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Gesundheitslexikon: Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes)

Schwangerschaftsdiabetes: Stoffwechselstörung bei werdenden Müttern

In den neun Monaten der Schwangerschaft hat der weibliche Körper Höchstleistungen zu erbringen. Nicht immer kann der Körper diese Herausforderung problemlos meistern. Einige werdende Mütter erkranken an einer Stoffwechselstörung, dem Schwangerschafts- oder Gestationsdiabetes. Dabei gelangt zu wenig Traubenzucker aus dem Blut in die körpereigenen Zellen, und die Zuckerwerte steigen an.

Wann tritt Schwangerschaftsdiabetes auf?

Üblicherweise tritt die Erkrankung nur während der Schwangerschaft auf. Allerdings besteht ein erhöhtes Risiko für eine spätere Diabetes-Typ-2-Erkrankung, das aber durch das Stillen des Babys reduziert werden kann.

Besonders gefährdet sind übergewichtige Schwangere sowie werdende Mütter, die über 30 Jahre alt sind, bereits mehrere Fehlgeburten hatten und/oder Diabetesfälle in der Familie haben. Wurde bereits ein Kind mit einem Geburtsgewicht von mehr als 4.000 Gramm entbunden, kann ebenfalls ein erhöhtes Risiko bestehen.

Ursachen

Statistiken belegen, dass mehr als drei Prozent der deutschen Schwangeren an Gestationsdiabetes erkranken. Die Ursache dafür ist nicht gänzlich geklärt. Mediziner vermuten, dass eine genetische Veranlagung zu Diabetes die Erkrankung begünstigen kann. Ein weiterer Grund für das Auftreten von Schwangerschaftsdiabetes kann die massive Umstellung des Hormonhaushaltes sein. So liegt es nahe, dass die Schwangerschaftshormone die Ausschüttung von Insulin ankurbeln oder dessen Wirkung verringern. Zudem wird wahrscheinlich im Mutterkuchen mehr Insulin als notwendig abgebaut.

Symptome

Oftmals verläuft die Erkrankung symptomlos oder ihre Anzeichen wie starker Durst, vermehrtes Wasserlassen und Müdigkeit werden als Nebenwirkungen der Schwangerschaft abgetan. Deutliche Symptome sind hingegen häufiges Erbrechen in der Frühschwangerschaft, eine erhöhte Anfälligkeit für Harnwegsinfekte und Scheidenentzündungen sowie die Bildung einer Gestose. Häufig wird vermehrt Fruchtwasser gebildet, was zu Spannungsschmerzen im Bauch und zu erschwerter Atmung führen kann. Zudem sind Komplikationen wie eine Kreislaufentgleisung mit Ödemen, Nierenfunktionsstörungen, Bluthochdruck oder sogar eine Fehlgeburt möglich.

Das Ungeborene leidet ebenfalls unter der Erkrankung, denn die aus dem Schwangerschaftsdiabetes resultierende verminderte Durchblutung der Plazenta gefährdet die Ernährung des Fötus. Besteht der Gestationsdiabetes bereits ab der Frühschwangerschaft, so sind Fehlbildungen des Kindes möglich. Nach der Geburt können Beschwerden wie Unterzuckerung oder ein Atemnotsyndrom auftreten.

Diagnose

Je früher die Krankheit erkannt wird, desto eher können Folgen für Mutter und Baby minimiert werden. Mediziner empfehlen, zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche einen Screeningtest durchführen zu lassen. Geben die Werte Anlass zur Sorge, so wird ein oraler Glukosetoleranztest (OGTT) durchgeführt. Für Risikopatientinnen wird der Gynäkologe den OGTT in der Regel schon früher verordnen.

Behandlung

Mithilfe der richtigen Ernährung können Betroffene den Schwangerschaftsdiabetes ohne Medikamente in den Griff bekommen. Die aufgenommene Energiemenge sollte rund 1.800 bis 2.000 Kalorien betragen, auf Kohlenhydrate aus weißem Mehl sollten Sie verzichten. Achten Sie außerdem darauf, ausreichend Flüssigkeit aufzunehmen. Darüber hinaus wird regelmäßige, nicht überanstrengende Bewegung angeraten.

Erzielen eine Ernährungsumstellung und vermehrte körperliche Betätigung keine Erfolge, so kann eine medikamentöse Behandlung notwendig werden. Der überschießende Blutzuckerspiegel wird dann durch vor den Mahlzeiten gespritztes Insulin reguliert. Vermehrte Kontrolltermine beim Frauenarzt stehen auf dem Programm, vor allem wird das Wachstum des Kindes engmaschig kontrolliert.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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