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Gesundheitslexikon: Shirodhara (ayurvedischer Stirnölguss)

Shirodhara (ayurvedischer Stirnölguss): innere Harmonie gemäß indischer Tradition

Die indische Heilkunst Ayurveda besitzt laut Schätzungen eine über 5000-jährige Tradition und gilt somit als älteste vollständige Gesundheitslehre der Welt. Neben spiritueller Yogapraxis, Pflanzenheilkunde und Ernährungslehre sind auch verschiedene Massagetechniken Bestandteil des Ayurveda. Zu ihnen gehört der ‚Shirodhara‘, der traditionelle Stirnölguss. Zwar gibt es bislang keine repräsentativen Studien, die die medizinische Wirksamkeit des ‚Shirodhara‘ belegen. Dennoch erfreut er sich auch im westlichen Kulturkreis – vor allem im Rahmen von Wellness-Behandlungen – großer Beliebtheit.

Was ist ein ayurvedischer Stirnölguss?

Der Begriff ‚Shirodhara‘ setzt sich aus den dem Sanskrit entstammenden Begriffen ‚Shiro‘ für Kopf und ‚Dhara‘ für Fluss zusammen. Beim Stirnölguss wird die Stirnpartie eines liegenden Patienten mehrere Minuten lang kontinuierlich mit warmem Öl begossen. Der Ölfluss auf die Stirn geschieht in einem dünnen Strahl und mit kreisenden Bewegungen. Laut ayurvedischer Lehre sollen bei diesem Verfahren die Gehirnhälften harmonisiert und das vegetative Nervensystem beruhigt werden. Stress soll abgebaut und die Selbstheilungskräfte aktiviert werden.

Ablauf der Behandlung

Vor Beginn der Behandlung wird das Öl in ein hängendes Gefäß mit einem Loch – das so genannte ‚Dhara-Gefäß‘ – gefüllt. Es wird in einer Höhe von etwa 8 bis 10 Zentimetern über dem Kopfende einer Liege aufgehängt oder alternativ von Hand festgehalten. Der Patient legt sich nun auf die Liege und schließt die Augen, die meist zusätzlich noch mit einem Tuch vor dem Öl geschützt werden. Das ‚Dhara-Gefäß‘ wird nun in eine leicht kreisende Bewegung versetzt und mit warmem Öl befüllt, das in einem feinen Strahl etwa 25 bis 30 Minuten lang auf die Stirn rinnt.

Anwendungsbereiche des ‚Shirodhara‘

Ein ayurvedischer Stirnölguss kommt unter anderem bei Kopfschmerzen, nervöser Unruhe, Depressionen, Stress-Symptomen, Schlaf- sowie Konzentrationsstörungen zur Anwendung. Auch bei einer vegetativen Dystonie, also einer dauerhaften Störung der Erregungsleitung im vegetativen Nervensystem, wird er empfohlen. Weitere Krankheitsbilder, auf die sich der ‚Shirodhara‘ laut ayurvedischer Lehre positiv auswirken soll, sind Gesichtslähmungen sowie halbseitige Körperlähmungen. Gemäß der im Ayurveda üblichen Einteilung in so genannte ‚Doshas‘, also Lebensenergien, ist der ‚Shirodhara‘ besonders für Menschen mit ‚Vata‘-Konstitution geeignet. Er soll dabei helfen, ihren oftmals zu hohen Blutdruck zu senken.

Was vor und nach der Durchführung zu beachten ist

Aufgrund der blutdrucksenkenden Eigenschaften soll bei einem bekanntermaßen zu niedrigen Blutdruck vom ‚Shirodhara‘ abgesehen werden. Selbiges gilt für Personen mit einem schwachen Kreislauf sowie Frauen während der Menstruation. Generell ist es ratsam, vor der ersten ‚Shirodhara‘-Behandlung einen Arzt zu konsultieren und auf die Wahl eines erfahrenen Ayurveda-Therapeuten zu achten. Unmittelbar nach der Behandlung sollte man zugunsten des Kreislaufs sehr langsam aufstehen und eine Ruhepause einlegen. Auch mentale Anstrengungen sollen nach Möglichkeit vermieden werden.

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