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Gesundheitslexikon: Schwerbehinderung

Schwerbehinderung: Für wen und warum gilt der Sonderstatus?

Eine Behinderung kann körperliche oder seelische Ursache haben und tritt oftmals in kombinierter Form auf. Schwerbehinderte Menschen sind in ihrer Teilhabe am gesellschaftlichen Leben eingeschränkt, wenn die körperliche Funktion, die psychische Gesundheit oder die geistige Fähigkeit beeinträchtigt sind.

Schwerbehindert nach Landesrecht – wer gilt als solches?

Das zweite Sozialgesetzbuch IX regelt die genauen Umstände in Paragraph zwei, Abschnitt Eins. Wer den Status des Schwerbehinderten erhält, trägt einen offiziell anerkannten Grad der Behinderung von mindestens 50 Prozent. Die Prüfung geschieht durch das sogenannte Versorgungsamt im kommunalen Kreis des Betroffenen. Die Antragstellung und Bewilligung ist daher so wichtig, weil diesem Personenkreis spezielle Aufmerksamkeit, beispielsweise im Arbeitsrecht zusteht. Sie genießen einen besonderen Kündigungsschutz, abweichende Urlaubsregelung und können zudem finanzielle Entlastungen beantragen. Für den öffentlichen Personenverkehr kann eine Sondermarke für freie Fahrt sorgen und eine Befreiung der Rundfunkgebühren ist möglich. Auch steuerliche Aspekte dienen dazu, die Belastung zu senken.

Die Historie der Schwerbehinderten – warum gibt es den Sonderstatus?

Die Geschichte des Behindertenrechts begann vor Hunderten von Jahren durch die zarte Entwicklung der Nächstenliebe und den Wohlfahrtsgedanken. Kriegsbeschädigte und körperlich oder geistig eingeschränkte Mitmenschen konnten auch damals kaum Arbeit finden und hatten ein hartes Leben vor sich. Mitte des 19. Jahrhunderts nahm sich die Kirche des Problems an, was durch die Armenämter von damals gefordert wurde. Eine ‚Krüppelzählung‘ kam erstmals auf, um die Menschheit in Bezug auf dieses damals heikle Thema aufzurütteln. Im Grunde wurde die heute genannte Teilhabe am Arbeitsleben durch folgenden Satz eingeleitet: „Der Krüppel soll aus einem Almosenempfänger zu einem Steuerzahler werden “. Konrad Biesalski, Kinderarzt und Orthopäde, nutzte diesen Satz als Hauptargument für die Umsetzung. Zahlreiche Petitionen ermöglichten die ‚Krüppelfürsorge‘ und ‚Krüppelheime‘, eine frühe Ausgabe der heutigen Rehabilitation.

Schwerbehinderung in der heutigen Zeit

Erst im Jahre 1970 nahm die Entwicklung des Behindertenrechts stetig zu. Die Regierung kreierte das Programm zur Förderung der Rehabilitation von Behinderten, um neue Hilfen zu schaffen. 2004 wurde das SGB IX gestaltet, um Richtlinien zu definieren. Das Schwerbehindertenrecht wie Sie es heutzutage kennen, ist also noch nicht sehr alt. In den letzten Jahrzehnten nach dem Krieg wurde viel geschaffen, verändert und nach und nach humanisiert. Das deutsche Behindertengesetz gilt sogar als Vorbild für viele andere Länder in der Welt. Nirgends gibt es solche umfassende Hilfestellungen und Unterstützungen für die Inklusion behinderter und natürlich schwerbehinderter Menschen, wobei weitere Verbesserungen nicht ausgeschlossen sind.

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