsstörungen, bei rheumatischen Erkrankungen, Morbus Bechterew oder Ischiasbeschwerden verordnet. Durch die steuerbare elektrische Spannung können sinnvolle Therapiemaßnahmen bei Muskelhypertonie oder Muskelhypotonie (Muskelerschlaffung), bei Spasmen oder Lähmungen zusammengestellt werden. Auch Patientinnen mit gynäkologischen Erkrankungen können im Stangerbad behandelt werden. Die Studienlage zeigt auch, dass die Behandlung einer Fibromyalgie effektiver ist, wenn neben der medikamentösen Therapie das Stangerbad verordnet wird. Bei Erkrankungen, bei denen ein Medikament über die Haut aufgenommen werden soll, kann das Stangerbad ebenfalls sehr nützlich sein. In diesem Falle wird der speziell aufbereitete Wirkstoff direkt dem Wasser zugegeben.

Was sollte man bei dem Stangerbad beachten?

Wer unter einer akuten Herzerkrankung leidet oder einen Herzschrittmacher trägt, darf das Stangerbad nicht benutzen – es besteht Lebensgefahr. Menschen, die beispielsweise nach einer Knochenoperation metallene Implantate in sich tragen, sollten ebenfalls von einer Behandlung Abstand nehmen. Auch bei Fieber, einem erkrankten Lymphsystem oder Hauterkrankungen ist das elektrische Bad nicht möglich.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

Anzeige