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Gesundheitslexikon: Schwangerschaftsabbruch

Schwangerschaftsabbruch – in Deutschland rechtlich genau geregelt

Kommt es zu einer ungewollten Schwangerschaft oder entscheiden sich die Eltern wegen einer Fehlbildung des Ungeborenen für einen Schwangerschaftsabbruch, kann das für die werdende Mutter äußerst belastend sein. Deshalb muss hierzulande jede Frau, die einen Schwangerschaftsabbruch in Betracht zieht, zuerst eine Beratung in Anspruch nehmen. In Deutschland werden rund 100.000 Schwangerschaften pro Jahr abgebrochen. Im Gegensatz dazu stehen etwa 715.000 Geburten.

In welchen Fällen darf eine Schwangerschaft abgebrochen werden?

Laut Paragraf 218 des Strafgesetzbuches ist die Abtreibung in Deutschland verboten. Es gibt allerdings Ausnahmen:

Ein Schwangerschaftsabbruch ist dann zulässig, wenn sich die Frau innerhalb der ersten zwölf Wochen nach der Empfängnis befindet. Voraussetzung sind eine Konfliktberatung und eine nachfolgende dreitägige Bedenkzeit. Der Eingriff gilt als rechtswidrig, wird jedoch nicht strafrechtlich verfolgt. Rund 96 Prozent der Abtreibungen werden aufgrund dieser Ausnahmeregelung durchgeführt.

Besteht eine Gefahr für das Leben oder die seelische Gesundheit der Frau, ist ein Abbruch der Schwangerschaft bis zur 24. Woche möglich. Diese Indikation kommt zudem bei schweren Erkrankungen oder einer Behinderung des Ungeborenen zum Tragen.

Ebenfalls eine Ausnahme bilden Schwangerschaften, die aus einer Vergewaltigung entstanden ist. Die Abtreibung ist in diesem Fall bis zur 12. Schwangerschaftswoche möglich.

Wo und zu welchen Kosten wird ein Schwangerschaftsabbruch durchgeführt?

Frauenarztpraxen, Abtreibungskliniken oder Krankenhäuser führen legale Abtreibungen durch. Die Kosten liegen bei etwa 400 Euro. Liegt eine medizinische Indikation vor oder kam die Schwangerschaft durch eine Vergewaltigung zustande, so kommt die gesetzliche Krankenkasse für die Kosten auf.

Ein Schwangerschaftsabbruch auf Wunsch der Mutter ist aus eigener Tasche zu bezahlen. Die Ausnahme bildet dabei der Paragraf 19 des Schwangerschaftskonfliktgesetzes: Frauen haben dann Anspruch auf eine Leistung der Krankenkasse, wenn die Aufbringung der Geldmittel nicht zumutbar ist.

Welche Methoden gibt es?

In Deutschland wird der Wirkstoff Mifepriston für den medikamentösen Schwangerschaftsabbruch verwendet. Das Mittel darf bis zum 63. Tag nach dem ersten Tag der letzten Monatsblutung (neunte Schwangerschaftswoche) eingenommen werden. Durch die Einnahme wird der Muttermund erweicht und öffnet sich, zusätzlich wird das schwangerschaftserhaltende Hormon Progesteron gehemmt. Etwa 36 bis 48 Stunden nach der Einnahme verabreicht der Arzt zusätzlich Prostaglandine, die wehenfördernd wirken und infolge eine Fehlgeburt auslösen. Diese Art der Abtreibung kommt in 95 Prozent der Schwangerschaftsabbrüche zur Anwendung.

Eine andere Möglichkeit ist der operative Schwangerschaftsabbruch, der unter örtlicher Betäubung oder in Vollnarkose durchgeführt wird. Die bei uns häufigste Methode ist die Saugkürettage. Dabei wird der Muttermund gedehnt und der Embryo sowie die Gebärmutterschleimhaut über ein Röhrchen abgesaugt.

Bei Komplikationen, etwa beim Zurückbleiben von Schwangerschaftsgewebe, kann bei beiden Varianten zusätzlich eine Ausschabung notwendig werden.

Welche Risiken und Nebenwirkungen sind möglich?

Durch die Liberalisierung und die dadurch sachgemäß durchgeführten Abtreibungen wurde das Komplikations- und Todesrisiko minimiert. Bei Folgeschwangerschaften kann es aber zu Problemen kommen, die Gefahr von Früh- und Fehlgeburten steigt.

Nicht zu vernachlässigen ist die psychische Belastung der Frau, insbesondere bei Abtreibungen, die aufgrund von Erkrankungen des Embryos erfolgen. Gynäkologen und Kliniken geben Auskunft über Beratungsstellen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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