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Gesundheitslexikon: Sexsucht

Sexsucht: Wenn zu viel noch immer zu wenig ist

Die individuelle Ausprägung des Sexualtriebs kann stark variieren; dementsprechend lässt sich auch über die Definition des normalen Maßes sexuellen Verlangens streiten. Das lustvolle Ausleben der eigenen Sexualität kann sich laut verschiedener Studien positiv auf Körper und Psyche auswirken. Wenn Sex jedoch zur Sucht wird und den Alltag eines Menschen und seines Umfelds zu bestimmen beginnt, liegt die Diagnose 'Sexsucht' nahe.

Was ist Sexsucht?

'Hypersexualität', umgangssprachlich auch als Sexsucht bezeichnet, beschreibt ein sexuelles Verlangen, das über die Norm hinausgeht. Aufgrund dieser unscharfen Eingrenzung werden das Krankheitsbild und seine Diagnostik häufig sehr kontrovers diskutiert und von einigen Experten gar in Frage gestellt. Charakteristisch für diese Erkrankung ist jedoch nicht nur die ausschließlich subjektiv bewertbare Häufigkeit sexueller Betätigung, sondern vor allem das Maß, in welchem der Alltag des Betroffenen von ihr bestimmt wird. Die unter anderem auch als 'Sexualzwang', 'Sexualabhängigkeit', 'Hypererotizismus' oder 'Hyperlibido' bekannte Krankheit fand 1896 erstmals Erwähnung in einem wissenschaftlichen Lehrbuch.

Ursachen

Die genauen Ursachen der Sexsucht sind nicht bekannt; meist kommen hier mehrere Faktoren zusammen. Als psychologische Ursachen werden unter anderem emotionaler und körperlicher Missbrauch bei Kindern und Jugendlichen vermutet. Ebenso kommen aber auch besonders positive Erinnerungen an frühe sexuelle Erlebnisse als Auslöser infrage: Die Betroffenen verspüren das Bedürfnis, den rauschartigen Zustand, den sie mit diesem Erlebnis verbinden, immer wieder erleben zu wollen. Neben psychologischen können auch familiäre Faktoren eine Rolle spielen – etwa dann, wenn bereits die Eltern Suchtverhalten vorlebten. Drogenkonsum und bestimmte Krankheiten wie 'Syphilis', 'Manie', 'Hyperthyreose' oder Tumorerkrankungen können ebenfalls eine Rolle spielen.

Symptome

Die Symptome einer Sexsucht ähneln denen anderer Suchterkrankungen sehr stark. Der Sexualtrieb wird zum bestimmenden Element im Leben des Erkrankten, der viel Zeit und – im Falle von Telefonsex, Pornographie oder Bordellbesuchen – Geld in seine Sucht investiert. Wie bei stofflichen Suchterkrankungen nimmt die Intensität der Sucht während des Krankheitsverlaufs meist zu: Der Betroffene gewinnt immer weniger Befriedigung aus einer steigenden Zahl sexueller Erlebnisse. Gleichzeitig werden auch die Auswirkungen auf den Alltag und auf zwischenmenschliche Beziehungen immer offenbarer. Laut einiger Experten können bei Betroffenen im Falle einer Abstinenz regelrechte Entzugserscheinungen in Form von Unausgeglichenheit und Gereiztheit auftreten.

Diagnose

Aufgrund fehlender objektiver Kriterien bezüglich eines gesunden oder ungesunden Sexualverhaltens gestaltet sich die Diagnose von Sexsucht kompliziert. Als Anhaltspunkt für die Schwere der Erkrankung können der Leidensdruck des Betroffenen sowie auch seiner Angehörigen dienen. Häufig kommt es durch die Erkrankung zu Konflikten in der Partnerschaft; auch berufliche Pflichten werden mitunter vernachlässigt. Obgleich der Lustgewinn subjektiv zum Lebensmittelpunkt wird, nimmt die Lust und damit auch die Lebensqualität immer weiter ab. Häufig erfolgt angesichts solcher Veränderungen eine Selbstdiagnose, die später von einem hinzu gezogenen Experten validiert wird.

Behandlung

Die jeweils am besten geeignete Behandlungsmethode bei Sexsucht hängt stark von deren Ursachen ab. Im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie können schädliche Denk- und Verhaltensmuster, oft auch mittels einer zeitlich begrenzten sexuellen Abstinenz, erkannt und durchbrochen werden. Denkbar ist auch die Aufarbeitung belastender Kindheitserlebnisse mittels einer Gesprächstherapie. In Absprache mit einem Therapeuten oder Facharzt kann eine zusätzliche medikamentöse Behandlung der 'Hypersexualität' ins Auge gefasst werden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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