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Gesundheitslexikon: Rotatorenmanschette

Rotatorenmanschette – die Schutzkappe im Schultergelenk

Die Rotatorenmanschette besteht aus den Sehnen von vier Muskeln, die am Schulterblatt entspringen und gelenknah am Oberarmknochen ansetzen. Sie umschließt das Schultergelenk wie eine Kappe.

Anatomie

Drei Muskeln der Rotatorenmanschette, der M. supraspinatus, der M. infraspinatus und der M. teres minor, entspringen an der Rückseite des Schulterblattes an verschiedenen Flächen. Sie ziehen alle zum Tuberculum majus, einem großen Knochenvorsprung seitlich am Oberarmkopf und setzen dort an verschiedenen Facetten an. Der M. supraspinatus hat einen besonderen Verlauf. Er erreicht das Schultergelenk von oben und durchquert dabei den engen Raum zwischen Schulterdach und Oberarmkopf. Der M. subscapularis hat seinen Ursprung an der Vorderseite des Schulterblattes und verläuft von dort bis zum Tuberculum minus. Das ist der kleinere Knochenvorsprung am Oberarmkopf, der sich etwas weiter vorne befindet.

Funktion

Das Schultergelenk ist ein Kugelgelenk, das keine knöcherne Fassung hat. Die Gelenkpfanne, die sich an einem Ausläufer des Schulterblattes befindet, ist viel kleiner als der Gelenkkopf des Oberarms. Da auch nur eine geringe Stabilisierung durch Bänder stattfindet, müssen die Muskeln die Sicherung übernehmen. Gemeinsam mit dem Deltamuskel und dem Bizeps spielt die Rotatorenmanschette dabei eine entscheidende Rolle. Ihre vier Muskeln sind bei allen Bewegungen aktiv, um das Gelenk zu zentrieren und zu sichern, da sonst die Gefahr besteht, dass es zu einer Verrenkung (Luxation) kommt.

Außerdem sind sie an den Bewegungen des Arms beteiligt. Der M. infraspinatus ist eigentlich der einzig nennenswerte Außenrotator des Schultergelenks. Er wird geringfügig vom M. teres minor und vom M. supraspinatus unterstützt, dessen Hauptfunktion die Abduktion zu Beginn der Bewegung ist. Der M. subscapularis ist in der Nullstellung des Arms ein starker Innenrotator, der gemeinsam mit den langen Muskeln, die den Arm nach innen drehen, die Kraft der Außenrotatoren um ein Vielfaches überwiegt.

Erkrankungen/Verletzungen

Die Sehnen der Rotatorenmanschette sind sehr hohen Belastungen ausgesetzt aufgrund ihrer Doppelfunktion als bewegende und stabilisierende Elemente. Im Laufe der Zeit kann es dadurch zu Verschleißerscheinungen kommen. Die Sehne dünnt aus und kann Reizerscheinungen zeigen und irgendwann bei Belastungen ein- oder abreißen. Besonders gefährdet ist der M. supraspinatus wegen seiner besonderen Lage. Der Raum zwischen Schulterdach und Oberarmkopf ist sehr schmal und kann durch individuelle Gegebenheiten oder infolge von Verletzungen noch mehr eingeengt werden. Beim Heben des Armes kann es deshalb wiederholt zu schmerzhaften Einklemmungen der Supraspinatussehne kommen. Dieses Phänomen wird Impingement-Syndrom genannt. Die Folge können entzündliche Prozesse sein, die auch in den Schleimbeutel übergehen, der sich zwischen der Sehne und dem Knochen befindet. In diesen beiden Strukturen können sich auch Kalkeinlagerungen bilden, die bei Bewegungen einen starken mechanischen Reiz im Gewebe verursachen mit hoch akuten stechenden Schmerzen.

In seltenen Fällen kann es nach krankhaften Prozessen oder nach einer Schulteroperation zu einer massiven Kapselschrumpfung (Frozen shoulder) kommen, durch die die Beweglichkeit im Schultergelenk erheblich eingeschränkt wird.

Risse in der Rotatorenmanschette können ohne vorherige Degeneration auch durch hohe Gewalteinwirkung verursacht werden, zum Beispiel bei einem Sturz auf die Schulter.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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