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Gesundheitslexikon: Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsenkarzinom)

Schilddrüsenkrebs – in Deutschland eine seltene Tumorerkrankung

Der Schilddrüsenkrebs, auch als Schilddrüsenkarzinom bezeichnet, ist ein seltener bösartiger Tumor, von dem grundsätzlich mehr Frauen als Männer betroffen sind. Seine Prognose ist bei Behandlung meist günstig. Dabei kommt es jedoch auf die Art des Schilddrüsenkrebses an.

Verschiedene Arten von Schilddrüsenkrebs

Es gibt vier verschiedene Typen von Schilddrüsenkrebs. Am häufigsten kommen der papilläre und der follikuläre Typ vor. Beide Krebsformen gehen von den Thyreozyten aus und stellen ein differenziertes Wachstum dar. Die Thyreozyten produzieren die Schilddrüsenhormone. Beim papillären Schilddrüsenkarzinom bilden sich papilläre Strukturen aus, die fingerförmig verästelt sind. Er stellt den größten Anteil der Schilddrüsenkarzinome. Der follikuläre Typ ähnelt dem Aufbau einer ausgereiften Schilddrüse. Beide Formen des Tumors lassen sich gut behandeln. Sehr selten tritt der undifferenzierte und aggressive anaplastische Typ auf. Mit nur fünf Prozent am Gesamtanteil der Schilddrüsenkarzinome ist er jedoch auch am gefährlichsten. Auch der anaplastische Typ geht von den Thyreozyten aus, aber er wächst unabhängig vom übrigen Gewebe und infiltriert die gesunden Bereiche der Schilddrüse. Das medulläre Schilddrüsenkarzinom betrifft nicht die Thyreozyten, sondern die sogenannten C-Zellen. Die C-Zellen produzieren das Hormon Calcitonin, welches den Kalziumstoffwechsel des Organismus steuert. Entwicklungsgeschichtlich gehören die C-Zellen eigentlich nicht zur Schilddrüse. Sie stellen ein ursprünglich eigenes Organ dar, das mit der Schilddrüse heute eine Struktureinheit bildet.

Ursachen

Es wurde ein deutlicher Zusammenhang zwischen Strahlenbelastung und Häufigkeit von Schilddrüsenkarzinomen festgestellt. Auch Jodmangel spielt eine große Rolle. Im Rahmen des Jodmangels vergrößert sich die Schilddrüse, was die Wahrscheinlichkeit einer malignen Entartung steigert. Des Weiteren erhöhen bestehende Schilddrüsenerkrankungen wie das Hashimotosyndrom, bestehende Adenome (gutartige Geschwülste) oder eine Struma (Kropf) das Risiko einer Krebsentstehung. Der medulläre Typ des Schilddrüsenkarzinoms kann teilweise auch auf erbliche Belastungen zurückzuführen sein.

Symptome

Lange bleibt ein Schilddrüsenkarzinom symptomlos. Später werden kleine Knoten im Bereich der Schilddrüse bemerkt. Die Halslymphknoten schwellen an und es entwickeln sich chronische Heiserkeit, Schluckstörungen und eine derbe Konsistenz der Schilddrüse.

Diagnose

Zur Diagnose eines Schilddrüsenkarzinoms müssen verschiedene Untersuchungen wie Abtasten der Schilddrüse auf Knoten, Ultraschall, Schilddrüsenszintigrafie auf Feststellung kalter Knoten und Blutuntersuchungen auf Tumormarker durchgeführt werden. Tumormarker stellen unter anderem Thyreoglobulin bei nicht-medullären und Calcitonin bei medullären Tumoren dar. Kalte Knoten können punktiert und die entnommenen Gewebsproben histologisch untersucht werden.

Behandlung

Bei einem Schilddrüsenkarzinom muss die Schilddrüse grundsätzlich vollständig entfernt werden. Des Weiteren werden oft auch die angrenzenden Lymphknoten operiert. Das ist jedoch nur beim medullären Typ des Karzinoms immer notwendig. Beim papillären oder follikulären Typ kann auf eine Lymphknotenresektion auch verzichtet werden, wenn noch keine Metastasen festgestellt wurden. Bei den Jod speichernden Formen des Tumors schließt sich eine Radiojodbehandlung an. Da beim medullären Schilddrüsenkarzinom keine Thyreozyten betroffen sind, ergibt eine Radiojodbehandlung hier keinen Sinn. Eine Chemotherapie spricht bei Schilddrüsenkarzinomen kaum an. Nach der Operation schließt sich eine lebenslange Substitution mit Schilddrüsenhormonen an.

Vorbeugung

Eine direkte Vorbeugung vor einem Schilddrüsenkarzinom gibt es nicht. Allerdings sinkt das Risiko der Entstehung von Schilddrüsenkrebs durch Vermeiden eines Jodmangels und einer hohen Strahlenbelastung.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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